Bildungsmonitor 2019 Was Berlin gut und Sachsen besser macht

Wie gut schneiden die Bundesländer in Sachen Bildung ab? Das haben Forscher des Instituts der deutschen Wirtschaft untersucht - und dabei auch festgestellt, welche Schwächen die Spitzenreiter haben und worin die Schlusslichter stark sind.
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Sachsen und Bayern an der Spitze, Berlin und Bremen auf den unteren Rängen: Seit Jahren kommen Wissenschaftler, die versuchen, ein Ranking der deutschen Bildungslandschaft aufzustellen, zu ähnlichen Ergebnissen. So nun auch Forscher des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln, die den Bildungsmonitor 2019 erstellten.

Die Studie  wurde an diesem Donnerstag vorgestellt und ergab: Sachsen erzielte im Schnitt die meisten Punkte - mit deutlichem Abstand vor dem zweitplatzierten Bayern. Berlin, Brandenburg, Bremen und Nordrhein-Westfalen stehen nah beieinander am Schluss.

Die Lobbyorganisation INSM, in deren Auftrag die Studie erstellt wurde, wird nach eigenen Angaben von den Arbeitgeberverbänden der Metall- und Elektroindustrie finanziert. Der Bildungsmonitor, den es seit 2004 gibt, soll die Leistungsfähigkeit der Bildung in den Bundesländern aus einer wirtschaftlichen Perspektive beleuchten.

In die Auswertung flossen 93 Indikatoren ein, die sehr viele Bereiche abdecken, etwa die Betreuungsrelation in Kitas, die Bildungsausgaben pro Schüler und Student, die Klassengrößen, Lese- und Rechenkompetenzen von Neuntklässlern oder die Investitionsquote beruflicher Schulen.

Die Ergebnisse sind jedoch nur auf den ersten Blick eindeutig. Wenn man die einzelnen Bereiche genauer betrachtet, weisen alle Bundesländer Stärken und Schwächen auf.

Rang 1: Sachsen

Der Spitzenreiter schneidet besonders bei der Schulqualität und der Vermeidung von Bildungsarmut gut ab. So werden beispielsweise viele Kinder in Kitas und Grundschulen ganztags betreut und nur wenige Schüler erreichen nicht die Mindeststandards in Mathe oder Lesen. Außerdem werden an sächsischen Hochschulen viele Ingenieure und Akademiker in Mathe und Naturwissenschaften ausgebildet.

Allerdings sei die Altersstruktur der Lehrkräfte in Sachsen besonders unausgewogen, schreiben die Autoren. Das führe dazu, dass an den Schulen im Land sehr viele Quereinsteiger arbeiteten.

Rang 2: Bayern

Der Freistaat ist den Forschern zufolge Spitze bei der beruflichen Bildung: Das Angebot an Ausbildungsstellen ist groß, der Anteil unversorgter Jugendlicher ist gering, und es nehmen im Bundesländervergleich die anteilig meisten Erwachsenen an Fortbildungen teil. Außerdem verlassen nur wenige Jugendliche die Schule ohne Abschluss. Nachholbedarf hat Bayern - trotz Fortschritten in den letzten Jahren - aber weiterhin beim Ausbau von Ganztagsplätzen.

Rang 3: Thüringen

In Thüringen kommen rechnerisch auf eine Lehrkraft vergleichsweise wenige Schüler, die Bildungsausgaben je Schüler sind an den Berufsschulen sehr hoch, es gibt ein gutes Ganztagsangebot für Kita-Kinder und Grundschüler und nur wenige Jugendliche verbleiben ohne Ausbildungsstelle. Allerdings ist auch hier die Altersstruktur der Lehrer unausgewogen. Das heißt, es gibt besonders viele ältere Lehrer. Das erschwere eine gute Personalpolitik der Schulen, wie die Autoren schreiben.

Rang 4: Saarland

Besonders stark verbessert hat sich in den vergangenen Jahren das Saarland. Die Ausgaben pro Student seien dort deutlich gestiegen, ebenso der Anteil der Grundschüler mit Ganztagsbetreuung. Auch habe sich die Schüler-Lehrer-Relation im Berufsschulbereich verbessert.

Rang 14: Bremen

Nirgendwo sonst sind die Drittmitteleinnahmen je Professor so hoch wie in Bremen, außerdem ist das Angebot an Lehrstellen gut. Bremens Schüler wiesen jedoch unterdurchschnittliche Kompetenzen in Fremdsprachen auf und die Bildungsausgaben je Schüler sind vergleichsweise gering.

Rang 15: Brandenburg

Überdurchschnittlich gut schnitt Brandenburg bei der Vermeidung von Bildungsarmut und bei der Schulqualität ab. Außerdem werden dort fast alle Berufsschüler in Fremdsprachen unterrichtet. Allerdings tragen die Professoren der Hochschulen "in relativ geringem Maß" zur Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses bei, und die Zahl der Studienabsolventen ist gemessen an der akademischen Wohnbevölkerung laut Bildungsmonitor sehr gering.

Rang 16: Berlin

Im vergangenen Jahr hatte Berlin die rote Laterne erstmals nach vielen Jahren abgegeben, nun bekam die Bundeshauptstadt sie wieder zurück. Die Studie ergab, dass es in Berlin nur wenige Lehrstellen gibt, dass vergleichsweise viele Jugendliche die Schule oder ihre Ausbildung abbrechen und dass sich nur wenige Erwachsene fortbilden. Allerdings attestierten die Forscher der Hauptstadt auch einige Stärken: Die dortigen Professoren werben viele Drittmittel ein, die Schüler-Lehrer-Relation ist günstig und es findet besonders viel Unterricht statt.

Bei dem Ranking sollte jedoch berücksichtigt werden, dass die Bundesländer Bildung unter sehr unterschiedlichen sozialen, geografischen und arbeitsmarktstrukturellen Voraussetzungen anbieten. So bekam Baden-Württemberg Pluspunkte dafür, dass dort Grundschüler schon früh in Fremdsprachen unterrichtet werden, was auch mit der Nähe zum europäischen Ausland zu tun hat.

In dem Bericht wurde Berlin außerdem lobend erwähnt, weil es viele Ingenieurabsolventen aufweist - relativ zur Anzahl beschäftigter Ingenieure in der Hauptstadt. Das ist jedoch nicht unbedingt ein Qualitätsmerkmal, sondern lediglich ein Zeichen dafür, dass in Berlin viele Hochschulen und vergleichsweise wenige technische Unternehmen ansässig sind.

Die Autoren warnen, dass die Schulabbrecherquote im bundesweiten Schnitt binnen eines Jahres von 5,7 auf 6,3 Prozent angestiegen sei. "Die bisherigen Anstrengungen reichen offensichtlich nicht aus", sagte INSM-Geschäftsführer Hubertus Pellengahr. In den meisten Bundesländern und Handlungsfeldern habe es keine Fortschritte gegeben, sondern steigende Herausforderungen. Zwei drängende Aufgaben seien die Stärkung der Sprachförderung an den Kitas und der weitere Ausbau an Ganztagsschulen.

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