Bildungsstreit bei der Union Schavans Schulpläne unter Beschuss

Geht es nach dem CDU-Parteivorstand und Bildungsministerin Annette Schavan, werden Haupt- und Realschule zu einer Oberschule zusammengelegt. Nach SPIEGEL-Informationen formiert sich nun in der Südwest-CDU massiver Widerstand gegen die Pläne.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU): will das Schulsystem reformieren
dapd

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU): will das Schulsystem reformieren


Hamburg - Die CDU hat die Abkehr vom dreigliedrigen Schulsystem beschlossen. Ein entsprechendes Konzept, ausgearbeitet von Bundesbildungsministerin Annette Schavan und Sachsens Kultusminister Roland Wöllerohne, hatte der Parteivorstand im Juni abgesegnet. Erhalten bleiben soll demnach das Gymnasium, Haupt- und Realschule werden dagegen in einer neuen Oberschule vereint.

Nun wächst in der CDU der Widerstand gegen die Pläne der Parteiführung für eine Kehrtwende in der Bildungspolitik. Die baden-württembergische CDU kündigte an, sich auf dem bevorstehenden CDU-Parteitag im November in Leipzig gegen eine Abschaffung der Hauptschule zu sperren. "Die CDU ist gut beraten, die Vielfalt in der Schulpolitik zu erhalten", sagte der baden-württembergische CDU-Fraktionschef Peter Hauk dem Nachrichten-Magazin SPIEGEL. "Wir werden für das dreigliedrige Schulsystem kämpfen."

Auch von der CSU kam erneut Kritik an dem Plan der CDU, Haupt- und Realschule zu einer Oberschule zu fusionieren. "Ich halte es für einen Irrweg, wenn wir das zweigliedrige Schulsystem zum Leitbild erheben", sagt Albert Rupprecht, bildungspolitischer Sprecher der Unionsbundestagsfraktion. Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) sagte, sie sei dagegen, wenn sich die Berliner Parteiführung in die Bildungskompetenzen der Länder einmische. "Ich warne vor diesen zentralistischen Weltverbesserungsphantasien", sagte sie.

Auch Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) machte klar, dass er an den Plänen Schavans noch Änderungsbedarf sieht. "Das Papier des Bundesvorstandes ist noch nicht der Weisheit letzter Schluss", sagte Bouffier.

Die angegriffene Schavan dagegen verteidigte das Papier zur Bildungsreform und sagte: "Zur Wirklichkeit gehört, dass die Zahl der Hauptschüler immer kleiner wird. Darauf brauchen wir eine Antwort, die nicht in der schlichten Verteidigung einer Schulart besteht."

Mehr dazu im aktuellen SPIEGEL ab Seite 40



insgesamt 2 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Marshmallowmann 03.07.2011
1.
Jeder der sich auch nur ansatzweise mit dem deutschen Schulsystem beschäftigt hat weiss was für ein unglaublicher Blödsinn da verzapft wird. Die Schulen zusammenlegen? Ein Trauerspiel ohne gleichen.
Pensionist66 03.07.2011
2. Wie reagieren nun ...
... die Eltern von Viertklässlern, die ihre Kinder ursprünglich auf eine Realschule schicken wollten, weil das die am besten geeignete Schulart für sie war? Sie melden ihren Nachwuchs auf dem Gymnasium an, um zu vermeiden, dass die Kinder in eine Klasse mit Hauptschülern gehen müssen. Die Folgen: Die Kinder werden überfordert, das Niveau der Oberschule sinkt und das des Gymnasiums ebenfalls.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.