Pläne der KMK Länder wollen Mathe-Lehrer besser ausbilden lassen

Eine neue deutschlandweite Schulstudie zeigt: Im Osten rechnen die Schüler besser als im Westen. Die zuständigen Minister in den Bundesländern versuchen, das Gefälle zu erklären - und kündigen als erste Maßnahme an, die Lehrer besser ausbilden zu lassen.
Schüler im Labor: Der Osten schneiden besser ab

Schüler im Labor: Der Osten schneiden besser ab

Foto: Z1022 Patrick Pleul/ picture alliance / dpa

Die Bildungspolitik reagiert, zumindest kündigt sie schon mal Verbesserungen an: Als Konsequenz aus der neuen Schulleistungsstudie wollen die Bundesländer die Aus- und Weiterbildung von Fachlehrern für Mathematik und Naturwissenschaften verbessern. Das sagte der Präsident der Kultusministerkonferenz (KMK), Stephan Dorgerloh (SPD).

Denn: Der Studie zufolge haben 15 Prozent der Lehrer, die heute an den Schulen Mathematik unterrichten, dieses Fach gar nicht studiert - sieht man von den Gymnasien ab.

Der neue Bundesländer-Schulvergleich zeigt, dass ostdeutsche Schüler der neunten Jahrgangsstufe in Mathematik und Naturwissenschaften weitaus leistungsstärker sind als die meisten ihrer westdeutschen Altersgenossen (hier der Bericht der Forscher als pdf , Umfang: 416 Seiten). Alle fünf neuen Bundesländer kommen auf sehr gute Plätze. Von den Westländern können dagegen nur Bayern und Rheinland-Pfalz mithalten. Schlusslichter sind Bremen, Nordrhein-Westfalen und Hamburg. An dem neuen Schultest hatten sich über 44.000 Schüler aus den neunten Klassen aller Schulformen beteiligt.

Schulvergleich der Bundesländer

Schulvergleich der Bundesländer

Die rheinland-pfälzische Kultusministerin Doris Ahnen (SPD) warnte davor, nur auf solche Ranglisten zu "starren". In allen Bundesländern gebe es gute und schlechte Schulen. Man müsse noch mehr voneinander lernen und positive Beispiele herausstellen.

Mehr Mathe-Stunden im Osten

Der Schulforscher Hans Anand Pant verwies darauf, dass Mathematik und Naturwissenschaften schon zu DDR-Zeiten in den Schulen mit besonderer Aufmerksamkeit bedacht worden sei. Auch heute noch würden an den ostdeutschen Schulen in diesen Fächern mehr Unterrichtsstunden erteilt als im Westen. Der Großteil der heute in den neuen Ländern unterrichtenden Mathe-Lehrer ist noch zu DDR-Zeiten ausgebildet worden.

"Wir hatten vor allem eine praxisnahe Ausbildung mit vielen Praktika und Einsatz in der Schule", sagte Sachsens Kultusministerin Brunhild Kurth (parteilos), die selbst 13 Jahre als Chemielehrerin in der DDR gearbeitet hat.

Sachsen führt in allen vier Fächern die Leistungstabelle an. In Mathematik sind sächsische Schüler in der neunten Klasse ihren Altersgenossen aus Bremen rund zwei Schuljahre voraus. Ähnlich große Leistungsunterschiede gibt es auch in Physik. Zwischen Spitzenreiter Sachsen und dem Schlusslicht Nordrhein-Westfalen beträgt der Lernabstand ebenfalls rund zwei Jahre.

Mitarbeiter des ländereigenen Instituts für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) an der Berliner Humboldt-Universität hatten dafür im Mai und Juni 2012 mehr als 1300 Schulen im gesamten Bundesgebiet besucht. Neben den Tests wurden auch Interviews mit Schülern, Fachlehrern und Schulleitern zur Lernsituation gemacht.

Die Studie belegt zudem das alte Vorurteil, dass in Mathematik die Jungen besser abscheiden als die Mädchen. In Biologie ist es genau umgekehrt. Zudem sind Jungen viel mehr von ihren Leistungen überzeugt und schätzen sich besser ein, als sie tatsächlich sind. Mädchen unterschätzen dagegen in den Naturwissenschaften ihr Leistungsvermögen.

Hier die Ergebnisse der einzelnen Länder im Überblick:

Mathematik: Überdurchschnittlich gut waren hier die Schüler in Sachsen (536), sie schnitten selbst in der Spitzengruppe mit deutlichem Punkteabstand vor den Testteilnehmern anderer Bundesländer ab. Messbar besser als das Mittelfeld waren auch Thüringen und Brandenburg sowie Bayern und Sachsen-Anhalt.

Am Ende der Liste, mit nur 471 Punkten, liegt Bremen. Die weiteren Länder mit signifikant unterdurchschnittlicher Schülerleistung in Mathematik sind Berlin (479) und Nordrhein-Westfalen (486) sowie Hamburg und das Saarland (beide 489).

Naturwissenschaften: Auch beim Fachwissen in Biologie, Chemie und Physik liegt Sachsen vorn, allerdings beinahe gleichauf mit Thüringen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Zwischen den Resultaten der drei naturwissenschaftlichen Fächern zeigte der Neuntklässlertest nur geringe Abweichungen. Mit leichtem Abstand zu den vier führenden Bundesländern erreichten auch die Schüler in Mecklenburg-Vorpommern durchweg überdurchschnittlich gute Werte. Bayern schaffte es in Chemie und Physik, Rheinland-Pfalz in Biologie knapp in die Gruppe der Bestplazierten.

Die schlechtesten Leistungen im Feld Naturwissenschaften erbrachten die Schüler in Hamburg, Bremen und Nordrhein-Westfalen. Hessen rutschte in Biologie mit in die Gruppe der signifikant schlechten Leistungen, Berlin entging einem Platz in der Schlussgruppe in den Naturwissenschaften jeweils nur sehr knapp.

otr/cht/dpa
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