Biologie in echt Seziertraining im Schnippelkurs

Das Grundstudium der Biologie ist zäh. Da muss man durch, verbringt viele Stunden beim Pipetten-Jonglieren im Labor und spezialisiert sich dann im Haupstudium - zum Beispiel auf Molekulargenetik wie Jan Heinemann, 22, Biologiestudent in Bonn.

"Die erste Phase im Bio-Studium, in der man keinen Bock mehr hat, kommt schnell. Meist irgendwann zwischen dem ersten und dritten Semester. Dann heißt es entweder bis zum Vordiplom durchbeißen oder aufhören. Ich schätze, dass von den 200 Studenten, die mit mir angefangen haben, weniger als die Hälfte weiter ins Hauptstudium gegangen ist.

Der Schwund liegt am unflexiblen Grundstudium. Dort lernt man die wichtigen Grundlagen, aber nicht das spezielle Gebiet der Biologie, das einen interessiert. Erst im Hauptstudium kann man Schwerpunkte wählen. Botanik und Mikro-Biologie sind zum Beispiel zwei Fächer, die nur wenige Kommilitonen interessieren, trotzdem muss sie jeder belegen.

Der Matheschein ist zwar unbeliebt, aber in Bonn bei weitem nicht die größte Hürde des Grundstudiums. Schwieriger sind die beiden großen Bio-Scheine im ersten und zweiten Semester, da wird gesiebt.

Bio als Leistungskurs in der Schule bringt im Studium schon Vorteile. Es geht zwar auch ohne, aber dann muss man den ganzen Stoff allein nacharbeiten. Das ist an der Uni einfach schwerer als zu Schulzeiten. Auch Chemie ist im Grundstudium umfangreich, ein Chemie-Kurs in der Oberstufe ist da nützlich. Dafür ist Physik nicht so schwierig, zumindest in Bonn.

Von den verschiedenen Praktika ist der "Schnippel-Kurs" besonders spektakulär. Der offizielle Name des Kurses lautet "Evolution und Morphologie der Tiere". Hier seziert man Tiere, leider nicht so spektakuläre Arten wie bei den Medizinern, aber immerhin: Wir in Bonn haben mit Schwämmen und Quallen angefangen, zum Schluss durften wir dann sogar Ratten und Forellen zerlegen."

Aufgezeichnet von Sebastian Siegloch

Im zweiten Teil: Welche Teildisziplinen es gibt und wo Absolventen arbeiten - die Biologie im Überblick

Kurzbeschreibung: Biologie

Die Biologie ist die Wissenschaft von der belebten Natur. Sie beschreibt und untersucht die Erscheinungsformen der Lebewesen, ihre Lebensäußerungen und ihre Beziehungen untereinander. Von der Natur der Organismen ausgehend, gibt es vier große Teilgebiete: Botanik (Lehre vom Pflanzenreich), Zoologie (Lehre vom Tierreich), Mikrobiologie (Lehre von den Mikroorganismen) sowie Anthropologie (vergleichende Biologie des Menschen unter räumlichen und zeitlichen Aspekten, Verhältnis zu den Primaten). Die Humanbiologie ist stärker physiologisch-chemisch orientiert.

Daneben haben sich im Laufe der Zeit viele Teildisziplinen entwickelt, die sich mit den Vorgängen und Gesetzen, die allen Organismengruppen gemein sind, beschäftigen (Biowissenschaften). Dazu gehören die Zellbiologie zur Struktur, den Eigenschaften und Funktionen der Zelle; die Physiologie zu den die biochemischen und biophysikalischen Funktionen und Leistungen wie Stoffwechsel und interzelluläre Kommunikation; die Molekularbiologie zum molekularen Aufbau organischer Stoffe. Sie befasst sich insbesondere mit der Chemie und der Wirkungsweise der Erbfaktoren (Gene) und der Proteine (Eiweiße).

Hier besteht ein enger Zusammenhang mit verwandten Disziplinen wie Biochemie, Biophysik und Medizin. Weitere Teilgebiete sind die Ethologie (Verhalten von Tieren), Evolution (Entwicklungsgeschichte) oder Ökologie (Wechselbeziehungen zwischen den Lebewesen und ihrer Umwelt). Die Einwirkungen auf die Umwelt durch deren Nutzung seitens des Menschen werden besonders von der Geoökologie untersucht. Dabei spielen geowissenschaftliche Fächer und Chemie neben Biologie, Physik und Mathematik eine wichtige Rolle.

Weitere Biowissenschaften haben zunehmend an Bedeutung gewonnen, weil sie durch ihre anwendungsbezogenen Problemstellungen in besonderem Maße an der Gestaltung zukünftiger Lebensbedingungen mitwirken. Die Biotechnologie hat beispielsweise die Aufgabe, technische Maßnahmen zur Nutzung lebender Zellen zu erforschen und großtechnisch anzuwenden. Die Gentechnik hilft dabei durch gesteuerte Veränderung genetischen Materials (meist bei Mikroorganismen).

Auch in zahlreichen anderen Studiengängen findet man die Biologie als Grundlagenwissenschaft, etwa in Medizin, Pharmazie, Agrarwissenschaften oder Ernährungswissenschaft. Zunehmend beschäftigt sich auch die Informatik mit biologischen Problemstellungen; so wurde an mehreren Hochschulen der Studiengang Bioinformatik eingerichtet. Die Biowissenschaften sind vornehmlich experimentelle Naturwissenschaften und in ihrer Denk- und Arbeitsweise durch ihre Nachbarwissenschaften Chemie, Physik und Mathematik geprägt worden. Aus den gemeinsamen Grenzbereichen haben sich die Biochemie, die Biophysik und die Biomathematik als Wissenschaftsfelder verselbstständigt.

Beschäftigungsmöglichkeiten

Biologen ohne Lehramtsabschluss finden überwiegend Beschäftigung an Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Daneben arbeiten sie auch in der pharmazeutischen Industrie (als Pharmaberater oder für die klinische Prüfung von Arzneimitteln), in der chemischen und Lebensmittelindustrie, in der Medizintechnik im Vertrieb und Produktmanagement, im Brauwesen, bei Dienstleistern im Bereich Dokumentation und Infobroking sowie bei Behörden des Bundes und der Länder, welche mit dem Vollzug von Umwelt- und Gesundheitsschutzgesetzen befasst sind. Auch bei Medien, Buchverlagen sowie in der Aus- und Weiterbildung finden sie Arbeitsmöglichkeiten. Bei entsprechender Zusatzausbildung ist auch eine Tätigkeit als Patentanwalt möglich.

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