"Vorurteile gegen Juden" Bizarre Prüfungsfrage an englische Schüler

Gut tausend britische Schüler legten eine zentrale Prüfung ab - und mussten  eine merkwürdige Frage beantworten: "Warum haben einige Menschen Vorurteile gegen Juden?" Der Bildungsminister und jüdische Vertreter sind empört, Antisemitismus sei nicht zu erklären.

Schülerinnen in England (Archivbild): "Wir wollten niemanden beleidigen"
REUTERS

Schülerinnen in England (Archivbild): "Wir wollten niemanden beleidigen"


Hamburg - Eine äußerst ungeschickte Prüfungsfrage sorgt in Großbritannien für Aufregung. Mehr als tausend Schüler absolvierten am Donnerstag einen zentralen Test. Darin ging es unter anderem um Religionsfragen, Judentum und Antisemitismus. Die bizarre Frage lautete: "Erklären Sie kurz, warum einige Leute gegenüber Juden Vorurteile haben." Das berichten die Zeitungen "The Telegraph" und "The Jewish Chronicle".

Der britische Bildungsminister ist entrüstet: "Anzunehmen, dass Antisemitismus jemals erklärt werden kann, anstatt verurteilt zu werden, ist unsensible und bizarr", sagt Michael Gove. AQA, eins der drei großen britischen Prüfungsgremien, das die Frage entwickelt hat, müsse nun erläutern, wie und warum es dazu kommen konnte.

Auch Vertreter der jüdischen Gemeinschaft empören sich über die Formulierung. "Das hat definitiv nichts mit Juden oder Judentum zu tun", sagte Jon Benjamin, Generaldirektor der Vertretung britischer Juden. Und Rabbi David Meyer sagte gegenüber dem "The Jewish Chronicle": "Schulbildung sollte Vorurteile abbauen und sie nicht rechtfertigen."

AQA ist sich jedoch keiner Schuld bewusst. "Das Gremium ist besorgt, dass die Frage beleidigend aufgefasst wurde, da dies absolut nicht unsere Absicht war." Die Frage gehe davon aus, dass einige Menschen Vorurteile haben, sie impliziere jedoch nicht, dass diese gerechtfertigt seien, so eine AQA-Sprecherin. Die Prüfer hätten von den Schülern erwartet, dass sie Vorurteile und Diskriminierung gegen Religionen oder Menschengruppen mit irrationaler Angst, Ignoranz oder Sündenbock-Denken erklären.

lgr



© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.