Bizarre Rituale Schweineblut über Schülerinnen geschüttet

Es begann als Schüler-Ulk und endete beim Arzt: Schülerinnen einer amerikanischen High School bewarfen jüngere Mitschülerinnen mit Fischinnereien und Schweinegedärmen. Fünf Mädchen mussten ins Krankenhaus eingeliefert werden. Der Fall sorgt in den USA für viel Aufregung.


Nach dem bizarren Spektakel: Die Kopfwunde eines Mädchens musste genäht werden
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Nach dem bizarren Spektakel: Die Kopfwunde eines Mädchens musste genäht werden

Die Schülerinnen der 11. und 12. Klasse der Glenbrook High School wohnen in einem wohlhabenden Vorort von Chicago. Sie hatten sich bei einem Football-Spiel getroffen. Dabei sollten sich die jüngeren Mädchen einem Initiationsritus unterziehen. Solche Riten sind in den USA weit verbreitet: Schüler müssen sich dabei einer Art Mutprobe stellen, wenn sie die letzte Klasse der High School erreichen.

Dieser Fall sorgt in den USA für besondere Aufregung. Ein Privatvideo, auf dem die perversen Praktiken der Schüler zu sehen sind, wurde landesweit ausgestrahlt. Das Band zeigt, wie die älteren Mädchen Kübel mit Farbe, Fischinnereien und Schweinegedärmen über die Jüngeren schütten. Einige der Opfer gaben später an, sie hätten Exkremente und Urin schlucken müssen; außerdem sollen sie geschubst und getreten worden sein.

Fünf Mädchen mussten nach dem Zwischenfall ins Krankenhaus: eine mit gebrochenem Knöchel, eine andere mit einer Wunde am Kopf, die genäht werden musste. Der Anwalt eines der verletzten Mädchen verlangte Anklagen wegen schwerer Körperverletzung.

Klamauk endet häufig mit Verletzungen

Seit Jahren veranstalten die älteren Schüler der Glenbrook High School für die Jüngeren das Football-Turnier. Dabei kommt es immer wieder zu den Initiationsriten. Bislang gab es aber keine Meldungen über Verletzte. "Niemand wurde gezwungen, etwas zu essen oder zu trinken", so der Anwalt eines Opfers. Die jüngeren Mädchen hätten erwartet, dass sie auch in diesem Jahr lediglich mit Sahne und Ketchup beworfen werden.

Glenbrook North High School: Polizei ermittelt nach bizarrem Ritus
AP

Glenbrook North High School: Polizei ermittelt nach bizarrem Ritus

Die örtliche Polizei ermittelt unterdessen in diesem Fall - auch gegen die Eltern beteiligter Schülerinnen. Den Eltern wird vorgeworfen, die perversen Aktivitäten ihrer Töchter toleriert zu haben. Einige Erwachsene sollen für das bizarre Spektakel sogar Bier besorgt haben.

Ähnliche Initiationsriten, ob an Schulen oder Universitäten, sorgen auch in anderen Ländern immer wieder für Schlagzeilen. In Frankreich heißen sie "bizutage", in Großbritannien "fagging", in den USA "hazing" - oft eine Mischung aus Klamauk mit reichlich Alkoholgenuss, Mutprobe und gezielter Demütigung, die schnell in Brutalität abgleiten kann.

So ließen Jungen in Baltimore sich an eine Wand stellen und aus nächster Nähe mit einem Fußball beschießen. Mehrere Schüler wurden dabei verletzt. Experten forderten danach die Lehrer in den USA zu mehr Sensibilität auf. Die Schüler sollten über die Gefahren dieser Riten besser aufgeklärt werden.




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