"Bündnis für Erziehung" Kritik an Rolle der Kirchen

Jetzt hat sich Familienministerin von der Leyen schon einmal zu einem "Bündnis für Erziehung" durchgerungen. Und schon hagelt es Kritik - vor allem wegen der einseitigen Ausrichtung auf das Christentum.


Köln/München - "Die Kirchen als Bündnispartner repräsentieren nur Teile des demokratischen Wertespektrums", sagte der Bielefelder Erziehungs-Experte Klaus Hurrelmann dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Ein beträchtlicher Teil der Deutschen gehöre aber nicht der christlichen oder gar keiner Religionsgemeinschaft an. Der Wissenschaftler sieht keinen Nachholbedarf in der öffentlichen Debatte. Es werde schon seit Jahren intensiv über Erziehung diskutiert, sagte Hurrelmann.

CDU-Politikerin von der Leyen: Kritik am "Bündnis für Erziehung"
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CDU-Politikerin von der Leyen: Kritik am "Bündnis für Erziehung"

Der Generalsekretär des Zentralrates der Juden in Deutschland, Stephan Kramer, sagte der Münchner "Abendzeitung", deutsche Politiker betonten stets das jüdisch-deutsche Fundament. Eine Einladung zum Bündnis habe er jedoch nicht erhalten. Das sei "ziemlich schmerzlich". "Das bedeutet für Frau von der Leyen wie im Schulunterricht: Durchgefallen, Test nicht bestanden." Werte sollten nicht auf eine Religion fokussiert werden, sagte er.

Verärgert reagierte auch der Zentralrat der Muslime in Deutschland, der ebenfalls nicht eingeladen ist. "Mit Blick auf die Neutralität des Staates wäre es dringend geboten, auch die anderen Religionen einzuladen", sagte der Zentralrats-Vorsitzende, Ayyub Axel Köhler, dem Blatt.

Ähnlich äußerte sich die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Sie kritisierte, dass von der Leyen nicht vor allem Eltern, Erzieher und Lehrer eingeladen habe.

Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann verteidigte hingegen die Ersteinladung der Kirchen. Die Kirchen seien keine Gruppe, "die total am Rand steht, sondern wir haben in unseren Kindertagesstätten mehr als eine Millionen Kinder, die betreut werden, und da ist ein solches Bündnis in der Tat sinnvoll", sagte sie im Bayerischen Rundfunk. Es sei notwendig, "darüber nachzudenken, in welche Wertegemeinschaft wir denn beispielsweise Zuwanderer integrieren wollen, und da ist der christliche Glaube nicht der schlechteste Ratgeber".

Die CDU-Politikerin Ursula von der Leyen will heute in Berlin mit den Kirchen über das geplante "Bündnis für Erziehung" beraten. Eingeladen sind Vertreter der Evangelischen Kirche in Deutschland, der Deutschen Bischofskonferenz sowie deren Wohlfahrtsverbände. Das Bündnis soll unter dem Motto "Werte erwachsen" stehen. Es soll Leitlinien für eine christliche Werteerziehung erarbeiten und Maßnahmen der bereits bestehenden "Allianz für die Familie" ergänzen, die auf eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie ausgerichtet sind.

lan/AFP/dpa



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