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25. Juli 2014, 16:17 Uhr

Spätstarter-Statistik

Jeder dritte ältere Azubi bricht vorzeitig ab

Jeder siebte Deutsche zwischen 25 und 35 Jahren hat keinen Berufsabschluss. Die Bundesagentur für Arbeit steuert mit einem Sonderprogramm für Spätstarter gegen. Doch eine Statistik zeigt: Fast jeder Dritte bricht die Lehre wieder ab.

Mit 34 Jahren wollte Markus Dittke es noch mal wissen: Bisher ungelernt, wollte er "endlich beruflich über eine Ausbildung durchstarten. Also sprach er mit seinen Vorgesetzten - aber auch mit seiner Vermittlerin bei der Agentur für Arbeit." Vom Erfolg Dittkes - er wurde Azubi und schloss ab - und weiteren "erfolgreichen Spätstartern" berichtet eine Broschüre der Bundesagentur für Arbeit (BA).

Das Mutmacherheft unterstützt die im August 2013 gestartete Initiative der BA, junge Erwachsene ohne Berufsabschluss in Ausbildung zu bringen: Binnen drei Jahren sollen in dem Sonderprogramm 100.000 Arbeitslose zwischen 25 und 35 Jahren vermittelt werden. In der Altersgruppe haben insgesamt 1,5 Millionen keinen Berufsabschluss, das ist beinahe jeder siebte.

Neue Zahlen der BA lassen am Erfolg der Spätstarter indes zweifeln: Demnach lag die Abbrecherquote von 25- bis 35-Jährigen, die eine Ausbildung oder eine andere abschlussorientierte Qualifizierung absolvierten, im März dieses Jahres bei 36 Prozent. Mehr als jeder Dritte stieg also vorzeitig aus.

Bundesagentur fordert finanzielle Anreize

2013 lag der Wert meist deutlich darunter, im Januar des Vorjahres zum Beispiel bei 22 Prozent. Damit wäre die Quote vergleichbar mit den durchschnittlichen Abbruchzahlen unter Azubis: Nach der jüngst veröffentlichten Statistik des Bundesinstituts für Berufsbildung wurden 2012 rund ein Viertel der Ausbildungsverträge vorzeitig beendet. Als wirkliche Abbrecherquote darf diese Zahl allerdings nicht verstanden werden, da aus den Daten nicht hervorgeht, ob womöglich nur der Betrieb gewechselt wurde.

Als Ursache für die hohe Abbrecherquote unter den Spätstartern sieht BA-Vorstand Heinrich Alt finanzielle Aspekte: Viele hätten bereits eine Familie und wollten ihren Kindern lieber heute "etwas bieten" als erst in drei Jahren, sagte er der "Süddeutschen Zeitung".

Union und SPD hatten in ihrem Koalitionsvertrag festgehalten, durch bessere finanzielle Rahmenbedingungen Bereitschaft und Durchhaltevermögen junger Erwachsener zu fördern, auch in späteren Jahren noch einen qualifizierten Abschluss zu erreichen. Alt fordert deshalb staatliche Zuschüsse für Auszubildende. "Andernfalls ist der Ein-Euro-Job lukrativer als eine Ausbildung. Diese Schieflage darf nicht sein."

sun/AFP/dpa

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