Reklame fürs Militär Bundeswehr hält Tausende Vorträge an Schulen

Die Bundeswehr hat Nachwuchssorgen und wirbt verstärkt um die Jugend: auf Jobmessen, an Projekttagen, in Schulen. Zu fast 10.000 Besuchen rückten sogenannte Karriereberater im vergangenen Jahr aus, zeigt jetzt eine Anfrage der Linken-Fraktion.
Werbung fürs Militär: Die Bundeswehr hat Probleme, Nachwuchs zu finden

Werbung fürs Militär: Die Bundeswehr hat Probleme, Nachwuchs zu finden

Foto: Maurizio Gambarini/ dpa

Seit Ende der Wehrpflicht kämpft die Bundeswehr verstärkt um Nachwuchs: Im vergangenen Jahr haben sogenannte Karriereberater der Bundeswehr 8700 Vorträge an deutschen Schulen gehalten. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken-Fraktion hervor, die am Mittwoch bekannt wurde (Anfrage als PDF ). Insgesamt seien so etwa 189.000 Schüler erreicht worden.

Zudem warben die Karriereberater auf 600 Ausstellungen, Jobmessen, Projekttagen oder ähnlichen Veranstaltungen, dabei erreichten sie rund 96.000 Schüler. Hinzukamen 3300 Truppenbesuche, an denen rund 13.700 Jugendliche und 260 Lehrer teilgenommen haben.

Die Wehrpflicht wurde im Sommer 2011 ausgesetzt, seitdem hat die Bundeswehr ihre Nachwuchswerbung an Schulen verstärkt, stets auf der Suche nach jungen Menschen, die sich freiwillig zum Militärdienst verpflichten. Das Mindestalter liegt bei 17 Jahren. In der Anfrage begründet die Bundesregierung ihr Engagement mit ihrer Informationspflicht sowie "den Informationsbedürfnissen der Schulen zu sicherheitspolitischen Themen im Rahmen der Politischen Bildung".

Immer wieder wurde die Bundeswehr wegen ihres Einsatzes an Schulen kritisiert, unter anderem von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft: "Nicht die Bundeswehr ist zum Politikunterricht da, sondern wir, die Lehrer", sagt deren Vorsitzende Marlis Tepe.

Inzwischen haben sich mehrere Schulen in Deutschland für "militärfrei" erklärt. Im vergangenen Jahr wurden zwei Schulen deswegen stellvertretend mit dem Aachener Friedenspreis ausgezeichnet. "Wir wollen den Mut und die Courage der Schülerinnen und Schüler, der Eltern, Lehrerinnen und Lehrer mit dem Aachener Friedenspreis 2013 würdigen und gleichzeitig ein Signal gegen den Mainstream der Militarisierung in unserer Gesellschaft setzen", heißt es in der Begründung der Jury.

fln/dpa
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