Debatte zur Deutschpflicht für Grundschulkinder "Ich sprach kein Deutsch, als ich auf die Hauptschule kam"

Muhterem Aras, Präsidentin des baden-württembergischen Landtags, kam mit zwölf Jahren auf eine deutsche Schule - ohne ein Wort zu verstehen. Wie viele andere wehrt sie sich nun gegen eine provokante Forderung aus der CDU.

Zunächst wollte Carsten Linnemann (CDU) Moscheen in Deutschland strenger überwachen lassen, Imame sollten künftig Deutsch sprechen . Im Februar dieses Jahres folgte die Forderung, den Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund in Schulklassen zu begrenzen. Dieses Mal trifft es die Grundschulen: Linnemann will, dass nur noch Kinder zum Unterricht zugelassen werden, die Deutsch sprechen.

Konkret sagte der CDU-Politiker, dass es nicht reiche, nur Sprachstandserhebungen bei Vierjährigen durchzuführen. Es müssten auch Konsequenzen gezogen werden. "Um es auf den Punkt zu bringen: Ein Kind, das kaum Deutsch spricht und versteht, hat auf einer Grundschule noch nichts zu suchen. Hier muss eine Vorschulpflicht greifen, notfalls muss seine Einschulung auch zurückgestellt werden", sagte Linnemann.

In der Politik regt sich gegen diese Forderung heftiger Widerstand. Kritik üben auch jene, die ihre Schullaufbahn selbst ohne Deutschkenntnisse begannen - sie wollen damit ein klares Zeichen gegen Linnemann setzen.

Unter den Hashtags #Grundschulverbot, #Linnemann und #NieWiederCDU sammeln Nutzer ihre Geschichten - um zu zeigen, dass auch Kinder erfolgreich die Schule abschließen können, die ohne die deutsche Sprache aufwachsen.

Der Pianist Igor Levit, der heute unter anderem Konzerte in der Elbphilharmonie in Hamburg spielt und als Professor für Klavier lehrt, zeigt kein Verständnis für Linnemanns Forderung. "Merke: Dieser CDU-Mann hätte mich 1996 in keine Grundschule gelassen", schreibt Levit auf Twitter. Er kam im Alter von acht Jahren aus Russland nach Deutschland.

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Auch Alice Bota, die heute als Journalistin bei der "Zeit" arbeitet, erzählt auf Twitter von ihren Erfahrungen. "Als ich in einer deutschen Grundschule Ende erster Klasse ankam, konnte ich sagen: 'Hände hoch, schneller, hallo, danke'". Deutsch habe ihr eine ehrenamtliche Lehrerin von der Caritas beigebracht, die sich mehrmals wöchentlich mit ihr getroffen habe, so Bota weiter.

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Muhterem Aras ist Grünenpolitikerin und Präsidentin des baden-württembergischen Landtags. Auf Twitter berichtet sie, dass sie in der Schule erst einmal kein Wort verstanden habe - dann aber ihre Mathematikkenntnisse weiterhalfen.

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Ähnlich erging es auch der SPD-Politikerin Tatiana Herda Muñoz. "Als ich mit elf nach Deutschland kam, konnte ich kein Deutsch. Ich bin in die Fünfte ins Gymnasium. Hab dann die Abi-Abschlussrede gehalten", schreibt sie.

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Der Comedian und Künstler Shahak Shapira teilte via Twitter mit, er sei mit 14 Jahren nach Deutschland gezogen und habe "kein Wort Deutsch" gekonnt. "Im ersten halben Jahr gab es jeden Tag zwei Stunden Deutschunterricht nach der Schule IN der Schule. Sonst saß ich ganz normal im Unterricht und habe versucht mitzuhalten. So habe ich Deutsch gelernt", schreibt er.

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Shapira betonte: "Ich hätte nie diese Sprache gelernt, wenn ich nicht zur Schule hätte gehen dürfen." Es gehe nicht darum, Deutsch von einem Buch zu lernen, sondern "Teil dieser Gesellschaft zu werden.

Mitarbeit: Johanna Röhr, Dennis Deuermeier

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