Clevere 18-Jährige Schülerin überflügelte 100 Informatikstudenten

Schon vor dem Abitur studieren - an der Ruhr-Universität Bochum ist das möglich. Eine 18-Jährige hat 100 Studenten jetzt gezeigt, was Schüler draufhaben: Als einzige bestand Anna Fischer eine Klausur mit "sehr gut", während viele Informatikstudenten durchfielen.
Von Andrea Behnke

Nach der Vorlesung "Grundlagen der Informatik" rieben sich 100 Studenten verblüfft die Augen: Als sie die Ergebnisse der Abschlussklausur durchsahen, stahl ausgerechnet eine 18-jährige Schülerin ihnen die Show. Viele Studenten bestanden die Klausur nicht, Anna Fischer dagegen räumte als einzige die Bestnote ab.

Die Bochumer Schülerin der Jahrgangsstufe 13 hat bereits vor dem Abitur an der Ruhr-Universität eine Testphase des neuen Projekts "SchülerUni" absolviert und in den letzten beiden Semestern an der Einführungsvorlesung teilgenommen. Und niemand konnte ihr das Wasser reichen. Im laufenden Wintersemester und im nächsten Sommersemester besuchen nun elf Schüler die Vorlesung. Helmut Balzert vom Lehrstuhl für Software-Technik freut sich über die jungen Zuhörer: "Ich bin schon auf die nächsten Klausurergebnisse gespannt", sagt der Professor.

Offen auch für Schüler

Acht Bochumer Fakultäten - neben naturwissenschaftlich-technischen auch Geowissenschaften und Philosophie - haben bislang 17 Veranstaltungen für "Jung-Studenten" geöffnet. Sie nehmen an ganz normalen Seminaren oder Übungen teil, schreiben Referate und Klausuren. Pro Semester können sie eine Veranstaltung belegen; die Scheine werden bei einem späteren Studium angerechnet.

"Schnuppertage" für Schüler sind an deutschen Hochschulen längst üblich. Neben Bochum bieten auch die Unis in Köln, Berlin, Duisburg, Aachen oder Paderborn an, bereits vor dem Abi Leistungsnachweise zu erwerben. "Wir wollen gute Schülerinnen und Schüler in den Lehrbetrieb integrieren und ihnen rechtzeitig das schwarze Loch Universität zeigen", sagt der Bochumer Rektor Dietmar Petzina. Schließlich sei die "Ware gut ausgebildete und motivierte Schüler" knapp und begehrt.

Kathrin Breitkreuz zum Beispiel ist 17 und geht in die 12. Klasse. Ihre Hobbys sind Kontrabass spielen, Streetdance, Ausgehen - und Chemie. Eine Streberin ist sie nicht; lernen fällt ihr einfach leicht. Besonders Naturwissenschaften mag die Bochumerin. Schon in der fünften Klasse fand sie Physik-Versuche klasse. Heute ist Chemie, einer ihrer Leistungskurse, ihr Lieblingsfach.

Kathrin hat schon bei mehreren Wettbewerben Preise gewonnen. Ihr Berufswunsch: Forscherin. Den ersten Schritt auf dem Weg zum Chemie-Examen hat sie getan und ist nun eine von 50 Schülern von zehn Gymnasien, die im ersten Durchlauf des Projektes dabei sind.

Schneller fertig mit dem Studium

"Bei der Bewerbung zählten Notendurchschnitt und Persönlichkeit", so Dirk Gellesch, Projektkoordinator und Bochumer Lehrer. Das Programm richtet sich an leistungswillige und leistungsstarke Jugendliche - mit Hochbegabten-Förderung hat es nichts zu tun. "Trotz Pisa gibt es keinen Grund, nur noch Moll-Töne anzuschlagen", sagt Luise Berg-Ehlers, Leiterin der Graf-Engelbert-Schule. Für die vielen jungen Leute, die mehr können und wollen, müsse man Angebote schaffen.

Keine Frage: Es ist anstrengend, zwischen Schule und Uni zu pendeln. Aber Kathrin Breitkreuz findet ihre Uni-Visiten spannend. Ihr Vater meinte zwar, sie solle erst das Leben genießen, doch sie hat das Gefühl, genau das zu machen. "Ich stelle es mir gut vor, sich auf ein Fach konzentrieren zu können und selbstständig zu lernen", sagt sie. Und ergänzt ganz pragmatisch: "Außerdem ist es sicher ein Vorteil, wenn man so schneller mit dem Studium fertig ist." Kathrin freut sich, neue Leute mit ähnlichen Interessen kennen zu lernen. Eine Lerngruppe hat sie schon - allerdings mit einer Freundin aus ihrer Stufe, die auch bei der Schüler-Uni mitmacht. Denn den Unterricht, den die beiden versäumen, müssen sie natürlich nachholen. Schließlich geht die Schule immer vor.

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