Schreibregeln Ex-Kultusminister nennt Rechtschreibreform einen Fehler

Vor gut 20 Jahren beschlossen die Kultusminister neue Schreibregeln für Schüler. Nun bezeichnet der mitverantwortliche bayerische CSU-Politiker Zehetmair die Reform in einem Interview als überflüssig: "Das sollte nie wieder vorkommen."
Ex-CSU-Kultusminister und Rechtschreibreform-Kritiker Zehetmair

Ex-CSU-Kultusminister und Rechtschreibreform-Kritiker Zehetmair

Foto: Ronald Wittek/ picture alliance / dpa

Seit zehn Jahren lernen Schüler, dass es Schifffahrt heißt und nicht Schiffahrt. Spaghetti können auch ohne h geschrieben werden und der Buchstabe ß ist seltener geworden in Büchern und Zeitungen.

Am 1. August 2005 trat auf Beschluss der Kultusministerkonferenz in zunächst 14 Bundesländern eine neue Rechtschreibung in Kraft. Mit ihr sollte die Schriftsprache logischer werden; für Schüler sollte sich das Schreibenlernen vereinfachen.

Doch nun geht der ehemalige bayerische Kultusminister Hans Zehetmair (CSU) mit den Orthografie-Regeln hart ins Gericht. Die Neuregelung sei überflüssig gewesen, sagte er der Wochenzeitung "Die Zeit". Den Streit um die Reform nennt er "gespenstisch".

Auch sich selbst bezieht er in die Kritik ein: "Ich muss mir vorwerfen, dass ich als Kultusminister nicht frühzeitig die Tragweite erkannt und die Reform in geordnete Bahnen gelenkt habe."

Im Nachhinein hält der CSU-Politiker es für einen Fehler, dass die Politik sich der Rechtschreibung angenommen hat: "Das sollte nie wieder vorkommen, die Lektion haben alle gelernt." Behutsame Änderungen der Schriftsprache seien nötig. "Sprache ist nicht statisch", sagt Zehetmair, "sondern ein lebendiger Prozess. Aber ob man Friseur mit ö schreibt oder mit eu - wen sollte das aufregen?"

Bayern zeigte sich bei der Einführung der neuen Schreibregeln bereits vor zehn Jahren zögerlich. Erst 2006 trat mit einem Jahr Verspätung auch in den Schulen im Freistaat und in Nordrhein-Westfalen die Reform in Kraft und gilt seither deutschlandweit.


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