Schulpreis 2017 An Deutschlands bester Schule sind Handys erlaubt

Eine Berufsschule in Niedersachsen hat den Deutschen Schulpreis gewonnen. Hier zeigten Schüler Erfolge, die woanders kaum jemand für möglich gehalten habe, lobt die Jury. "Weil man uns vertraut", sagen Schüler.

Theodor Barth/ Robert Bosch Stiftung

Fünfmal hat sie sich beworben, diesmal hat es endlich geklappt: Die Elisabeth-Selbert-Schule im niedersächsischen Hameln hat den Deutschen Schulpreis 2017 gewonnen. Kanzlerin Angela Merkel überreichte der Berufsschule in Berlin die mit 100.000 Euro dotierte Auszeichnung.

An der Elisabeth-Selbert-Schule werden knapp 2000 Schüler aus 34 Nationen in Fächern wie Agrarwirtschaft, Gesundheit und Pflege oder Sozialpädagogik unterrichtet. Ein Beratungsteam aus Lehrern, einer Pastorin und einem Sozialarbeiter bieten auch außerhalb des Unterrichts Hilfe an, zum Beispiel für minderjährige Mütter oder für Geflüchtete.

"Durch das dichte Geflecht aus passgenauer pädagogischer Förderung und Fürsorge erzielen die Schüler hier Erfolge, die an anderen Schulen kaum jemand für möglich hielt", sagt Erziehungswissenschaftler Michael Schratz von der Universität Innsbruck und Sprecher der Jury.

In der Preisträgerbroschüre kommen mehrere Schüler und Lehrer zu Wort. Die 17-jährige Belana sagt: "Die Lehrer vertrauen uns total. Wir dürfen die Handys benutzen, um im Unterricht zu recherchieren. An anderen Schulen sind sie da viel strenger. Aber tatsächlich machen die Schüler damit hier kaum Quatsch - weil man uns vertraut."

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Schulpreis seit 2006: Das sind die Gewinner

Auch Spickzettel sind im Unterricht erlaubt, zumindest in den Mathestunden von Lehrerin Barbara Bremert. "Manche meiner Schüler bringen so viel Angst von anderen Schulen mit - da beruhigt so ein kleiner Spickzettel und gibt Sicherheit", sagt sie. "Und in Deutsch dürfen sie ja auch einen Duden benutzen."

Im fachpraktischen Unterricht stellen die Schüler selbst Produkte her - zum Beispiel Kekse, Marmelade oder Kräuteröle - und verkaufen sie anschließend im Internet oder auf dem Weihnachtsbasar.

Die Jury bescheinigt der Elisabeth-Selbert-Schule herausragende Ergebnisse, unter anderem beim Umgang mit Vielfalt. Dort werden 124 Schüler mit Fluchterfahrung in Sprachförderklassen unterrichtet. Außerdem werden inhaftierte Jugendliche in den Schulalltag integriert.

Fünf weitere Schulen wurden von der Jury mit je 25.000 Euro für gute Unterrichtskonzepte ausgezeichnet: die Waldparkschule in Heidelberg, das Gymnasium Kirchheim bei München, die Grundschule Borchshöhe in Bremen, die Europaschule Bornheim in Nordrhein-Westfalen sowie die Deutsche Schule Rio de Janeiro.

Der Deutsche Schulpreis wird seit 2006 verliehen. Seither haben sich mehr als 2000 Schulen für die Auszeichnung beworben. Zu den Kriterien des Preises zählen Leistung, Unterrichtsqualität, Umgang mit Vielfalt, Verantwortung, Schulleben und Schule als lernende Institution.

lov/dpa



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rational_bleiben 29.05.2017
1.
"Die Jury bescheinigt der Elisabeth-Selbert-Schule herausragende Ergebnisse, unter anderem beim Umgang mit Vielfalt." Bitte konkreter, was für "herausragende Ergebnisse" z.B. "beim Umgang mit Vielfalt"? Dass sich alle lieb haben? Oder erzielen Migranten dort bei überdurchschnittlicher Herausforderung ein besseres Ergebnis als Migranten anderer Schulen? Wie wird der Erfolg gemessen? Und welche Ergebnisse sind noch gemeint? Machen wir es kurz: es darf stark angezweifelt werden, dass diese Schule die Beste Deutschlands ist, d.h. dass aus dieser Schule die besten Abgänger bei den gleichzeitig herausfordernsten Inhalten kommen. Die wirklich besten Schulen, die diese Bedingung erfüllen (herausfordernde Inhalte, strenge Benotung, hervorragende Abschlüsse), passen nicht ins Bild weil sie irgendwo im ländlichen Bayern zu finden sind, viel zu uncool für einen solchen Preis.
Crom 29.05.2017
2.
Spickzettel in Mathe hieß früher noch "Formelsammlung". Die Nutzung des Smartphones kann ähnlich gehandhabt werden. Wenn es auf lautlos gestellt ist, stört es auch niemanden.
lesheinen 29.05.2017
3. Vertrauen in die Integrität der Schüler?
Die Worte hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube. Da dürfen die Schüler recherchieren, heute heißt das googlen. Wo ist denn da die Wissensabfrage? So ein bißchen Text von Google oder Wiki umzubauen, dürfte jedem gelingen. Offensichtlich gelingt es auch, dies als eigene Leistung zu verkaufen.
Orthoklas 29.05.2017
4. Schade
Der Artikel zeigt leider nicht auf, was wirklich das Besondere an der Gewinnerschule ist. Das, was genannt wird, kenne ich von vielen Schulen. So sehr ich den verdienten Kollegen der Schule die Auszeichnung gönne - von nix kommt ja auch nix -, so sehr dürfte das eine politische Entscheidung sein: Vielfalt, Flüchtlinge etc. stehen derzeit halt hoch im Kurs. Vor Jahren waren es die MINT-Fächer. Da hätte diese Schule wohl keine Chance gehabt. Aber noch einmal: Glückwunsch trotzdem!
pvrfvckngtrvnss 29.05.2017
5. Mangelhafter Informationsgehalt
Der Artikel konzentriert sich stark auf Minderheitenbingo. Keine konkreten Infos, warum diese Schule die beste sein soll, nur ein paar Anekdoten und Hinweise auf den Umgang mit Geflüchteten und Inhaftierten Schülern. Das lässt viel Raum für Spekulationen und Zweifel, ob das Urteil der Jury gerechtfertigt ist.
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