Zahlen des Statistischen Bundesamtes Finanzielle Lage von Alleinerziehenden oft prekär

In Deutschland ziehen 1,5 Millionen Menschen ein Kind allein groß - damit gibt es etwa 200.000 Alleinerziehende mehr als noch vor 20 Jahren. Ihre Situation ist oft schwierig.

Es gibt immer mehr Menschen, die allein mit ihren minderjährigen Kindern in einem Haushalt leben und somit als alleinerziehend gelten. Im Jahr 2017 gab es in Deutschland 1,5 Millionen Familien mit einem alleinerziehenden Elternteil. Das sind 200.000 mehr als noch vor 20 Jahren.

Damit hatte knapp jede fünfte Familie mit mindestens einem minderjährigen Kind im Jahr 2017 eine alleinerziehende Mutter - oder einen alleinerziehenden Vater. Diese sind allerdings deutlich in der Minderheit: Von 100 Alleinerziehenden sind im Schnitt nur zwölf Männer.

"Finanziell stehen Alleinerziehende nach wie vor oftmals schlechter da als Menschen, die in anderen Familienformen leben", sagte der Präsident des Statistischen Bundesamts, Georg Thiel, bei der Vorstellung der neuen Zahlen in Berlin. Die Armutsgefährdungsquote für Alleinerziehende lag 2016 bei 33 Prozent. Zum Vergleich: Im Bevölkerungsdurchschnitt betrug sie 16 Prozent.

Darüber hinaus hatten knapp zwei Drittel der Alleinerziehenden (63 Prozent) nicht die finanziellen Mittel, unerwartete Ausgaben von etwa tausend Euro zu bestreiten. Das sind mehr als doppelt so viele wie im Bevölkerungsdurchschnitt, wo die Quote bei 30 Prozent liegt.

Die Erklärung dafür ist naheliegend: Wer sich vorwiegend oder gar ganz allein um seine Kinder kümmert, schafft meist keine 40-Stunden-Woche - und verdient entsprechend weniger. Das bekommen viele vor allem in den Sommermonaten besonders zu spüren: Fast ein Drittel aller Alleinerziehenden konnte sich im vergangenen Jahr nicht mal eine einwöchige Urlaubsreise leisten. Lesen Sie hier die Berichte von sechs Alleinerziehenden, wie sie das Betreuungsproblem in den Sommerferien lösen:

Als Alleinerziehende gelten Mütter und Väter, die allein mit einem oder mehreren Kindern in einem Haushalt leben. Dies bedeutet jedoch nicht, dass nicht auch außerhalb des gemeinsamen Haushalts lebende Partner oder Partnerinnen Erziehungs- oder Betreuungsaufgaben übernehmen.

Video: Der harte Alltag einer Alleinerziehenden

SPIEGEL TV
vet/AFP