Umfrage "Chancengerechte Bildung" Schüler halten Lehrkräfte für digitale Anfänger

Schüler und Schulabgänger halten ihre Lehrkräfte mehrheitlich für digital wenig kompetent. Auch in Sachen Chancengleichheit sehen die Jugendlichen Nachholbedarf.
Schulunterricht am Whiteboard

Schulunterricht am Whiteboard

Foto: Johannes Wagemann/ picture alliance / dpa

Wer zur Schule geht oder gerade aus der Schule raus ist, traut seinen Lehrern beim Umgang mit digitalen Medien wenig zu: In einer Online-Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa unter 1000 Personen zwischen 14 und 21 Jahren im Auftrag des Stifterverbands fanden zwei Drittel, ihre Lehrer seien "nicht so gut" oder "schlecht" mit digitalen Lernmethoden vertraut.

Gleichzeitig klagte mehr als die Hälfte über schlechte technische Lernmittel in ihrer Schule. Vier von fünf Jugendlichen erhalten mindestens gelegentlich Hilfe seitens ihrer Eltern, wenn sie mit Digitalgeräten arbeiten.

Das bestätigt, was Bildungsstudien zuletzt nahelegten: Wie kompetent junge Menschen in Deutschland mit Computern oder dem Internet umgehen, hängt stark von elterlicher Unterstützung ab. Das gilt auch fürs Lesen, Rechnen und das Verständnis für Naturwissenschaften, wie die neue Pisa-Studie zeigt.

Mehrheit glaubt nicht an Chancengleichheit

Kein Wunder, dass mehr als die Hälfte der befragten Jugendlichen in der Forsa-Umfrage nicht an Chancengleichheit in der Schule glauben. Nur 42 Prozent sind der Ansicht, dass Kinder in Deutschland im Großen und Ganzen unabhängig von ihrer sozialen oder kulturellen Herkunft die gleichen Chancen auf eine gute Bildung haben. Das ist der niedrigste Wert seit der ersten Befragung im Jahr 2015.

Die Zuwendung und Unterstützung der Eltern schätzen viele als ähnlich wichtig ein wie die Qualität der Schule und der Lehrer. Mehr als 90 Prozent der Befragten sehen einen großen oder sogar sehr großen Einfluss auf die Bildungschancen. Eine deutlich weniger große Rolle spielen die Bildung der Eltern (69 Prozent) und der kulturelle Hintergrund der Eltern (45 Prozent).

Die Jugendlichen sollten auch einschätzen, wie wichtig verschiedene in der Schule erlernte Kenntnisse und Fähigkeiten für ihre persönliche berufliche Zukunft sind. Auf dem ersten Platz landen Selbstorganisation sowie Höflichkeit und Toleranz gegenüber anderen Menschen. 98 Prozent halten diese Eigenschaften für wichtig oder sehr wichtig. Knapp dahinter mit 97 Prozent: Kenntnisse der deutschen Sprache.

Kompetent im Netz bewegen

Programmier- und Softwarekenntnissen kommen erst deutlich weiter hinten. Nur eine knappe Mehrheit glaubt, dass diese später im Beruf von Bedeutung sein werden. Junge Männer halten dabei Computerkenntnisse deutlich häufiger für wichtig (67 Prozent) als junge Frauen (47 Prozent).

Ein Großteil der Jugendlichen sieht übrigens in digitaler Bildung mehr als nur die Vermittlung von technischen Kompetenzen. Für 76 Prozent geht es auch darum zu lernen, wie man mit digital gewonnen Informationen umgehen kann.

Die Bildungsforscherin und Pisa-Koordinatorin Kristina Reiss hatte in der vergangenen Woche in einem SPIEGEL-Interview besseren digitalen Unterricht angemahnt. Dass heutzutage fast alle Jugendlichen ein Smartphone besäßen, bringe noch nichts: "Werden die Jugendlichen damit alleingelassen und schauen den ganzen Tag nur Videos, lernen sie nicht, sich kompetent im Netz zu bewegen", sagt Reiss.

"Nur wenn die Eltern Wissen mitbringen und es mit ihren Kindern teilen, profitiert der Nachwuchs." Für alle anderen Kinder sei guter digitaler Unterricht in der Schule umso wichtiger, sagte Reiss.

olb/kfr