Deutschlands beste Schülerband "Und dann blasen wir sie weg!"

Glory of Joann gewann den Schooljam-Wettbewerb der Schülerbands. Jetzt traten die Musiker bei Rock am Ring auf, dem größten deutschen Festival. Die vier hessischen Jungs spielten das lauteste Konzert ihres Lebens - SchulSPIEGEL-Autor Jonas Leppin wich nicht von ihrer Seite.


Eine Newcomer-Band wie Glory of Joann hat bei "Rock am Ring" 20 Minuten. Und nur damit das klar ist: "Keine 18 Minuten. Keine 22 Minuten. Ihr spielt 20 Minuten!", sagt Stage-Manager Joe Pomponio. "Ihr seid pünktlich hinter der Bühne. Kein Alkohol vor dem Gig, und es ist mir egal, ob ihr Glory of Joann oder Metallica seid!"

Wumm. Das sitzt. Dann krächzt ein Funkgerät, Joe Pomponio ist wieder weg. Willkommen auf dem größten Rockfestival Deutschlands.

Für Dominik Demandt, Andreas Metzler, Matthias Heising und Lukas Merker, also Glory of Joann, die beste deutsche Schülerband, ist es die Erfüllung eines Traums. Als Sieger beim Schooljam-Bandwettbewerb haben sie sich gegen 1000 andere Bands durchgesetzt. Jetzt dürfen sie zur Belohnung als Opener-Act bei "Rock am Ring 2008" auftreten.

Ein paar Minuten in der Champions League des Rock'n' Roll

"Rock am Ring", das heißt: über 85.000 Zuschauer auf dem Festivalgelände, eine 34 Meter breite Bühne auf der Clubstage, einem Zelt von 90 mal 90 Metern. Es sind ein paar Minuten Spielzeit in der Champions League des Rock'n' Roll.

Natürlich treten Glory of Joann noch nicht auf der Centerstage auf, der großen Bühne. Opener-Act bedeutet: Als erste Band am Sonntag, 14 Uhr, auf der kleinen Bühne. Das ist die Newcomer-Zeit. Da wird "Rock am Ring" gerade erst wach - oder wieder nüchtern. Da ist "Rock am Ring" auch fast schon wieder vorbei. Selbst der obligatorische Festival-Regen hat sich am Sonntag verzogen.

11 Uhr, Soundcheck. Die vier jungen Musiker tragen brav ihre Instrumente vom Bandbus auf die Bühne. Als sie fertig sind, sagt ein Roadie: "Ihr müsst das nicht machen. Eigentlich sind wir zum Aufbau da. Das wollte ich vorhin schon sagen, aber ..." Zu spät. Erste Lektion. Roadies kümmern sich nicht viel um Newcomer-Bands.

Dann prüft man auf der Bühne den Sound, steckt Kabel, probiert Mikrophone aus im rot ausgeleuchteten Club-Zelt. Auf der Bühne sind es jetzt schon mindestens 40 Grad. "Ach, der Herr Schlagzeuger, brauchst du auch ein Mikrophon zum Singen, oder schreist du wie eben nur etwas herum?", fragt ein Tontechniker Matthias Heising. "Entschuldigung, wie klang der Bass?", fragt Andreas Metzler einen Techniker. Der Tonmann schaut ihn lange an. Und zuckt mit den Schultern: "So wie bei allen anderen Bands auch." Zweite Lektion: Tontechniker scheren sich noch weniger um Newcomer-Bands.

Als Glory of Joann das erste Lied proben, schlendert Stage-Manager Joe Pomponio auf die Bühne, hört ein paar Minuten zu, nickt im Takt, zündet sich eine Zigarette an, murmelt: "Guter Sound, Jungs." Und verschwindet hinter einem schwarzen Vorhang. Dritte Lektion: Der Stage Manager ist ein verdammt cooler Hund, und "Rock am Ring" macht eine Band nicht plötzlich zu Prinzen. Es ist die härteste, vielleicht beste School of Rock", die es in Deutschland für eine Newcomer-Band gibt.

Bühne an Bühne mit Rage Against the Machine

Die Zeit bis zum Auftritt verbringen Glory of Joann im Backstagebereich, einer kleinen Zeltstadt hinter der Bühne. Rock am Ring 2008: Am Freitag hat die Crossover-Legende Rage Against The Machine ein grandioses Live-Comeback in Deutschland gefeiert, Metallica war da, Skandalsänger Pete Doherty hatte Samstagnacht eines seiner üblichen "Kommt-er-oder-kommt-er-nicht"-Konzerte. Er kam. Mit fünf Stunden Verspätung. Am Sonntag spielen noch andere deutsche Bands wie Sportfreunde Stiller und Die Toten Hosen.

Zum Entspannen gibt es backstage weiße Sofas, Playstation und Fußballkicker. Zwischendrin laufen MTV-Moderatoren herum. Eine eigene Garderobe hat Glory of Joann nicht. Einen Plattenvertrag auch noch nicht. Abgetrennten Räume sind unter anderem heute für die Musiker von Oomph! und ihre leicht bekleideten Background-Sängerinnen reserviert.

Die Jungs von Glory of Joann wissen, dass nächstes Jahr schon wieder auf der anderen Seite des Zauns stehen könnten. Sie sind hinter der Bühne irgendwie schüchtern, diszipliniert, fast schon zu nett. Vielleicht sind sie aber auch einfach nur normal - und die anderen ein wenig komisch. Als sie vor ein paar Wochen bei Stefan Raabs "TV Total" auf der Couch saßen, trauten sie sich nicht einmal, ihre MySpace-Seite zu erwähnen.



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