Deutschlands beste Schulen Lernen wie in Hildesheim

Proben für ein Theaterstück, Buddeln für den Gartenteich, Tüfteln am Jahresarbeitsplan - eine Hildesheimer Gesamtschule ist zur besten Schule Deutschlands gekürt worden. Vier weitere wurden prämiert. SPIEGEL ONLINE zeigt, was an diesen Schulen anders läuft.

Von Lisa Sonnabend


Die Robert-Bosch-Gesamtschule in Hildesheim ist ein trister Betonbau aus den siebziger Jahren, der örtliche Friedhof ist nicht weit. Doch drinnen geht es lebhaft zu. Im Gang stehen Grünpflanzen, an den Wänden hängen von Schülern gemalte Bilder, in einer Halle zwitschert ein Vogel im Käfig. Sechstklässler bekleben Holzrahmen mit buntem Papier für den Weihnachtsmarkt, andere spielen Inline-Hockey in der Turnhalle, und fünf Mädchen proben ein Theaterstück.

Deutscher Schulpreis: Wenn die Schule beim Lernen Flügel verleiht
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Deutscher Schulpreis: Wenn die Schule beim Lernen Flügel verleiht

Schulalltag an der Robert-Bosch-Gesamtschule, die heute zur besten Schule Deutschlands gekürt worden ist. Sie hat es nach Ansicht der Jury beispiellos geschafft, sich in 15 Jahren von ganz unten an die Spitze vorzuarbeiten. Denn vor einigen Jahren war der Ruf der Schule noch mies, immer weniger Schüler wurden angemeldet.

Jetzt stelle die Robert-Bosch-Gesamtschule wieder eine echte Alternative zu den örtlichen Gymnasien dar, so die Jury. Die Anmeldezahlen haben sich vervierfacht.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan überreichte heute im ZDF-Hauptstadtstudio Schulleiter Wilfried Kretschmer und einigen Schülern den Deutschen Schulpreis, der mit 50.000 Euro dotiert ist. Sie sagte: "Die ausgezeichnete Schule macht vor, welchen Gestaltungsspielraum die Verantwortlichen haben und wie sie diesen zum Wohl aller Akteure nutzen können."

Etwa 44.000 Schulen gibt es in Deutschland, 170 bewarben sich beim Deutschen Schulpreis. Zehn kamen in die Endrunde, und die fünf Gewinner wurden nun in Berlin gekürt. Den zweiten Platz teilen sich vier Schulen: die Montessori-Oberschule in Potsdam, die Berliner Carl-von-Linné-Förderschule, das Helene-Lange-Gymnasium in Wiesbaden und das Friedrich-Schiller-Gymnasium in Marbach/Baden-Württemberg. Sie bekommen jeweils 10.000 Euro.

Eine Gesamtschule gewinnt - auch ein politisches Signal

Die Jury prüfte vor allem diese Fragen: Wie gut sind die Leistungen der Schüler? Wie geht die Schule mit kultureller und menschlicher Vielfalt um? Wie gut ist der Unterricht? Wie reagiert die Schule auf Konflikte unter den Schülern und mit den Lehrern? Regt das Klima der Schule zum Lernen an? Sind die Lehrer und die Schulleitung offen für Kritik?

Seit langem streiten deutsche Politiker, Lehrer und Bildungsforscher über den Sinn des dreigliedrigen Schulsystems, über die Abschaffung der Hauptschule und die Benachteilung von sozial Schwachen. Gerade ist der Ton bei der Veröffentlichung der Pisa- und der Iglu-Studie wieder schärfer geworden. Den Sieg der Robert-Bosch-Gesamtschule Hildesheim und der zweite Platz der Helene-Lange-Schule Wiesbaden kann man somit auch als politisches Zeichen deuten.

Ein wenig seltsam mutet bei der Preisvergabe an, dass die Robert-Bosch-Stiftung einen Preis an die Robert-Bosch-Gesamtschule verleiht. Um Beziehungsgeflechte handle es sich hier jedoch keineswegs, versichert Christof Bosch, Sprecher der Unternehmerfamilie. Die Robert-Bosch-Gesamtschule habe nicht wegen, sondern trotz ihres Namens gewonnen. Die unabhängige Jury habe so unerbittlich auf dieses Schulkonzept bestanden, dass man sich gezwungen gesehen habe, es auszuzeichnen.

Im Vorjahr hatte die Grundschule Kleine Kielstraße in Dortmund den "Deutschen Schulpreis" gewonnen - für ihre beispielhafte Integrationsarbeit.

SPIEGEL ONLINE stellt die Konzepte der fünf Gewinnerschulen vor:

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