Aktionsrat Bildung Schulen müssen digitaler werden

Ob Grundschüler, die am Computer arbeiten, besser in Mathe sind, ist umstritten. Trotzdem fordern Bildungsforscher nun massive Investitionen in IT-Technik an Schulen.
Schüler mit Tablet (Archiv)

Schüler mit Tablet (Archiv)

Foto: Jens Wolf/ dpa

Deutsche Schulen müssen digitaler werden, findet der Aktionsrat Bildung. Das Gremium besteht aus zehn Bildungswissenschaftlern, die am Mittwoch in München das Gutachten "Bildung 2030 - veränderte Welt"  vorstellten.

Ob Kinder, die in der Schule Computer nutzen, auch bessere Leistungen zeigen, ist wissenschaftlich umstritten. Das liegt auch daran, dass es viel ausmacht, wie Unterrichtsinhalte am Computer oder Laptop konkret vermittelt werden. Außerdem sind Schulen, die in technische Ausstattung investieren können, laut Timss-Studie 2011 im weltweiten Vergleich ohnehin oft besser aufgestellt.

Der Aktionsrat Bildung fordert nun: Moderne Technik müsse im Unterricht bundesweit so eingesetzt werden, dass sie einen "didaktischen Mehrwert" biete. Mit digitalen Lehrmitteln könne allerdings nur gut gearbeitet werden, wenn auch technisch aufgerüstet werde und schnelle Internetverbindungen flächendeckend vorhanden seien.

Im November hatte eine Umfrage ergeben, dass viele Schulen zwar nicht allzu schlecht ausgestattet sind, Lehrer die vorhandene Technik aber selten nutzen. Der Aktionsrat Bildung mahnte seinerseits an, dass Lehrer entsprechend aus- und weitergebildet werden müssten.

Im Unterricht müssten Internetphänomene stärker behandelt werden, fordert der Aktionsrat Bildung weiter. Schüler sollten lernen, aus "der potenziell unendlichen Informationsflut der digital vernetzten Welt sinnvolles und verwertbares Wissen herauszufiltern". IT-Kenntnisse sollten zudem fächerübergreifend an Hochschulen unterrichtet werden.

"Epochale Veränderungen"

"Die erfolgreiche Umsetzung der Digitalisierung in der schulischen und beruflichen Bildung wird maßgeblich mitbestimmen, ob unsere Unternehmen auch in Zukunft wirtschaftlich erfolgreich bleiben", sagte der Präsident der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, Alfred Gaffal. Die Organisation hat den Aktionsrat Bildung 2005 ins Leben gerufen und finanziert seine Arbeit.

Das bayerische Kultusministerium verwies auf zahlreiche bereits laufende Projekte im Bereich digitaler Bildung. Ein Beispiel sei das von der vbw mitfinanzierte Modell "Digitale Schule 2020", das an verschiedenen Schulen in technische Weiterentwicklungen investiert.

Das Schulsystem stehe deutschlandweit "vor epochalen Veränderungen", sagte der Vorsitzende des Aktionsrats, der Hamburger Uni-Präsident Dieter Lenzen. Deswegen fordern die Forscher in zahlreichen weiteren Gebieten bildungspolitische Maßnahmen, etwa in Bezug auf Migration oder demografischen Wandel.

Lehrer sollten demnach für den Umgang mit Flüchtlingen besser ausgebildet werden. Zudem solle der Zugang zum Ausbildungs- und Arbeitsmarkt für geflüchtete Menschen weiter erleichtert werden. Bereits im Vorjahr hatte der Bildungsrat niedrigere Standards in der Berufsausbildung für Flüchtlinge gefordert. 

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels hieß es, dass Grundschüler, die einmal pro Woche am Computer arbeiteten, deutlich besser in Mathematik und Naturwissenschaften abschnitten. Der Aktionsrat Bildung hat inzwischen eingeräumt, diese Studie falsch zitiert zu haben. Wir haben klargestellt, dass es widersprüchliche Forschungsergebnisse zu diesem Thema gibt.

lov/dpa
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