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27. Dezember 2017, 11:42 Uhr

Lernen

Warum der Fokus auf das digitale Klassenzimmer Unfug ist

Ein Gastbeitrag von Klaus Zierer

Bei der Digitalisierung der Schulen machen Bundesländer Druck, denn Deutschland steht schlecht da. Doch: Lernen bleibt lernen - egal, ob analog oder digital. Die Schüler müssen wieder in den Mittelpunkt.

Die Digitalisierung ist Teil unseres Lebens und die Aufgabe lautet jetzt: Wie machen wir sie für den Menschen nutzbar? Ein Massenmedium ist dabei zentral: die Schule. In Kultusministerien wird mit Hochdruck über finanzielle Mittel, Ausstattung und Schulclouds beraten.

Das ist auch richtig so. Denn es gehört zu den zentralen Aufgaben der Schulen, gesellschaftliche Veränderungen proaktiv zu gestalten. Im Zusammenhang mit der Digitalisierung muss man aber zwei Perspektiven unterscheiden: die des Unterrichts und die der Bildung.

Die Perspektive des Unterrichts: Was wissen wir über Digitalisierung und ihren Einfluss auf die Lernleistung von Schülerinnen und Schülern? In der aktuellen Diskussion wird schnell deutlich: Vieles entspringt vagen Vorstellungen und vereinzelten Erfahrungen. Klarheit liefert die Forschung - etwa die einflussreiche Hattie-Studie, eine Metastudie zu Unterricht und Lernerfolg. Das aktuelle Hattie-Ranking listet 250 Faktoren auf, die Einfluss darauf haben, wie gut Unterricht gelingt. Darunter sind über 20 Digitalisierungsfaktoren, die jedoch in der Summe nur mäßige Effekte haben.

Drei Beispiele:

Was folgt daraus? Lernen bleibt lernen - egal, ob analog oder digital. Und damit das gelingt, braucht es Einsatz, Anstrengung und den menschlichen Dialog. Kurzum: Pädagogik vor Technik.

Die Perspektive der Bildung: Dem humanistischen Verständnis zufolge zeigt sich Bildung darin, was jemand aus seinem Leben gemacht hat und nicht darin, was andere aus einem gemacht haben. Sicherlich führt die Digitalisierung in vielfacher Hinsicht zu mehr Lebensfreude. Aber es gibt auch eine Schattenseite: "Smartphone-Sucht".

Die Betroffenen unterliegen einem Reflex und zücken das Smartphone, wann immer ihnen langweilig ist oder sie sich unsicher fühlen. Das führt laut der Studie "Homo Digitalis" unmittelbar zu immer weniger sozialen Kontakten - selbst das Essen in Familien wird durch eine unkontrollierte Smartphonenutzung asozialisiert. Zudem kommen Betroffene kaum noch zur Ruhe und ihre Leistungen in Arithmetik nehmen ab. Außerdem verändern sich neuronale Bereiche.

Digitalisierung ist eine gesellschaftliche Herausforderung

Was folgt daraus? Menschen müssen nicht nur lernen, wie ein Smartphone funktioniert. Sie müssen vor allem lernen, wann es sich lohnt, dieses einzuschalten und wann es besser ist, dieses auszuschalten. Eine umfassende Medienbildung muss das Ziel sein. Hier sind die Schulen besonders gefragt.

Digitalisierung ist eine gesellschaftliche Herausforderung. Gerade der Bildungsbereich ist gefordert - weniger wegen der Chancen für das Lernen, als vielmehr wegen der Risiken für die Bildung. Schule ist der falsche Ort für Digitalisierung als Selbstzweck. Genauso wichtig wie die Frage nach der Zahl der Tablets ist die Suche nach geeigneten Lehrmethoden und ausreichend qualifiziertem Personal. Dieser zweite Aspekt kommt bisher in den zuständigen Ministerien viel zu kurz. Klar ist: Dafür braucht es Geld und Zeit. Wer hier schnell und leichtfertig agiert, verkennt die Möglichkeiten und Grenzen des Menschen.

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