Digitales Lernen Das Handy ist kein Spielzeug!

Tablets und Apps gehören für sie selbstverständlich zur Schule dazu: In Berlin haben sich Lehrer getroffen, die Vorreiter im digitalen Unterrichten sind. Hier erzählen sie, mit welchen Gadgets und Methoden sie ihre Schüler begeistern.
Lernen mit Tablets: Lehrer Jacob Chammon arbeitet in Berlin mit Schülern

Lernen mit Tablets: Lehrer Jacob Chammon arbeitet in Berlin mit Schülern

Foto: Christian Füller

Ben* und seine Kumpels haben Feuer gefangen. Die Achtklässler beugen sich konzentriert über ihre Tablets, spornen sich gegenseitig an. Sie gestalten ein eigenes digitales Magazin: In der App "Flipboard" schieben sie Videos in ihre Magazinseiten, schreiben Texte dazu. Sie erklären die Welt der Computerspiele, in der sie so viel Zeit verbringen. Sie beschreiben Spiele wie "Dirty Bomb" und "Forza 6", damit auch Nicht-Gamer sie verstehen können.

Am Nebentisch bastelt Mahmut mit der App ein multimediales Magazin, das die kritischen Seiten Berlins beleuchtet. "Alle sagen immer, dass Berlin so cool ist - dabei ist es das gar nicht", findet er. Und tippt weiter an seinem digitalen Projekt.

So geht das an diesem Donnerstag Klasse für Klasse in der Berliner Heinrich-von-Stephan-Schule. Rund 30 Lehrer aus ganz Deutschland, die mit moderner Technik im Unterricht viel Erfahrung haben, gestalten im Rahmen der Konferenz "ExcitingEdu " die Schulstunden - und testen das neue Lernen mit allerlei digitalen Gadgets.

Der Kölner Lehrer André Spang lässt die Schüler mit dem elektronischen Baukasten "Makey Makey" zum Beispiel schräge Experimente durchführen. Der erfolgreiche Lehrerblogger Torsten Larbig  erklärt, wie man einen Blog betreibt, und der Realschullehrer Sebastian Schmidt unterrichtet im "umgedrehten Klassenzimmer", auf Englisch: "Flipped Classroom".

Beim "Flipped Classroom" arbeitet der Lehrer mit Videos, in denen die Schüler sich anschauen können, wie er den Stoff erklärt. Sie bekommen das Video schon vor der Stunde, zur Vorbereitung. So hat der Lehrer in der Schule Zeit, mit der Klasse gemeinsam Übungen durchzuarbeiten. Also: Unterricht zu Hause und Hausaufgaben in der Schule. Die Methode hört sich etwas verrückt an, bringt aber an diesem Schultag in Berlin besonders schnelle Erfolge. (Hier erklärt Schmidt die Methode im Video .)

"Wir Lehrer dürfen nicht dauernd in die Erklärfalle tappen", sagt Schmidt. "Wir sollten die Verantwortung für das Lernen in die Hände der Schüler geben." Der 13-jährigen Justine gefällt der "Flipped Classroom" so gut, dass sie in der Mathe-Stunde des bayerischen Realschullehrers gleich selbst ein kleines Lehrvideo  erstellt.

Hier erzählen vier Lehrer, warum Tablets, Smartphones, Blogs und Apps für sie im Unterricht selbstverständlich sind - und was die Technik bringen kann:

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Lehrerprotokolle: Das sagen technikbegeisterte Pädagogen

Foto: Christian Füller

Die Heinrich-von-Stephan-Schule hat Lehrer mit innovativen Ideen auch eingeladen, um das eigene Kollegium zu schulen. Die Schule richtet den Kongress bereits zum zweiten Mal aus. Die ehemalige Brennpunktschule im Stadtteil Moabit hat sich gewandelt, modernisiert, reformiert.

Trotzdem ist der Fortschritt eine Schnecke. Nach dem ersten Kongress vor zwei Jahren hatte sich die Schule Tablets gekauft, mit Sponsorengeldern. Im Frühjahr wurden die Geräte allesamt gestohlen. Nun hat die Schule neue erworben - bezahlt aus der eigenen Tasche.

Das ist der Haken am digitalen Lernen. Keiner mag es bezahlen. Der Bund darf nicht, die Länder können meistens nicht. Eine Studie  hat gerade gezeigt, dass es bis zu 2,6 Milliarden Euro kosten würde, alle deutschen Schulen mit stabilem W-Lan und Tablets auszustatten.

Sie fangen trotzdem an

Bei der Lehrerkonferenz sind auch Sponsoren aus der Industrie. Sie machen aber wenig Hoffnung, dass sich die Computer- und Softwarefirmen auch mit Geld an einem "Pakt für digitale Bildung" beteiligen könnten. Einen solchen Pakt aus Bund, Ländern, Gemeinden und Industrie hat Microsoft gerade für Deutschland vorgeschlagen.

Doch selbst Microsoft will dafür offenbar nicht tiefer in die Tasche greifen. "Die Wirtschaft tut finanziell schon eine ganze Menge mit Gratisprogrammen und Rabatten", sagt Stefan Schick, Leiter des Geschäftsbereichs Forschung und Lehre von Microsoft Deutschland.

Weder die Heinrich-von-Stephan-Schule noch digital umtriebige Pädagogen können also darauf bauen, dass die Computerausstattung der Schulen bald besser wird. Aber das ist ihnen egal. Sie fangen trotzdem schon mal an.

Pro & Contra: Handys an Schulen - verbieten oder nutzen?
Foto: Sebastian Kahnert/ picture alliance / dpa

Handys lenken ab, Handys vermasseln die Noten, Handys nerven. So denken viele Lehrer - und die Schulen reagieren mit einem Verbot.

* alle Schülernamen geändert

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