Kinder-Briefe an Donald Trump "Wir behalten dich im Auge"

Baut er eine Mauer? Wirft er alle Muslime raus? Nach Donald Trumps Wahlsieg sind auch Kinder in den USA besorgt. Jetzt läuft auf Facebook eine Kampagne mit Briefen an den künftigen Präsidenten.

Facebookgruppe: Dear President Trump: Letters from Kids About Kindness

Facebookgruppe: Dear President Trump: Letters from Kids About Kindness


"Lieber Herr Präsident, sei nett. Sag keine gemeinen Sachen", das schreibt Szaba, sechs, ein Mädchen aus den USA, in einem Brief an Donald Trump. Und weiter: "Mir hilft zum Beispiel: meditieren, lesen und entspannen. Viel Glück in deinem neuen Job. Sag Bescheid, wenn ich dir helfen kann." Der Brief ist Teil einer Anti-Hass-Kampagne, die amerikanische Eltern nach Trumps Wahlsieg im Internet gestartet haben.

Die Idee zu der Aktion hatte die Mutter eines Kindergartenkinds, Molly Spence Sahebjami. Ihr Sohn, fünf, habe sich Sorgen wegen Trumps Beschimpfungen von Muslimen gemacht, erzählte sie der "Washington Post", denn die Familie habe Verwandte mit iranischen Wurzeln. Sie schlug ihrem Sohn deshalb vor, Trump in einem Brief zu erklären, warum es wichtig ist, freundlich zu sein - und das tat er:

"Lieber Mister Trump, bitte werde ein guter Präsident. Sei nett zu allen Menschen. Einige Leute in meiner Familie haben eine besondere Religion, aber es sind keine schlechten Menschen."

Sahebjami erzählte Freunden und Bekannten von der Idee, fand schnell begeisterte Nachahmer und gründete eine Facebook-Gruppe mit dem Namen: "Dear President Trump: Letters from Kids About Kindness". Es ist ein Angebot an Eltern, mit ihren Kindern höfliche Briefe an den künftigen Präsidenten zu schreiben. Sahebjami betont, dass Eltern dabei nicht ihre eigene Sicht auf die Dinge durchdrücken sollten.

Sie wolle mit der Aktion eine "Graswurzel-Kampagne" starten, schreibt Sahebjami auf Facebook. So wolle sie der Spaltung des Landes nach der Präsidentschaftswahl etwas entgegensetzen,und außerdem Eltern einen Weg eröffnen, wie sie mit den Sorgen ihrer Kinder nach Trumps Hass-Tiraden gegen Minderheiten positiv umgehen können.

"Kinder verstehen nichts von den Themen, über die er [Trump] spricht, etwa wenn es um Arbeitsplätze geht", sagte die Mutter der Washington Post. "Aber sie haben zumindest bei uns in der Gegend sehr häufig die Vorstellung: Oh, das ist der gemeine Mann."

Sahebjami hofft, dass die Aktion bei Trump tatsächlich Wirkung zeigt: "Wenn er bergeweise Kinderbriefe bekommt, sieht er, dass die Durchschnittsamerikaner von ihm erwarten, hohe, grundlegende Standards im Bezug auf einen respektvollen, menschlichen Umgang miteinander einzuhalten."

Zahlreiche Eltern in den USA griffen Sahebjamis Idee mit den Kinderbriefen in den vergangenen Tagen begeistert auf. Innerhalb weniger Tage traten der Facebook-Gruppe Tausende Mitglieder bei. Per Twitter posten Eltern zusätzlich Kinderbriefe unter #KidsLettersToTrump. So werden ständig neue, mahnende Worte öffentlich:

Bei Facebook posten Eltern in einer geschlossenen Gruppe, um sich und ihre Kinder vor Anfeindungen zu schützen. Sie habe schon zwei Anfragen von Neonazis gehabt, erzählt Sahebjami. Briefe wie den von July, fünf, aus Utah, können deshalb nur Mitglieder lesen:

"Lieber Mister Trump, bitte baue keine Mauer. Ich habe eine Oma in Mexiko."

Oder der Brief von Ruby, acht, aus New York:

"Lieber Donald Trump, wenn ich Präsident wäre, würde ich mit allen Menschen aus den USA und der ganzen Welt sprechen, um mehr über sie zu erfahren. Denn das ist das Beste, um fair und freundlich mit allen Menschen umzugehen, die du vertrittst. Ich hoffe, dass du diese Nachricht liest. Denk daran, dass Kinder wie ich , dich im Auge behalten."

fok



© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.