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Trump-Wahlsieg US-Schüler skandieren "Baut die Mauer"

Lehrer in den USA hatten es befürchtet: Die Wahl des neuen Präsidenten heizt die Stimmung in den Klassenräumen auf. Wie Kinder auf Donald Trumps Hetze reagieren, zeigt das Handyvideo einer Zwölfjährigen.

Es ist ein beängstigender Chor, den die Schüler einer Mittelschule im US-Bundesstaat Michigan beim Mittagessen anstimmen. "Build the wall, build the wall", baut die Mauer, baut die Mauer, skandieren sie. Immer wieder.

Wer sie zu dem Gesang inspiriert hat, ist klar: Eine Mauer entlang der Grenze zu Mexiko zu bauen, war im US-Wahlkampf eine der zentralen Forderungen von Donald Trump.

Gefilmt hat die Szene aus der Schulkantine der Royal Oak Middle School eine Zwölfjährige mit mexikanischen Wurzeln. Sie sei so schockiert gewesen, dass sie und eine Freundin angefangen hätten zu weinen, sagte sie der "Detroit News" : "Jeder hat mitgesungen."

Die Siebtklässlerin schickte das Handyvideo ihrer Mutter, die es wiederum an andere Eltern weitergab. Und irgendwann landete es auf Facebook und YouTube:

Auf Facebook wurde es inzwischen mehr als acht Millionen Mal aufgerufen. Aus Angst vor Unruhen sei die Schule den ganzen Donnerstag lang von Polizisten bewacht worden, berichtet die "Detroit News".

In einer Stellungnahme der Schulleitung  heißt es, der Gesang sei nur von einer kleinen Gruppe ausgegangen und Mitarbeiter der Kantine hätten ihn rasch unterbunden. Man werde den Vorfall gemeinsam aufarbeiten.

Ihre Tochter fühle sich in der Schule nicht mehr sicher, sagte die Mutter der Zwölfjährigen der Lokalzeitung. "Wie auch? Wenn alle am Tisch aufstehen und rufen: 'Baut eine Mauer' und du bist die einzige Farbige, die dort sitzt."

Schon vor der Präsidentschaftswahl in den USA hatten Lehrer in einer Umfrage angegeben, dass die Hetze von Donald Trump einen "schwerwiegenden, negativen Einfluss" auf Schüler habe. Laut dem US-Fernsehsender ABC wollen viele Pädagogen die Wahl von Trump nun im Unterricht thematisieren - oder haben dies schon getan.

"Ich wollte heute nicht zur Arbeit gehen", zitiert ABC eine Lehrerin aus Ohio, die Englisch als zweite Fremdsprache unterrichtet. Für ihre Schüler habe sie sich aber zusammengerissen: "Sie brauchen einen Ort, wo sie besprechen können, was sie erlebt haben." Es sei okay zu weinen, wird ein anderer amerikanischer Lehrer zitiert. "Emotionen herunterzuschlucken bringt niemanden weiter."

Video: Rassistische Übergriffe durch Trump-Anhänger

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