Leserecho zu Fotoverbot bei der Einschulung "Total übertrieben und überhaupt nicht durchsetzbar"

Bilder vom ersten Schultag galten lange als selbstverständliche Erinnerung. Doch nun sprechen einige Grundschulen Fotoverbote aus - aus Sorge um den Datenschutz. Bei vielen SPIEGEL-Lesern ist die Empörung groß.

supersizer/ E+/ Getty Images

Knipsen bei der Einschulungsfeier? Das wollen manche Schulleiter nicht mehr erlauben und erlassen Fotoverbote für Momente, in denen Eltern früher ungestört Schnappschüsse fürs Familienalbum sammeln konnten. So hatten zwei Rektoren aus Halle und Bad Segeberg entschieden, keine spontanen Bilder von Erst- beziehungsweise Fünftklässlern mehr zuzulassen - sondern Fototermine anzusetzen, bei denen nur die Kinder abgelichtet werden konnten, deren Eltern explizit ihr Einverständnis dazu gegeben hatten.

Diese Maßnahme und die dahinterstehende Sorge, gegen die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) verstoßen zu können, halten viele SPIEGEL-Leser für übertrieben. Eine Auswahl der Zuschriften, die uns zu diesem Thema erreicht haben:

"Auch ich anonymisiere die Fotos meiner Kinder auf sozialen Medien oder stelle die meistens gar nicht erst hinein, jedoch muss ich leider sagen, dass es mir doch schon vorkommt, als ob man in Deutschland einfach nur datenschutzparanoid sei." - Daniel Stifft
"Gerade bei so wichtigen Ereignissen im Leben eines Schülers, wie zum Beispiel Einschulung, Vorführungen von Theaterstücken oder beim Schulabschluss, ist es wichtig, später Erinnerungen haben zu dürfen. Viele Jahre später schaut man sich diese sehr gern an. Ich würde mir heute wünschen, dass es mehr Fotos aus meiner Kindheit gegeben hätte." - Rainer Steuber

"In der heutigen Zeit, wo jeder alles jederzeit fotografieren kann, sind solche Verbote total übertrieben und überhaupt nicht durchsetzbar. Wenn ich hier schon an den Einsatz von Drohnen denke, die vom Nachbarn aus über mein Grundstück fliegen. Woher weiß ich denn, ob der Fotos von meinen Kindern macht, die gerade nackt durch den Garten traben? Jetzt müsste ich ihn darum bitten, die Aufnahmen sehen zu dürfen, um ihn dann zu bitten, diese zu löschen für den Fall, dass meine Kinder auf den Bildern zu sehen sind. Für so was habe ich echt gar keine Zeit und überhaupt keine Lust." - Dirk Laskowski

"Natürlich muss es Bilder von der Einschulung geben! Darüber freuen sich die Eingeschulten Jahrzehnte später. Der Datenschutz führt noch dahin, dass die Lehrer die Schüler nicht mehr mit dem Namen anreden dürfen!" - Detlev Vreisleben

"Ich finde das Recht am eigenen Bild sehr wichtig und empfinde die Anforderungen der DSGVO in großen Teilen nachvollziehbar. Nicht nachvollziehbar ist, wie vielerorts Ängste mit der DSGVO geschürt werden und übertriebene Rücksichtnahme mit dieser argumentiert wird. Ein bisschen mehr gesunder Menschenverstand und weniger Schnellschüsse würden vieles entspannen." - Andreas Neumann

Andere Leser berichten hingegen davon, warum sie sich strengere Regeln hinsichtlich des Fotografierens wünschen - und damit in Schulen auch anecken:

"Auch wir haben die Einwilligung zur Ablichtung unseres Sohnes der Grundschule verweigert. Wir möchten einfach nicht, dass Fotos von ihm unkontrolliert im Internet auftauchen oder irgendwie kommerziell verwertet werden. Es ist uns völlig unverständlich, dass diese Problematik heruntergespielt wird (ist ja nur privat?) und - im unseren Fall - sogar eine Drohkulisse aufgebaut wurde, um unser Einverständnis zu erlangen. Die Lösung ist einfach: Die Willigen können sich nach der Schule oder Einschulung ablichten lassen. Die individuelle Entscheidung von Eltern ist schlicht zu respektieren." - Jan Meier
"Wir haben ein Kind adoptiert, das zwangsweise aus seiner Herkunftsfamilie genommen wurde (komplizierte Geschichte, Mutter war tot, Vater im Gefängnis). Daher war es wichtig, dass KEINE Information über den Aufenthaltsort des Kindes bekannt wird und keine Bilder von meinem Kind gemacht werden dürfen. Ich habe das durchgesetzt, obwohl viele Eltern böse waren. Als in seiner Schule für das Fernsehen dokumentiert wurde, habe ich ihm nicht erlaubt, zur Schule zu gehen. Immerhin hat er so sechs Jahre Grundschule genossen. Es waren keine sechs Wochen in der Gesamtschule, bis seine Herkunftsfamilie ihn gefunden hatte, auch ohne Bild. So was spricht sich rum. Und da hörte er mit der Schule auf. Er hat inzwischen alle Kontakte zur Herkunftsfamilie wieder abgebrochen und ist bemüht, zum rechten Weg zurückzukommen, aber es ist sehr schwer ohne Schulbildung. Es wäre viel einfacher gewesen, wenn es ein generelles Verbot gegeben hätte, dann wären wir nicht die 'Bösen', sondern es wäre klar gewesen: Man macht keine Bilder von anderen ohne ihre Erlaubnis." - Leserin aus Berlin

"Man kann sich gut vorstellen, dass ein Papierbild im Fotoalbum kein Risiko für die Abgebildeten darstellt, die Veröffentlichung im Internet hingegen sehr wohl. Ich würde das Fotografieren unter den genannten Einschränkungen erlauben und denen mit einer Anzeige drohen, die sich nicht daran halten und anschließend damit auf die Nase fallen, weil 30 Prozent der Eltern gar nicht wissen, dass ihre Geräte so eingestellt sind, dass sie alles wie wild hochladen. Als Kompromiss könnte erlaubt werden, 'richtige' Kameras zu benutzen, die keine Verbindung zum Internet haben, hingegen keine Smartphones." - Hans-Joachim Bock

lmd/lov



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