Eltern-Lehrer-Umfrage Kinder sollen mehr Werte in der Schule lernen

Zu starrer Unterricht, zu wenig Zeit: Eltern und Lehrer fordern mehr Freiräume in der Schule, damit Kinder neben Deutsch und Mathe noch ganz andere Dinge lernen.

Achtung der Menschenrechte, Konfliktfähigkeit, soziale Kompetenzen, eigenverantwortliches Handeln, selbstständiges Lernen: Solche Fähigkeiten werden Kindern und Jugendlichen viel zu wenig in der Schule vermittelt. Lehrer müssten mehr Spielraum und Zeit haben, um diese Themen im Unterricht zu behandeln, das hat eine Studie im Auftrag des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) ergeben.

Studie zur Wertevermittlung in Schulen

Der VBE befragte Eltern und Lehrer, welche Werte und Fähigkeiten in der Schule unterrichtet werden sollten und inwieweit dies bereits geschieht. Das Ergebnis: Fast alle Eltern und Lehrer waren sich darin einig, dass die Schüler vor allem lernen sollten, eigenverantwortlich zu handeln und sich selbstständig weiterzubilden.

Wichtig ist Eltern und Lehrern auch, dass Kinder soziale Kompetenzen erwerben und in der Schule ihre Persönlichkeit entwickeln können.

Weniger wichtig waren Eltern und Lehrern Themen wie Heimatverbundenheit oder Leistungsorientierung. Diese sollten in der Schule nicht so viel Raum einnehmen.

Bedeutung verschiedener Bildungs- und Erziehungsziele

Es ist (sehr) wichtig, dass folgende Bildungs- und Erziehungsziele an Schulen vermittelt werden: Eltern % Lehr­kräfte%
Eigenverantwortliches Handeln 96 98
Förderung des selbstständigen Lernens 94 94
Erwerb sozialer Kompetenzen 93 98
Förderung der Persönlichkeitsentwicklung 92 95
Erwerb von Konfliktfähigkeiten/der friedliche Umgang mit Konflikten 92 95
Anerkennung gesellschaftlicher Grundwerte 92 97
Achtung der Menschenrechte 91 97
Vorbereitung auf das zukünftige Leben 91 92
Schaffung von Verantwortungsbewusstsein für Natur und Umwelt 89 94
Einüben von Toleranz 86 97
Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern 83 91
Orientierung an der freiheitlich-demokratischen Grundordnung/ Demokratieerziehung 82 95
Orientierung an Leistungsfähigkeit 61 59
Förderung der Heimatverbundenheit 45 30
Quelle: forsa

Eltern und Lehrer sind sich darin einig, dass in der Schule bereits einige Werte vermittelt werden, allerdings nicht ausreichend. Sie wünschen sich, dass die Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern, Menschenrechte und soziale Kompetenzen noch mehr erlernt werden können.

Angesichts der Ergebnisse fordert der VBE: Bildungs- und Erziehungsziele müssen in den Lehrplan mit aufgenommen werden. Dafür bräuchten Lehrer mehr Freiraum, sie müssten flexibler in ihren Gestaltungsmöglichkeiten sein. Bislang sind die Unterrichts und Schulstrukturen noch zu starr und festgefahren. Es sollten demnach mehr Workshops und Projektwochen angeboten werden, in denen Lehrer Werte vermitteln könnten.

"Das enge Korsett der Leistungsorientierung lässt den Lehrkräften nicht genügend Raum", sagte VBE-Bundesvorsitzender Udo Beckmann bei der Präsentation der Ergebnisse am Freitag. Eltern sehen einen weiteren Grund dafür, dass Werte nicht umfangreich genug vermittelt werden, auch in zu großen Klassen.

Der VBE-Vorsitzende fordert daher die Politik auf, die notwendigen Ressourcen zur Verfügung zu stellen, sonst hat das "verheerende Auswirkungen" auf die Gesamtgesellschaft.

kha