Privatschulen in England Privat. Macht. Staat.

Wer in England zur Elite gehören will, sollte auf eine nichtstaatliche Schule gehen: Ehemalige Privatschüler dominieren Justiz, Politik, Medizin und Journalismus im Land. Das zeigt eine neue Studie.
Privatschüler mit Zukunft: Ein Schüler am britischen Eliteinternat Eton. Von hier kamen bereits 18 britische Premierminister

Privatschüler mit Zukunft: Ein Schüler am britischen Eliteinternat Eton. Von hier kamen bereits 18 britische Premierminister

Foto: Christopher Furlong/ Getty Images

Der britische "Sutton Trust" versteht sich nicht als Think-Tank, als reine Ideenschmiede, sondern als Do-Tank - als Stiftung, die Veränderungen in der Gesellschaft nicht nur durchdenken, sondern konkret anschieben will. Soziale Aufstiegschancen durch Bildung zu verbessern, das ist der Anspruch. Und der ist, wie eine neue Studie des "Sutton Trust" zeigt, nicht immer ganz leicht umzusetzen.

"Leading People 2016" heißt die Untersuchung , die sich mit dem Bildungshintergrund der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Eliten im Vereinigten Königreich beschäftigt und jetzt vorgestellt wurde. Das Ergebnis: Wer als Schüler eine private Bildungseinrichtung besucht, hat als Erwachsener ungleich höhere Chancen, in die Führungsebene des Landes aufzusteigen.

Nur sieben Prozent der britischen Bevölkerung haben eine gebührenfinanzierte Privatschule besucht - aber in den wichtigsten Bereichen von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft teilen diese ehemaligen Privatschüler die Jobs quasi untereinander auf:

  • Mehr als zwei Drittel der höheren Offiziere beim Militär (71 Prozent) waren auf Privatschulen.
  • Im Justizsystem haben 74 Prozent der Richter am High Court und in den Gerichten der höheren Instanzen eine private Schulausbildung genossen.
  • 61 Prozent der führenden Ärzte im Vereinigten Königreich wurden an nichtstaatlichen Schulen erzogen.
  • Nicht ganz so hoch sind die Zahlen im Bereich Medien: Von den führenden Printjournalisten Großbritanniens waren mehr als die Hälfte (51 Prozent) auf einer privaten Schule.
  • Noch etwas besser sieht es in der Politik aus: Mit 32 Prozent hat knapp ein Drittel der Parlamentsabgeordneten im britischen Unterhaus eine private Schullaufbahn hinter sich; im aktuellen Kabinett sind es jedoch fast die Hälfte der Minister.

Ähnliche Zahlenverhältnisse haben die Bildungsforscher für die Universitätskarrieren ermittelt: Während die britischen Top-Unis in Oxford und Cambridge zusammen nur ein Prozent der Bevölkerung ausbilden, besetzen ihre Absolventen 74 Prozent der höheren Richterstellen, 54 Prozent der Redakteursstellen in den wichtigsten nationalen Medien und 47 Prozent der Ministerposten in der aktuellen Regierung.

"Privatschulen für alle Schüler öffnen"

"Der Schlüssel, um die soziale Mobilität an der Spitze zu erhöhen, liegt darin, die Privatschulen für alle Schüler zu öffnen - unabhängig vom Geld und den Gebühren, sondern lediglich aufgrund ihres Könnens", sagt Peter Lampl, Vorsitzender des "Sutton Trust", einem Bericht des "Guardian " zufolge, "genauso brauchen wir aber auch bessere Unterstützung für die hochbegabten Schüler in den staatlichen Schulen."

Bisher sei es noch viel zu oft so, dass die Trägerschaft der besuchten Schule über die weiteren Karriere eines Menschen entscheide - auch wenn es in den vergangenen Jahren "langsame Verbesserungen" gegeben habe, so Lampl. So lag etwa der Anteil der Top-Juristen mit Privatschulabschluss in den Achtzigerjahren noch bei 76 Prozent - zwei Prozentpunkte höher als heute.

Ein Ergebnis allerdings überraschte auch die Bildungsforscher: der Unterschied beim Bildungshintergrund von Schauspielern und Popstars. So zeigte sich, dass preisgekrönte britische Schauspieler viel häufiger eine Privatschule besucht haben als preisgekrönte Popstars und Musiker: 42 Prozent der Bafta-Award-Gewinner (British Academy of Film and Television Arts) waren auf nichtstaatlichen Schulen, bei den Brit-Music-Award-Preisträgern waren es nur 19 Prozent.

him
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