England Schule pleite, Schüler auf der Straße

Der Schock kam zu Beginn der Osterferien: Fast 500 Schüler in Südengland erhielten einen Brief, ihre Privatschule sei leider pleite - trotz des hohen Schulgelds von bis zu 30.000 Euro pro Jahr. Nun müssen sich die Schüler fürs Abitur neue Schulen suchen.


Hunderte britische Schüler stehen auf der Straße, weil ihre Schule pleite gegangen ist. Rund 450 Familien im südostenglischen Seaford wurde in der vergangenen Woche mitgeteilt, dass die private Newlands School wegen Finanznöten schließen müsse - obwohl die Eltern Schulgeld von bis zu 30.000 Euro pro Schüler und Jahr zahlen.

Das bringt etwa 100 Schüler der Klasse 13 in die Bredouille, die in drei Monaten ihre Abschlussprüfungen ablegen wollen. Sie wissen nicht, welche Schule sie nach den Osterferien besuchen sollen. Mehrere Schulen in der Region haben angeboten, die Schüler aufzunehmen. Ob sie allerdings die gleichen Fächerkombinationen für die so genannten A-Levels anbieten, ist nicht klar.

Während die Newlands Schule eine der wenigen englischen Schulen war, die keine Aufnahmeprüfungen verlangte und deswegen auch Schützlinge mit Lese- oder Rechenschwäche aufnahm, müssen die Schüler an ihren neuen Schulen Auswahlverfahren bestehen.

"Wir sind am Boden zerstört", sagte Schulleiter Oliver Price der Zeitung "Eastbourne Today". Eine Ausnahme-Schule mit ganz besonderen Kindern gehe der Gemeinde Seaford verloren, dies sei ein pädagogisches und menschliches Desaster. "Die Auswirkungen werden verheerend sein", so Price. Die Schule sei der größte Arbeitgeber der Region gewesen. Auch persönlich setze dem Schulleiter die Schließung zu: Er und seine Frau seien nun arbeitslos und müssten aus dem Gebäude ausziehen; auch ihre Tochter brauche eine neue Schule, um im Juni ihre Prüfungen ablegen zu können.

Einige der 200 nun arbeitslosen Angestellten der Newlands School möchten eine neue Schule eröffnen, berichtet die Zeitung. Demnach hat die ehemalige Schulleitung ein Gebäude angemietet, in dem 16 Lehrer zumindest den Abschlussjahrgang weiter unterrichten können. Die Prüfungen, so schrieb die ehemalige stellvertretende Schulleiterin Caroline White in ihrem Brief an die Eltern, müssten die Schüler dann in Räumen ablegen, die die Gemeinde zur Verfügung stelle.

Die Eignerfamilie der Schule teilte mit, die Geldprobleme wurzelten in sinkenden Schülerzahlen in den vergangenen zwei Jahren. Sie habe vergeblich gehofft, ein größerer Betreiber würde die Schule aufkaufen. Der Deal war jedoch gescheitert, weil sich der Interessent mit dem Vermieter des Gebäudes nicht einig wurde.

Die 150 Jahre alte Newlands Schule hatte Schüler zwischen drei und 18 Jahren aufgenommen. Die jährlichen Gebühren reichten von umgerechnet rund 7000 Euro für den einfachen Schulbesuch bis zu knapp 30.000 Euro für das Internat. Ob die betroffenen Familien das Schulgeld zurückerstattet bekommen, ist noch unklar.

cpa/afp



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