Fremdsprachen Englischunterricht ab der ersten Klasse lohnt sich nicht

Erstklässler können noch nicht lesen und schreiben, sollen aber schon Englisch sprechen. Zumindest gibt es das Fach vielerorts ab der Einschulung. Nur bringt das nicht viel, zeigt eine Studie.
Grundschülerin mit Englischbuch

Grundschülerin mit Englischbuch

Foto: Rolf_Vennenbernd/ picture-alliance / dpa/dpaweb

Englischunterricht bereits ab der ersten Klasse ist weniger effektiv als erhofft, wie eine aktuelle Studie zeigt . Kinder, die in der ersten Klasse mit dem Englischunterricht beginnen, sind sieben Jahre später sogar schlechter als Schüler, die erst in der dritten Klasse mit dem Englischunterricht starten.

Forscher der Ruhr-Universität Bochum und der TU Dortmund hatten die Daten von 5130 Schülern von Gymnasien in Nordrhein-Westfalen ausgewertet. "Der fremdsprachliche Frühbeginn wird häufig hochgelobt, obwohl es insgesamt wenig Forschung gibt, die diesen Mythos unterstützt", sagte Nils Jäkel, der an der Studie mitgearbeitet hat. Erschienen ist sie im Fachblatt "Language Learning".

Verglichen wurden Schülergruppen, die in der ersten und der dritten Klasse mit dem Englischunterricht begonnen hatten. In der fünften Klasse schnitten demnach jene Kinder besser ab, die bereits ab der ersten Klasse Englischunterricht hatten.

In der siebten Klasse waren allerdings die Leistungen der Spätstarter besser. Die Studie bestätigt demnach Ergebnisse aus anderen Ländern, etwa Spanien. Diese zeigen: Ein früher Beginn mit ein bis zwei Stunden Englischunterricht pro Woche bei Grundschülern trägt auf längere Sicht nur wenig zur Sprachkompetenz bei. In Baden-Württemberg steht der Unterricht in Englisch und Französisch für Erstklässler bereits auf der Kippe.

"Keine überzogenen Erwartungen"

Die Forscher vermuten, die Erstklässler bräuchten intensiveren Kontakt, um eine Fremdsprache nachhaltig zu lernen. Zudem könne es beim Übergang zum Gymnasium einen Bruch geben, wenn das eher spielerische Lernen zu Ende geht und die Schüler gezielt an der Grammatik und dem Wortschatz arbeiten müssen.

Englischunterricht ab der ersten Klasse sollte jedoch nicht unbedingt abgeschafft werden, so die Forscher. Es dürfe aber "keine überzogenen Erwartungen" geben. Sinnvoll könne es sein, die Stundenzahl in der dritten Klasse zu steigern.

koe/AFP
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