Streit über Erdogan-Zeichnung "Eine Karikatur karikiert, deshalb heißt sie so"

Eine Karikatur vom türkischen Präsidenten Erdogan in einem deutschen Schulbuch sorgte für Ärger, Baden-Württembergs Regierungschef Kretschmann wies Kritik zurück. CDU-Politiker fordern jetzt, das Buch solle nicht mehr verwendet werden.

Istanbul - Der türkische Präsident als Kettenhund: Diese Karikatur von Recep Tayyip Erdogan in einem deutschen Schulbuch sorgt weiter für Ärger. Die türkische Regierung hat darauf bereits am Montag empört reagiert und Deutschlands Botschafter in der Türkei einbestellt, jetzt äußern sich auch deutsche Politiker: So nannten die CDU-Bundestagsabgeordneten Cemile Giousouf und Oliver Wittke den Abdruck "völlig inakzeptabel". Baden-Württembergs Regierungschef Winfried Kretschmann (Grüne) wies die Kritik dagegen am Dienstag scharf zurück.

Das türkische Außenministerium hatte zuvor kritisiert, die Karikatur verunglimpfe den Präsidenten. Die Zeichnung beleidige das Staatsoberhaupt und die in Deutschland lebenden Türken. Das Ministerium hatte am Montagabend mitgeteilt: "Diese Art von Karikaturen, die auch in Schulbüchern verwendet werden, spiegeln leider die Zunahme von Rassismus und Ausländerfeindlichkeit in Deutschland." Nach Angaben des Berliner Auswärtigen Amts war die Karikatur Thema bei einem Gespräch des deutschen Botschafters Eberhard Pohl am Dienstag im türkischen Außenministerium.

Die türkische Zeitung "Milliyet" veröffentlichte die Karikatur am Montag erneut im Internet. Sie zeigt unter anderem einen Hund, der an eine Hütte mit der Aufschrift "Erdogan" gekettet wurde. Die Zeichnung stammt ursprünglich aus der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", wurde in den vergangenen Tagen nach Bekanntwerden des Streits aber immer wieder in sozialen Netzwerken geteilt.

Erdogan-Unterstützung aus der CDU

Kretschmann zeigte für die Kritik aus Ankara kein Verständnis. "Es ist mir unerfindlich, wie man sich darüber so echauffieren kann", sagte er in Stuttgart. "Eine Karikatur ist eine Karikatur, und sie karikiert, deshalb heißt sie so." Erdogan wolle ablenken von Rechtsstaatsproblemen im eigenen Land. Er solle sich darum kümmern, wie er selbst mit Kritikern umgehe: "Das ist uns bekannt und missfällt uns außerordentlich", sagte Kretschmann. Als Beispiel nannte Kretschmann die Aleviten, die sich nicht vom regulären Religionsunterricht abmelden dürften, um ihren eigenen Unterricht abzuhalten.

Baden-Württembergs Kultusminister Andreas Stoch (SPD) und der türkische Generalkonsul in Stuttgart, Ahmet Akinti, wollten laut Kretschmann am Dienstag zusammentreffen, um über den Fall zu sprechen. Stoch hatte zuvor erklärt, die Kritik an dem Buch sei "in ihrer Heftigkeit überzogen", zudem wies er auf die "multiperspektivische und differenzierte" Behandlung des Einwanderungsthemas in dem Schulbuch "Team 2" hin. Gleichzeitig bedauerte der Kultusminister, "dass diese Darstellung zu Irritationen bei Teilen der türkischstämmigen Bevölkerung geführt hat".

Die nordrhein-westfälischen CDU-Abgeordneten Giousouf und Wittke forderten bei einem Besuch in Ankara dagegen, das Schulbuch solle nicht mehr im Unterricht verwendet werden. Von der Landesregierung in Stuttgart verlangten sie, "sich angemessen zu entschuldigen". Deutsche Schulen sollten "nicht nur Wissen, sondern auch Werte wie Respekt vor anderen Völkern und deren Repräsentanten vermitteln".

Die Kritiker Erdogans haben es in der Türkei tatsächlich schwer: Gerade Journalisten und Künstler müssen immer wieder mit Repressionen rechnen. Vor knapp zwei Wochen sprach ein Gericht den Karikaturisten Musa Kart vom Vorwurf der Beleidigung Erdogans frei. Er hatte für die oppositionelle Zeitung "Cumhuriyet" eine Karikatur zu Korruptionsvorwürfen gegen Regierungsmitglieder gezeichnet. Die Staatsanwaltschaft hatte neun Jahre und zehn Monate Haft für ihn gefordert.

Schon früher hatte Kart Ärger mit Erdogan. Vor acht Jahren musste er sich vor Gericht verantworten, weil er den damaligen Regierungschef als Katze darstellte. Auch damals wurde er freigesprochen.

him/dpa
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