Erfolg von Ganztagsschulen Besseres Sozialverhalten, höhere Motivation

Bund und Länder investieren kräftig in den Ausbau der Ganztagsschulen. Die Betreuung und Förderung soll vor allem Kindern von Berufstätigen und Einwanderern helfen. Eine großangelegte Studie zeigt nun: Ganztagsschulen sind sinnvoll - sie schöpfen ihre Chancen aber noch nicht voll aus.

Schule am Nachmittag: Ganztagsschulen werden massiv ausgebaut
DDP

Schule am Nachmittag: Ganztagsschulen werden massiv ausgebaut


Ganztagsschulen können das Sozialverhalten von Schülern verbessern und das Risiko des Sitzenbleibens verringern. Das geht aus einer am Donnerstag vom Bundesbildungsministerium in Berlin vorgestellten Studie zur Entwicklung von Ganztagsschulen hervor.

Besonders in der Grundschule sowie zwischen der fünften und siebten Klasse verbessern demnach Ganztagsangebote das Sozialverhalten, aber auch die Motivation der Schüler. Zudem reduziert die regelmäßige Teilnahme an den Angeboten auch das Risiko der Klassenwiederholung.

"Damit tragen Ganztagsschulen zum Abbau der Bildungsarmut bei", erklärte Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU). "Wir wissen aber auch, dass es letztlich auf die Qualität der Angebote ankommt, denn diese wirkt sich auch auf die Schulnoten aus."

Mehr als 40 Prozent der Schulen sind inzwischen auch am Nachmittag offen

Für die Studie hatten Bildungsforscher insgesamt rund 54.500 Menschen aus knapp 330 Schulen in 14 Bundesländern befragt, darunter Schulleiter, Lehrer, Schulsozialarbeiter, Schüler und Eltern. Die Befragungen fanden in den Jahren 2005, 2007 und 2009 statt. Die Schüler gingen jeweils in die dritte, fünfte, siebte und neunte Klasse.

Beim Ausbau der Ganztagsschulen hat der Bund die Länder von 2003 bis 2009 mit vier Milliarden Euro unterstützt. Inzwischen bieten mehr als 40 Prozent der allgemeinbildenden Schulen in Deutschland Ganztagsplätze an, Grundschulen allen voran.

Das Ergebnis der Untersuchung fällt positiv aus. Es zeigt aber auch, dass viele Schulen die Chancen des Ganztagsunterrichts noch nicht richtig ausschöpfen. Vor allem in der Sekundarstufe, also ab Klassenstufe fünf, ist der Austausch zwischen den Lehrern und den Pädagogen, die am Nachmittag mit den Kindern arbeiten, nicht besonders groß, die Förderung der Schüler wird nicht gut begleitet.

In der Grundschule ist die Beteiligung von Einwandererkindern niedrig

Die jüngeren Schüler sind die eifrigsten Nutzer von freiwilligen Angeboten am Nachmittag - mit zunehmendem Alter sinkt die Teilnahmequote. Sie liegt jedoch fast ausnahmslos bei über 50 Prozent, in der Klassenstufe fünf blieben sogar drei von vier Schülern am Nachmittag in der Schule.

Vor allem berufstätige Eltern und Alleinerziehende schätzen die Betreuung ihres Nachwuchses an der Schule. Kinder aus Migranten- und schlechter gestellten Familien nehmen allerdings das Grundschul-Ganztagsangebot insgesamt weniger wahr als andere. Das ist vor allem in Grundschulen der Fall, während die Teilnahme der Schüler sich in der Sekundarstufe kaum unterscheidet.

Für die weitere Entwicklung der Ganztagsschulen dürfte die magere Beteiligung an Grundschulen der wichtigste Punkt sein, ist die Betreuung am Nachmittag doch auch als Integrationshebel für Einwandererkinder und als Förderangebot für Kinder aus sozialschwachen Familien gedacht.

Ganztagsschulen zerstören nicht das Familienleben

Längere Schulöffnungszeiten allein reichen der Studie zufolge nicht aus, um eine erfolgreiche Förderung zu leisten. Auch die bloße Teilnahme der Schüler am Ganztagsangebot bringt kaum etwas für die Noten. Entscheidend sei vielmehr Qualität: ein positives Sozialklima an der Schule, die Lehrmethoden, ein Angebot, das die Interessen der Schüler weckt, sowie Partizipationsmöglichkeiten. Speziell für Migrantenkinder ab der fünften Klasse gilt: Sie profitieren von Hausaufgabenhilfe und Lernzeit in der Schule und können so ihre Noten verbessern.

Die Studie konnte zudem eine Befürchtung von Kritikern der Ganztagsschule entkräften: Das Familienklima und gemeinsame Aktivitäten leiden nicht darunter, wenn die Kinder auch nachmittags in der Schule sind.

Jede Ganztagsschule kooperiert inzwischen mit durchschnittlich sechs Partnern. An erster Stelle stehen die Sportvereine, gefolgt von Kunst- und Musikschulen und anderen kulturellen Einrichtungen. In der Sekundarstufe kommen auch Betriebe hinzu, wie Schavan betonte.

Verantwortlich für die Untersuchung waren das Deutsche Institut für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF), das Deutsche Jugendinstitut (DJI), das Institut für Schulentwicklungsforschung (IFS) und die Universität Gießen. Das Bundesbildungsministerium finanzierte die Studie mit insgesamt 8,4 Millionen Euro.

bim/dpa/AFP



insgesamt 22 Beiträge
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Seite 1
mark anton, 11.11.2010
1. In Deutschlands Klassenzimmern geistert "antiautoritaere Erziehung" immer noch herum
Zitat von sysopBund und Länder investieren kräftig in den Ausbau der Ganztagsschulen. Die Betreuung und Förderung soll vor allem Kindern von Berufstätigen und Einwanderern helfen. Eine großangelegte Studie zeigt nun: Ganztagsschulen sind sinnvoll - sie schöpfen ihre Chancen aber noch nicht voll aus. http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/0,1518,728593,00.html
jeder ernstzunehmende Paedagoge weiss, dass dies absolut falsch ist und dem Jugendlichen, oft zeitlebens, die falschen Flussen in den Kopf setzt. Auch dieses Dilemma, haben die Gruenen zu verantworten, die ihre Faehrte ueberall hinterlassen haben, in der Regel mit schlimmen Resultaten der Verdummung, Veraengstigung, Falschinfo.
warzenmeissel 11.11.2010
2. Jau,
Zitat von mark antonjeder ernstzunehmende Paedagoge weiss, dass dies absolut falsch ist und dem Jugendlichen, oft zeitlebens, die falschen Flussen in den Kopf setzt. Auch dieses Dilemma, haben die Gruenen zu verantworten, die ihre Faehrte ueberall hinterlassen haben, in der Regel mit schlimmen Resultaten der Verdummung, Veraengstigung, Falschinfo.
dann werden die Grünen auch wohl für Ihre Erziehung verantwortlich sein.
sysiphos, 11.11.2010
3. Erleuchtung
Zitat von mark antonjeder ernstzunehmende Paedagoge weiss, dass dies absolut falsch ist und dem Jugendlichen, oft zeitlebens, die falschen Flussen in den Kopf setzt. Auch dieses Dilemma, haben die Gruenen zu verantworten, die ihre Faehrte ueberall hinterlassen haben, in der Regel mit schlimmen Resultaten der Verdummung, Veraengstigung, Falschinfo.
Wo ist der Zusammenhang, je länger man in der Schule ist desto mehr "Flausen" im Kopf ? Oder dünsten Grüne Politiker auf geheimnisvolle Weise eine Substanz aus die den Geist dauerhaft vernebelt wo immer sie gewesen sind ? Ich bitte um Erleuchtung .
newliberal 11.11.2010
4. Nein danke !
Zitat von sysopBund und Länder investieren kräftig in den Ausbau der Ganztagsschulen. Die Betreuung und Förderung soll vor allem Kindern von Berufstätigen und Einwanderern helfen. Eine großangelegte Studie zeigt nun: Ganztagsschulen sind sinnvoll - sie schöpfen ihre Chancen aber noch nicht voll aus. http://www.spiegel.de/schulspiegel/wissen/0,1518,728593,00.html
Klar sind Ganztagsschulen sinnvoll, es fragt sich nur für wen ? Sinnvoll für Pädagogen und vor allem Sozialpädagogen, hier werden weitere steuerfinanzierte Biotope und Oasen geschaffen- Stichwort "Nachmittagsbetreuung". Sinnvoll für eine weitere Indoktrination und Schaffung braver Untertanen, die jeden Stuss der Church of Climatology nachbeten. Ebenfalls sinnvoll um jedes ausserschulische nicht-staatlich überwachte Engagement zu zerstören. Das Ganze hat natürlich System, wie jedes "Projekt" der GrünINen! http://www.derwesten.de/wr/Turbo-Abi-bringt-Sportvereine-in-Schwierigkeiten-id673538.html
c++ 11.11.2010
5. .
Für Schüler, die aufgrund der sozialen Verhältnisse, in denen sie leben, benachteiligt sind, profitieren natürlich von Ganztagsschulen, das ist so offensichtlich, dass man dies nicht erläutern muss. Daher ist das Ergebnis nicht überraschend. Kindern aus bildungsorientierten Familien bringt die Ganztagsschule eigentlich eher Nachteile. Vorteil ist nur, die Eltern können beiden den ganzen Tag arbeiten, was angesichts der demografischen Entwicklung in Zukunft unverzichtbar ist. Daher sind Ganztagsschulen zu fördern, aber nicht als Pflichtschule für alle, sondern nur für Kinder aus bildungsfernen sozialen Kreisen
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