Erster Kuss, erste Liebe, erster Sex Wir müssen mal reden

Sie verknallte sich ausgerechnet in den Freund ihrer besten Freundin. Was Nine, 18, dann unternahm und wie sie übers Fremdgehen denkt: Herzenssachen im SchulSPIEGEL - das erste von sechs Gesprächen über Flirten, Verliebtsein, Sex.


Jugendliche aus ganz Deutschland haben Esslinger Sozialarbeit-Studenten der Projektgruppe "Herzenssache" von ihrem ersten Date, ihrem ersten Mal, ihrer ersten großen Liebe erzählt. "Schmetterlinge im Bauch" heißt das lesenswerte Buch, das jetzt vom Berliner Archiv der Jugendkulturen veröffentlicht wurde. Von heute bis Samstag erscheinen auf SPIEGEL ONLINE sechs dieser Gespräche. Den Anfang macht Nine, 18. Sie opferte ihre beste Freundin - für einen Typen.

Frage: Du hast seit eineinhalb Jahren einen Freund. Wie seid ihr zusammengekommen?

Schülerin Nine, 18, spannte ihrer besten Freundin den Freund aus
Archiv für Jugendkulturen

Schülerin Nine, 18, spannte ihrer besten Freundin den Freund aus

Nine: Blöderweise über meinen Ex-Freund. Er erzählte, Steven sei in meine beste Freundin verknallt. Und meine beste Freundin wusste, dass ich ihn gut fand. Für mich war dann die Sache geklärt: Er mag mich nicht, fertig. Und dann hat sich meine beste Freundin mit ihm getroffen. Sie waren auch zusammen bei mir, was für mich natürlich unangenehm war, weil die auch miteinander rumgeknutscht haben - und ich saß daneben.

Frage: Und du mochtest ihn?

Nine: Ja! Irgendwann hat er zu mir gesagt, er will gar nichts von meiner Freundin, sondern ist eher an mir interessiert. Ob wir's denn mal probieren sollten. Und ich: Wie, probieren? Wenn er eigentlich mich interessant findet, warum macht er dann mit meiner Freundin rum und spielt mit ihr? Würde er es bei mir ernst meinen oder verarscht er mich genauso? Komischerweise war's dann aber so, dass ich mir von Anfang an sicher war, dass das klappt, dass ich mir gesagt hab: Okay, ich geh das Risiko ein. Obwohl es eigentlich gegen meine Prinzipien geht. Der Freund von meiner Freundin ist für mich immer tabu gewesen. Die Freundschaft zu meiner Freundin war dann auch erst mal kaputt, aber wir verstehen uns wieder.

Frage: Du sagst, du warst dir sicher, dass es klappt. Was bedeutet denn klappen?

Nine: Ich meine das Gefühl, dass uns was verbindet. Ich habe von Anfang an gewusst, dass eine Beziehung mit ihm funktionieren würde, auch für längere Zeit, weil wir uns vom Charakter her so ähneln. Wir kannten uns ein, zwei Tage und haben schon über alles geredet, über persönliche Dinge. Es war, als ob wir uns schon ewig kennen würden. Sonst hätte ich nie meine beste Freundin aufs Spiel gesetzt für eine Beziehung von drei Monaten.

Frage: War Steven denn die erste große Liebe für dich?

Nine: Erste große Liebe, das ist für mich schon jemand anderes. Mit dem war ich aber nur drei Monate zusammen oder so. Beim Steven ist es 'ne andere Liebe, die wahre Liebe, sag' ich jetzt mal.

Frage: Ab wann kann man sagen: Ich liebe dich?

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Projektgruppe Herzenssache:
Schmetterlinge im Bauch. Wenn Jugendliche sich verlieben
Nine: Wann kann man das sagen? Ich weiß nicht. Es kommt immer drauf an. Ich habe ziemlich lang gebraucht, bis ich's sagen konnte. Bei meinem Ex zum Beispiel konnte ich das nicht; ich hab' ihn zwar geliebt, aber trotzdem. Beim Steven kann ich es sagen, weil ich weiß, es ist so.

Frage: Der schönste Moment in eurer Beziehung war…

Nine: …ganz am Anfang, wenn sich der Mann immer noch richtig Mühe gibt. Da hat er in meinem Zimmer Kerzen aufgestellt und leise Musik angemacht und wir haben getanzt, es war richtig romantisch. Oder in Spanien im Urlaub: Da sind wir abends von der Disco heimgelaufen, so an der Promenade entlang. Es war wie im Film: Strand, Mond, Wellenrauschen. Da kniete er sich vor mich hin und machte mir 'nen Antrag. Das war einer der schönsten Momente.

Frage: Einen Heiratsantrag hat er dir da gemacht?

Nine: Ja. Ich kann mich gar nicht genau dran erinnern. Ich weiß nur noch, dass es voll schön war. Ich habe ihn aber nicht so wirklich ernst genommen, weil ich gedacht hab': Hey, wir sind seit einem Jahr zusammen oder so, und ich kann nicht einfach "Ja" sagen, weil ich ja nicht weiß, wie es in Zukunft ist. Und daher hab' ich ihm halt gesagt: Ja, eigentlich schon. Mal gucken, was die Zukunft bringt. Ich glaube, dazu hat er gar nichts mehr gesagt, da hat er mich dann nur noch in den Arm genommen.

Frage: Wie sprecht ihr über eure Gefühle?

Nine: So offen wie möglich. Er ist ein offener Mensch, also wenn ihm was nicht passt, erzählt er's mir sofort. Ich aber habe mein ganzes Leben lang geschluckt. Ich bin jemand, der immer zurücksteckt. Wenn er mir mal ein Argument entgegenbringt, dann sag' ich schon: Ja, gut. Aber ich bin dabei, mich zu bessern. Er spricht mich auch offen drauf an, wenn er merkt, irgendwas ist los. Ich kann ihm zwar dann sagen: Das und das stört mich, aber nicht wirklich meine Gefühle zeigen, also meine ganzen Gefühle. Er hat zu mir gesagt, wenn ich's ihm nicht sagen kann, dann soll ich einen Brief schreiben. Das habe ich jetzt auch schon mal gemacht.

Frage: Wie sieht es mit eurem gegenseitigen Vertrauen aus?

Nine: Wir vertrauen uns schon. Er ist sehr eifersüchtig. Ich bin ohnehin vorsichtig mit Vertrauen. Ich weiß, er würde mir nie was Böses tun, aber es ist trotzdem in meinem Hinterkopf, das kann ich nicht abschalten. Ich weiß, er würde nie fremdgehen, aber trotzdem habe ich Angst davor. Angst davor, ihn zu verlieren durch irgendetwas, weil ich weiß, es kann immer irgendwas passieren. Dass er etwa kein Interesse mehr an mir hat oder dass wir uns auseinander leben.

Frage: Was könnte das Vertrauen zerstören?

Nine: Auf jeden Fall fremdgehen. Das auf jeden Fall.

Frage: Wäre ein Kuss schon fremdgehen?

Nine: Ja.

Frage: Warst du schon mal eifersüchtig?

Nine: Eigentlich immer. Früher war ich diejenige, die alles locker genommen hat, der es egal war, ob ihr Freund mit jemand anderes was macht oder nicht. Und er war ja am Anfang der Part, der so eifersüchtig war. Jetzt ist es eigentlich genau umgekehrt.

Frage: Wenn du mit Steven zusammenbleibst, wie stellst du dir eure gemeinsame Zukunft vor?

Nine: So das typische Leben würde ich mir wünschen: Einen Job zu haben, ein paar Jahre zu arbeiten, ein Kind bekommen, wenn ich ein paar Jahre gearbeitet habe, so dass ich einen Rückhalt hätte und mich nicht voll auf ihn verlassen muss. Einfach ein ganz normales Leben. Dass es weiter so bleibt wie jetzt. Wir sind ein Liebespaar, wir sind Freunde, wir sind Ansprechpartner, alles zusammen.

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Dienstag: "Ich check die jetzt ab." West, 15, will eine Freundin, die richtig gut aussieht. "Alles andere wäre doch voll blamabel."

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