Langzeitstudie Strenge Erziehung schadet der Schulleistung

Je strenger die Erziehung, desto besser die Leistung? Forscher aus den USA haben diesen Mythos untersucht - und einen gegenteiligen Zusammenhang entdeckt.
Weinendes Mädchen

Weinendes Mädchen

Foto: Patrick Pleul/ picture alliance / dpa

Eine besonders strenge Erziehung führt nicht zu besonders guten Leistungen - sondern vielfach sogar zum Versagen in der Schule. Das berichten Forscher im Fachmagazin "Child Development". Als "harte Erziehung" werteten sie Anschreien, Schlagen und die Androhung von verbalen oder körperlichen Strafen.

Kinder, die so erzogen werden, orientieren sich laut der Studie später stärker an Freunden als an ihren Eltern - und brechen zum Beispiel gezielt Regeln, um ihre Freunde zu beeindrucken.

Für die Untersuchung werteten die Forscher um Rochelle Hentges von der Universität Pittsburgh Daten einer Langzeitstudie aus dem US-Bundesstaat Maryland aus. Diese untersucht den Einfluss sozialer Bedingungen auf die akademische und psychosoziale Entwicklung Heranwachsender vom 12. bis zum 21. Lebensjahr. Erfasst wird unter anderem, inwiefern sie verbalen oder körperlichen Attacken ihrer Eltern ausgesetzt sind, wie sie mit Gleichaltrigen interagieren und wie sie sich im Alltag verhalten.

Die Forscher analysierten die Angaben von 1060 Jugendlichen über einen Zeitraum von mehreren Jahren. Sie stellten fest, dass Kinder, die in der 7. Klasse sehr streng und aggressiv erzogen wurden, zwei Jahre später Gleichaltrige und Freunde oft als wichtiger ansahen als das Befolgen elterlicher Regeln - und sich vier Jahre später riskanter verhielten als moderat erzogene Gleichaltrige.

Streng erzogene Jungen hatten einen größeren Hang zu Kriminalität, streng erzogene Mädchen wurden früher sexuell aktiv. Dies wiederum beeinflusse den schulischen Gesamterfolg und führe zu höheren Abbruchraten in Highschool oder College, so die Forscher.

Ein gewalttätiger Erziehungsstil löse einen "Komplex kaskadenartiger Prozesse" aus, sagt Forscherin Hentges. Jugendliche, deren Bedürfnisse nicht durch ihre primären Bezugspersonen erfüllt werden, suchten sich Bestätigung bei Gleichaltrigen. Langzeitziele wie etwa ein höherer Bildungsabschluss rückten für sie in die Ferne. Sie beschäftigten sich mehr mit der Gegenwart als mit der Zukunft.

vet/dpa