Do you speak German? Diese Fremdsprachen lernen Europas Schüler

Wer in den Urlaub fährt, stellt schnell fest: Die Fremdsprachenkenntnisse unterscheiden sich sehr stark von Land zu Land. Unsere Karte zeigt, welche Sprachen wie häufig auf den Lehrplänen in Europas Schulen stehen.
Englisch lernen inzwischen fast alle. Aber was noch?

Englisch lernen inzwischen fast alle. Aber was noch?

Foto: Patrick Pleul/ picture alliance / dpa

Es ist Sommer, Urlaubszeit, die Büros sind leergefegt, die Fernzüge, Flieger, Autobahnen rappelvoll: Man reist, von Deutschland nach Italien, von Italien nach Frankreich, von Frankreich nach Großbritannien, von Großbritannien nach Schweden, und kreuz und quer über den Kontinent.

Die Reisezeit ist gleichzeitig eine der sprachlichen Verwirrung. Parlez-vous Deutsch? Sprechen Sie italiano? Where is the next Bushaltestelle? Sorry, aber my Englischunterricht is lange her. Die Urlaubssaison wirft damit auch ein Licht auf die Frage: Welche Sprachen lernen junge Europäer in der Schule?

Zwischen Deutschland und Frankreich kam es über diese Frage kürzlich fast schon zu diplomatischen Verstimmungen: Die Regierung in Paris will die Zweisprachen-Klassen abschaffen, worunter vor allem der Deutschunterricht leiden würde. Die Deutschlehrer in Frankreich protestierten und in Berlin tat Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) ebenfalls ihren Unmut kund: "Wir brauchen einen starken Deutschunterricht in Frankreich und einen guten Französischunterricht in Deutschland."

In Frankreich lernen inzwischen 37 Prozent der Schüler Spanisch, nur rund 14 Prozent entscheiden sich für Deutsch. Umgekehrt haben mehr als ein Viertel der Mittelstufenschüler in Deutschland Französischunterricht.

Englisch, das zeigt der Blick auf unsere Sprachenkarte, dominiert in Europas Klassenzimmern. Doch in der zweiten und dritten Reihe zeigen sich interessante Unterschiede zwischen den Ländern.

Welche Sprache neben Englisch auf dem Stundenplan der weiterführenden Schulen steht, sagt Sprachexpertin Heike Uhlig vom Goethe-Institut, sei eine zutiefst pragmatische Entscheidung. Wie groß ist der Aufwand, die Sprache zu erlernen? Wie nützlich ist sie? Wo will ich vielleicht eines Tages arbeiten oder studieren? Es gilt: Sprachen aus wirtschaftlich prosperierenden Ländern sind attraktiver als die von Staaten in einer Dauerkrise. Sprachen des Nachbarlandes werden eher gelernt als exotische Mundarten. Sprachen, die der eigenen ähnlich sind, werden bevorzugt unterrichtet.

  • Das erklärt zum Beispiel, warum Rumänien eine Enklave der Französischlerner ist: Rumänisch ist als einzige Sprache in Osteuropa ein Abkömmling des Lateinischen - wie Französisch.

  • Die Historie spielt in vielen Fällen ebenfalls eine Rolle: Deutsch zum Beispiel ist vor allem populär in vielen Ländern Osteuropas. "Zur Zeit des Kalten Krieges wurde in vielen Staaten neben Russisch die Sprache des 'sozialistischen Bruderstaates', der DDR, gelernt", sagt Uhlig. Das wirkt bis heute nach.

  • Interessant auch: Auffällig häufig lernen griechische Schüler Deutsch - was man angesichts der jüngsten Krisenverstimmungen zwischen den beiden Ländern nicht unbedingt erwarten würde. Hier mag ebenfalls die Geschichte als Erklärung dienen: Otto von Bayern wurde 1832 der erste griechische König - und brachte seine Muttersprache nach Südosteuropa. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen viele Griechen als Gastarbeiter nach Deutschland; auch deswegen ist die Sprache in den Schulen des Landes stark verankert.

  • Russisch spielt in Europas Schulen hingegen kaum eine Rolle - mit Ausnahme des Baltikums, wo in vielen Ländern russische Minderheiten leben.

  • Manches ist dagegen verwunderlich: Spanisch ist als Fremdsprache zwar in vielen Ländern populär, aber in Schweden und Norwegen ist der Spanisch-Anteil unter den Mittelschülern besonders hoch. Vielleicht spielt im hohen Norden die Sehnsucht nach dem Süden eine besondere Rolle?

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