Nach Facebook-Kontrollen Schülerin bekommt 70.000-Dollar-Entschädigung

Darf eine Schülerin für Social-Media-Einträge bestraft werden, die sie in ihrer Freizeit schreibt? Im US-Bundesstaat Minnesota hat ein Mädchen gegen die Facebook-Kontrollen ihrer Lehrer geklagt - nun zahlt die Schule freiwillig einen fünfstelligen Betrag.
Jugendliche mit Laptop: Unzulässige Bestrafungen nach Facebook-Post

Jugendliche mit Laptop: Unzulässige Bestrafungen nach Facebook-Post

Foto: Armin Weigel/ picture alliance / dpa

Alles fing mit einem kleinen Eintrag an. Sie hasse diese "Kathy-Person", die da in der Schulaula Aufsicht geführt hatte, weil sie "gemein" gewesen sei, schrieb eine damals zwölfjährige Schülerin aus dem US-Bundesstaat Minnesota bei Facebook. Ihr Schuldirektor aber las den Beitrag und machte einen Screenshot - woraufhin das Mädchen einen Entschuldigungsbrief schreiben und nachsitzen musste. Damit war die Geschichte aber noch nicht vorbei.

Die Schulleitung bekam wenig später gesteckt, dass das Mädchen mit einem Jungen ebenfalls per Facebook "explizite Nachrichten" austausche, berichtet der US-Fernsehsender CNN . Daraufhin sei sie in einen Raum zitiert worden, dort musste sie ihren Lehrern ihre Passwörter und Zugangsdaten auch zu ihrem E-Mailkonto offenlegen. Damit hat die Schulleitung dann ihre privaten Facebook-Nachrichten durchsucht, obwohl die Schülerin zum Schreiben der Nachrichten nie Schuleigentum benutzt und sie auch in ihrer Freizeit verfasst hatte.

Die Schülerin fühlte sich ungerecht behandelt - und zog mithilfe der Bürgerrechtsbewegung "American Civil Liberties Union" vor Gericht. Die Schule habe mit ihrem Vorgehen das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung und das Recht auf Privatsphäre verletzt, teilten die Anwälte mit. Dies stritt die Schule ab und machte geltend, die Eltern der Schülerin hätten ihr Einverständnis zur Durchsuchung des Accounts gegeben.

Dennoch ist die Schule bereit zu zahlen. Bevor das Gericht ein Urteil aussprechen konnte, einigten sich beide Seiten auf einen Betrag von 70.000 Dollar, umgerechnet knapp 50.800 Euro. Außerdem wolle die Schule ihre Richtlinien zum Umgang mit sozialen Medien überarbeiten, hieß es. Die Schülerin sagte anschließend dem TV-Sender ABC : "Ich bin einfach froh, dass es vorüber ist." Ihr Vertrauen in Erwachsene habe die heute 15-Jährige aber verloren.

vks/dpa
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