Neue Facebook-Regeln Sachsen schränkt Kontakte zwischen Lehrern und Schülern ein

Lehrer in Sachsen haben sich gegen ein komplettes Facebook-Verbot gewehrt, jetzt steht die neue Richtlinie für soziale Medien in Schulen: Spielraum, Facebook für den Unterricht zu nutzen, gibt es dann nicht mehr. Freundschaften bleiben erlaubt.

Facebook an Sachsens Schulen: Diskussionen über Noten oder das Einstellen von Hausaufgaben sind künftig tabu
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Facebook an Sachsens Schulen: Diskussionen über Noten oder das Einstellen von Hausaufgaben sind künftig tabu


Sachsens Kultusministerium hat für das neue Schuljahr eine Richtlinie zum Umgang mit sozialen Medien erlassen. Sie regelt ab September, unter welchen Umständen Lehrer Facebook und "ähnlich ausgerichtete privatwirtschaftliche Unternehmen" zur Kommunikation mit ihren Schülern nutzen dürfen. Viel Spielraum bleibt künftig nicht - obwohl sich der Lehrerhauptpersonalrat erfolgreich gegen ein komplettes Facebook-Verbot gewehrt hatte.

"Ein generelles Verbot der dienstlichen Nutzung sozialer Netzwerke ist weder sinnvoll noch entspricht es den realen Gegebenheiten der heutigen Zeit", hatte der Lehrerverbandsvorsitzende Jens Weichelt Anfang Juli kritisiert. Soziale Netzwerke seien gesellschaftlich akzeptiert und Teil des täglichen Lebens. Aufgabe der Lehrer sei es, die Schüler auf das Leben vorzubereiten.

Das Kultusministerium kippte nun einen umstrittenen Passus der Richtlinie, in dem es hieß, dass aus Datenschutzgründen, der unkalkulierbaren Breitenwirkung sozialer Netzwerke und der Schutzbedürftigkeit minderjähriger Schüler "eine dienstliche Nutzung von sozialen Netzwerken zwischen Lehrern und Schülern nicht zu empfehlen" und deshalb davon abzusehen sei.

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Faktisch ändere die Streichung aber nichts daran, dass Lehrer Facebook ab dem neuen Schuljahr dienstlich nicht mehr zur Kommunikation mit Schülern nutzen können, sagte Dirk Reelfs, Pressesprecher im sächsischen Kultusministerium, SPIEGEL ONLINE.

Kein Schüler darf zu Nutzung von Facebook gezwungen werden

Denn laut Satz eins "entfällt dem Grunde nach die Möglichkeit, dass der Lehrer in Ausübung seines Berufes personenbezogene, aus dem Bereich Schule resultierende Daten über Facebook austauscht". Zudem darf kein Schüler "zur schulischen Nutzung von Facebook gezwungen werden". Fotos von Klassenausflügen, Diskussionen über Noten oder das Einstellen von Hausaufgaben für erkrankte Schüler sind künftig also untersagt. Zur Medienbildung im Unterricht oder aber zur privaten Kommunikation dürfen Lehrer Facebook auch im neuen Schuljahr noch nutzen, so Reelfs.

Eine Umfrage hatte jüngst gezeigt, dass viele Lehrer ohnehin darauf verzichten, mit Schülern über soziale Netzwerke zu kommunizieren. Vier von zehn Pädagogen gaben an, sie dürften das auch gar nicht.

Im vergangenen Jahr war bundesweit darüber debattiert worden, ob Lehrer im Web mit Schülern befreundet sein oder über Facebook ihren Unterricht organisieren dürfen. Einige Länder wie Baden-Württemberg arbeiteten strenge Regeln aus, andere, wie das Saarland oder Hamburg, wollten von einer "Verbotskultur" nichts wissen.

Die Mehrheit der Länder erlaubt die Nutzung sozialer Medien mit Einschränkungen, wie eine Übersicht der Bundeszentrale für politische Bildung zeigt. Am strengsten sind die Richtlinien in Schleswig-Holstein und in Rheinland-Pfalz: Dort ist Facebook im Schulkontext komplett verboten.

sun/dpa



insgesamt 25 Beiträge
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Seite 1
Kiste 23.07.2014
1. Zukunft
Ich freu mich schon auf Ärzte mit Nasenring und Lehrer mit Armtatoo.
georg69 23.07.2014
2.
Ich halte diese Richtline für sehr sinnvoll. Unterricht muss so frei wie möglich bleiben von möglicher Einflussnahme durch Unternehmen oder deren Produkte.
Leser161 23.07.2014
3. Ja? Und?
Man darf *coole Geste* Facebook, nicht für den Unterricht benutzen?! Wie crank!!! (oder was man heute sagt) Jetzt mal ernsthaft, man muss Sachen, bloss weil sie existieren und grad angesagt nicht im Unterricht nutzen. In meiner Jugend war Onlinegaming extrem angesagt und wurde auch nie im Unterricht genutzt. Obwohl man mit Counterstrike sehr viele nützliche Lerninhalte vermitteln könnte.
Leunamlu 23.07.2014
4. Tuff Tuff
Zitat von KisteIch freu mich schon auf Ärzte mit Nasenring und Lehrer mit Armtatoo.
Stimmt, das wäre ja völlig undenkbar und abnormal in unserer Zeit! Bitte mal in den Zug Richtung Gegenwart einsteigen!
austenjane1776 23.07.2014
5. Ist das so schwer?
fb kennt keinen Datenschutz. Schule muss aber Datenschutz machen. Also geht das nicht. Nutzt andere Neztwerke, email-Verteiler oder redet einfach miteinander - Der Dauer-Mitteilungs-Erreichbarkeits-hallo-ich-mache-gerade-was-Blödsinn nervt. Wenn das zum Aufs-Leben-Vorbereiten dazu gehört, dann müssen diese Lehrkräfte neben dem Unterricht auch Führerscheine und Geburten begleiten... Außerdem gibt es viele Leute, die fb bewußt nicht nutzen. Schule muss da neutral sein. Also sein lassen. Oder hochoffiziell via Schulkonferenz und Ausschreibung ein geeignetes Netz einführen. Schule ist Verwaltung und kein Beliebigkeits-Kaffekränzchen. Da müssen die Regeln eingehalten und alle gleich behandelt werden. PS Die ganzen Idioten-Bilder, die viele da seit Jahren oder vor Jahren reingestellt haben, löscht ja keiner. Davor muss man die Leute warnen. Alles kann mal gegen einen verwendet werden - und die NSA speichert sicher alles mit. zB Bilder mit komischen Leuten, komische "fb-Freunde" - keine Einreise in die USA - oder keine Ausreise.... und was die komisch finden, kann sich jederzeit ändern.
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