Neue Facebook-Regeln Sachsen schränkt Kontakte zwischen Lehrern und Schülern ein

Lehrer in Sachsen haben sich gegen ein komplettes Facebook-Verbot gewehrt, jetzt steht die neue Richtlinie für soziale Medien in Schulen: Spielraum, Facebook für den Unterricht zu nutzen, gibt es dann nicht mehr. Freundschaften bleiben erlaubt.
Facebook an Sachsens Schulen: Diskussionen über Noten oder das Einstellen von Hausaufgaben sind künftig tabu

Facebook an Sachsens Schulen: Diskussionen über Noten oder das Einstellen von Hausaufgaben sind künftig tabu

Foto: Z5328 Frederik Wolf/ picture alliance / dpa

Sachsens Kultusministerium hat für das neue Schuljahr eine Richtlinie zum Umgang mit sozialen Medien  erlassen. Sie regelt ab September, unter welchen Umständen Lehrer Facebook und "ähnlich ausgerichtete privatwirtschaftliche Unternehmen" zur Kommunikation mit ihren Schülern nutzen dürfen. Viel Spielraum bleibt künftig nicht - obwohl sich der Lehrerhauptpersonalrat erfolgreich gegen ein komplettes Facebook-Verbot gewehrt hatte.

"Ein generelles Verbot der dienstlichen Nutzung sozialer Netzwerke ist weder sinnvoll noch entspricht es den realen Gegebenheiten der heutigen Zeit", hatte der Lehrerverbandsvorsitzende Jens Weichelt Anfang Juli kritisiert. Soziale Netzwerke seien gesellschaftlich akzeptiert und Teil des täglichen Lebens. Aufgabe der Lehrer sei es, die Schüler auf das Leben vorzubereiten.

Das Kultusministerium kippte nun einen umstrittenen Passus der Richtlinie, in dem es hieß, dass aus Datenschutzgründen, der unkalkulierbaren Breitenwirkung sozialer Netzwerke und der Schutzbedürftigkeit minderjähriger Schüler "eine dienstliche Nutzung von sozialen Netzwerken zwischen Lehrern und Schülern nicht zu empfehlen" und deshalb davon abzusehen sei.

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Faktisch ändere die Streichung aber nichts daran, dass Lehrer Facebook ab dem neuen Schuljahr dienstlich nicht mehr zur Kommunikation mit Schülern nutzen können, sagte Dirk Reelfs, Pressesprecher im sächsischen Kultusministerium, SPIEGEL ONLINE.

Kein Schüler darf zu Nutzung von Facebook gezwungen werden

Denn laut Satz eins "entfällt dem Grunde nach die Möglichkeit, dass der Lehrer in Ausübung seines Berufes personenbezogene, aus dem Bereich Schule resultierende Daten über Facebook austauscht". Zudem darf kein Schüler "zur schulischen Nutzung von Facebook gezwungen werden". Fotos von Klassenausflügen, Diskussionen über Noten oder das Einstellen von Hausaufgaben für erkrankte Schüler sind künftig also untersagt. Zur Medienbildung im Unterricht oder aber zur privaten Kommunikation dürfen Lehrer Facebook auch im neuen Schuljahr noch nutzen, so Reelfs.

Eine Umfrage hatte jüngst gezeigt, dass viele Lehrer ohnehin darauf verzichten, mit Schülern über soziale Netzwerke zu kommunizieren. Vier von zehn Pädagogen gaben an, sie dürften das auch gar nicht.

Im vergangenen Jahr war bundesweit darüber debattiert worden, ob Lehrer im Web mit Schülern befreundet sein oder über Facebook ihren Unterricht organisieren dürfen. Einige Länder wie Baden-Württemberg arbeiteten strenge Regeln aus, andere, wie das Saarland oder Hamburg, wollten von einer "Verbotskultur" nichts wissen.

Die Mehrheit der Länder erlaubt die Nutzung sozialer Medien mit Einschränkungen, wie eine Übersicht der Bundeszentrale für politische Bildung  zeigt. Am strengsten sind die Richtlinien in Schleswig-Holstein und in Rheinland-Pfalz: Dort ist Facebook im Schulkontext komplett verboten.

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sun/dpa