Fahrzeugtechnik in echt Rechnen, schrauben, um die Wette rasen

Kirsten Bachmanns Leidenschaft ist ihr Motorrad. Deshalb entschied sich die 22-Jährige für ein Studium der Fahrzeugtechnik an der FH Köln - als eine von nur fünf Frauen in ihrem Jahrgang. Dort lernt sie nicht nur Autos bauen, sondern auch Rennen fahren.


"Man muss schon ein echtes Interesse an Autos, Motorrädern oder anderen Fahrzeugen haben – aber dann ist das alles nicht so schwer. Und als Frau hat man es manchmal sogar leichter. Schließlich wird von Männern erwartet, dass sie sich mit Autos auskennen, von Frauen nicht unbedingt. Das bedeutet für mich erst einmal weniger Druck. Und dumme Sprüche musste ich mir bisher kaum anhören, obwohl unter 120 Studenten in unserem Jahrgang an der FH Köln nur fünf Mädchen eingeschrieben sind.

Kirsten Bachmann (auf der Essen Motor Show): Frau mit Faible für Motorsport

Kirsten Bachmann (auf der Essen Motor Show): Frau mit Faible für Motorsport

Manche Leute denken, wir bauen den ganzen Tag Autos. Aber das Studium ist viel theoretischer: Wir lernen zunächst zu berechnen, ob das überhaupt halten würde. Dazu gibt es Übungen in Physik, Werkstoffkunde oder Konstruktionslehre. Wir arbeiten mit Simulationsprogrammen und machen statische Versuche.

Das Grundstudium Fahrzeugtechnik ist dem des Maschinenbaus sehr ähnlich: Mathe, Physik, Mechanik, Elektrotechnik. Im Hauptstudium wird es dann spezifischer: Es geht um Antriebe, Karosserie, Kolbenmaschinen und Computerprogramme, die speziell auf das Konstruieren von Fahrzeugen ausgelegt sind. Dabei muss man ziemlich viel Stoff auswendig lernen. Aber das Ganze dann praktisch anzuwenden, ist spannend.

Wer vor dem Studium noch keine Ausbildung hat, muss zwei Praktika machen. Ich habe mich direkt nach dem Abi für Fahrzeugbau eingeschrieben und deshalb im Grundstudium ein Fach- und ein Hauptpraktikum gemacht. Erst verbrachte ich drei Monate in einer Metall verarbeitenden Firma, wo ich leider wenig gelernt habe. Aber dann in den drei Monaten in einer kleinen KfZ-Werkstatt durfte ich nicht nur zugucken, sondern lackieren und die Autos und Motorräder auch mal selber auseinander nehmen, um zu gucken, wie sie funktionieren.

Als nächstes kommt bei mir das Praxissemester. Ich bewerbe mich gerade für den Bereich Motorsport. An der Fachhochschule habe ich unseren Motorsportverein mit gegründet, wo ich nun die Formula Student leite. Dort geht es darum, einen Prototyp zu entwickeln, also um Konstruktion, Entwicklung und den Bau eines kleinen Rennwagens.

Nebenher sind wir im Verein bei der Langstreckenmeisterschaft mitgefahren. Ich war bei den Rennen dabei und hab gemacht, was sonst noch dazu gehört, zum Beispiel Sponsoring organisieren und PR-Arbeit. Inzwischen gehen auch Leute aus anderen Studiengängen bei uns an den Start, Elektrotechniker, Wirtschaftsingenieure und Designer.

Nach meinem Studium möchte ich mich auch beruflich dem Motorsport widmen. Noch weiß ich nicht, was mich mehr interessiert - Motor, Karosserie oder Fahrwerk. Mit dem Abschluss könnte man auch Unfallgutachter werden oder beim TÜV arbeiten. Doch das Sachverständigenwesen ist mir zu langweilig."

Aufgezeichnet von Sandra Voglreiter



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