Leben und Lernen

Anzeige

Europawahlkampf

FDP will Schüleraustausch für alle

Alle Schüler sollten in einem anderen EU-Land in die Schule gehen können - unabhängig vom Einkommen der Eltern, für mindestens ein halbes Jahr. Mit dieser Forderung zieht die FDP in den Europawahlkampf.

AFP

FDP-Spitzenkandidatin Nicola Beer

Samstag, 15.12.2018   09:33 Uhr

Anzeige

Ein Schüleraustausch ist eine lehrreiche Erfahrung: fremde Sprache, neue Mitschüler, unbekannte Umgebung. Bislang machten jedoch hauptsächlich Gymnasiasten diese Erfahrung, sagt Nicola Beer, die Spitzenkandidatin der FDP für die Europawahl Ende Mai.

Geht es nach dem Willen ihrer Partei, sollen in Zukunft alle Schüler für mindestens sechs Monate in einem anderen EU-Staat in die Schule gehen können - unabhängig von Schulform und Einkommen der Eltern. So steht es in einem Entwurf des FDP-Europawahlprogramms, den der Bundesvorstand vor Kurzem gebilligt hat.

Anzeige

"Wir wollen gerade die breite Masse der Schülerinnen und Schüler, auch die in den Haupt- und Realschulen sowie Berufsschulen, erreichen", sagte Beer der Nachrichtenagentur dpa. "Sich mal in einem komplett anderen Umfeld zu bewegen, die Kultur vor Ort kennenzulernen, zu schmecken, zu riechen, anzufassen, eine Sprachdusche zu nehmen. Das trägt zur Bewusstseinsbildung bei."

Finanzielle Unterstützung für den Austausch soll nach dem FDP-Entwurf aus dem EU-Haushalt kommen. "Wir wollen mehr Geld für Programme wie Erasmus+, und das auch auf Schüler ausweiten", sagte Beer. "Überhaupt wollen wir im EU-Haushalt ja umschichten in Richtung Bildung und Innovation." Dafür will die Partei den Agrarhaushalt verkleinern und an den Subventionen für Bauern sparen.

Anzeige

Erasmus+ ist ein Programm zur Förderung allgemeiner und beruflicher Bildung innerhalb der Europäischen Union. Bis 2020 stehen 14,7 Milliarden Euro bereit, um es EU-Bürgern zu ermöglichen, im Ausland zu studieren, sich weiterzubilden, Berufserfahrung zu sammeln oder Freiwilligenarbeit zu leisten.

Bisher war die FDP eher mit EU-kritischen Tönen aufgefallen. Die Nominierung der 48-jährigen Juristin Beer als Spitzenkandidatin für die Europawahl ist der Versuch, der Partei ein europafreundlicheres Image zu verpassen. Beer ist seit 2013 Generalsekretärin der FDP und war zuvor Kultusministerin und von 2009 bis 2012 Europa-Staatssekretärin in Hessen. Als ihre politischen Schwerpunkte nennt sie unter anderem Bildung, Europa und Digitalisierung. Die FDP strebt zur Europawahl eine Zusammenarbeit mit der Partei des französischen Präsidenten Emmanuel Macron, En Marche, an.

Europäisches Bewerbungsportal

Um den Weg ins europäische Ausland zu erleichtern, möchte die FDP auch die Anerkennung dort absolvierter Lerninhalte erleichtern. Zwar würden Abschlüsse anerkannt, "aber für Eltern gibt es große Unsicherheiten, wenn es um die Anerkennung der Lernleistung ihrer Kinder in anderen EU-Ländern geht, wenn sie während der Schulzeit oder sogar mitten im Schuljahr wechseln", so Beer. Hierfür schlägt die FDP Vergleichswerte vor, die eine Anerkennung erleichtern.

Von dieser "Bildungsfreizügigkeit" sollen in Zukunft auch Auszubildende profitieren, indem Auslandstationen im Rahmen der beruflichen Ausbildung in Deutschland anerkannt werden. Außerdem soll eine Europäische Ausbildungsagentur freie Plätze in anderen Staaten vermitteln. Ein Studium im Ausland soll laut FDP-Wahlprogramm durch ein "europäisches Online-Bewerbungsportal" leichter werden.

Gleichzeitig macht sich die FDP für eine Förderung von Sprachkenntnissen von der Kita bis ins hohe Alter stark. "Wir werben dafür, dass die EU-Staaten mehr Wert darauf legen, dass jedes Kind zwei Fremdsprachen lernt", sagte Beer. "Bei uns in Deutschland sind wir auf einem guten Weg. Viele Schulen bieten das schon an." Neben Englisch sollte das nach den Vorstellungen ihrer Partei die Sprache eines Nachbarlands sein.

löw/dpa

Weitere Artikel

Forum

Forumskommentare zu diesem Artikel lesen
Anzeige
© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung