Europawahlkampf FDP will Schüleraustausch für alle

Alle Schüler sollten in einem anderen EU-Land in die Schule gehen können - unabhängig vom Einkommen der Eltern, für mindestens ein halbes Jahr. Mit dieser Forderung zieht die FDP in den Europawahlkampf.

FDP-Spitzenkandidatin Nicola Beer
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FDP-Spitzenkandidatin Nicola Beer


Ein Schüleraustausch ist eine lehrreiche Erfahrung: fremde Sprache, neue Mitschüler, unbekannte Umgebung. Bislang machten jedoch hauptsächlich Gymnasiasten diese Erfahrung, sagt Nicola Beer, die Spitzenkandidatin der FDP für die Europawahl Ende Mai.

Geht es nach dem Willen ihrer Partei, sollen in Zukunft alle Schüler für mindestens sechs Monate in einem anderen EU-Staat in die Schule gehen können - unabhängig von Schulform und Einkommen der Eltern. So steht es in einem Entwurf des FDP-Europawahlprogramms, den der Bundesvorstand vor Kurzem gebilligt hat.

"Wir wollen gerade die breite Masse der Schülerinnen und Schüler, auch die in den Haupt- und Realschulen sowie Berufsschulen, erreichen", sagte Beer der Nachrichtenagentur dpa. "Sich mal in einem komplett anderen Umfeld zu bewegen, die Kultur vor Ort kennenzulernen, zu schmecken, zu riechen, anzufassen, eine Sprachdusche zu nehmen. Das trägt zur Bewusstseinsbildung bei."

Finanzielle Unterstützung für den Austausch soll nach dem FDP-Entwurf aus dem EU-Haushalt kommen. "Wir wollen mehr Geld für Programme wie Erasmus+, und das auch auf Schüler ausweiten", sagte Beer. "Überhaupt wollen wir im EU-Haushalt ja umschichten in Richtung Bildung und Innovation." Dafür will die Partei den Agrarhaushalt verkleinern und an den Subventionen für Bauern sparen.

Erasmus+ ist ein Programm zur Förderung allgemeiner und beruflicher Bildung innerhalb der Europäischen Union. Bis 2020 stehen 14,7 Milliarden Euro bereit, um es EU-Bürgern zu ermöglichen, im Ausland zu studieren, sich weiterzubilden, Berufserfahrung zu sammeln oder Freiwilligenarbeit zu leisten.

Bisher war die FDP eher mit EU-kritischen Tönen aufgefallen. Die Nominierung der 48-jährigen Juristin Beer als Spitzenkandidatin für die Europawahl ist der Versuch, der Partei ein europafreundlicheres Image zu verpassen. Beer ist seit 2013 Generalsekretärin der FDP und war zuvor Kultusministerin und von 2009 bis 2012 Europa-Staatssekretärin in Hessen. Als ihre politischen Schwerpunkte nennt sie unter anderem Bildung, Europa und Digitalisierung. Die FDP strebt zur Europawahl eine Zusammenarbeit mit der Partei des französischen Präsidenten Emmanuel Macron, En Marche, an.

Europäisches Bewerbungsportal

Um den Weg ins europäische Ausland zu erleichtern, möchte die FDP auch die Anerkennung dort absolvierter Lerninhalte erleichtern. Zwar würden Abschlüsse anerkannt, "aber für Eltern gibt es große Unsicherheiten, wenn es um die Anerkennung der Lernleistung ihrer Kinder in anderen EU-Ländern geht, wenn sie während der Schulzeit oder sogar mitten im Schuljahr wechseln", so Beer. Hierfür schlägt die FDP Vergleichswerte vor, die eine Anerkennung erleichtern.

Von dieser "Bildungsfreizügigkeit" sollen in Zukunft auch Auszubildende profitieren, indem Auslandstationen im Rahmen der beruflichen Ausbildung in Deutschland anerkannt werden. Außerdem soll eine Europäische Ausbildungsagentur freie Plätze in anderen Staaten vermitteln. Ein Studium im Ausland soll laut FDP-Wahlprogramm durch ein "europäisches Online-Bewerbungsportal" leichter werden.

Gleichzeitig macht sich die FDP für eine Förderung von Sprachkenntnissen von der Kita bis ins hohe Alter stark. "Wir werben dafür, dass die EU-Staaten mehr Wert darauf legen, dass jedes Kind zwei Fremdsprachen lernt", sagte Beer. "Bei uns in Deutschland sind wir auf einem guten Weg. Viele Schulen bieten das schon an." Neben Englisch sollte das nach den Vorstellungen ihrer Partei die Sprache eines Nachbarlands sein.

löw/dpa



insgesamt 45 Beiträge
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klartext2 15.12.2018
1. Ein verpflichtendes
soziales Jahr wäre sinnvoller. Aber was und wen interessieren bspw. die Alten in den Pflegeheimen? Es zählt nur "ich, ich, ich"
kenterziege 15.12.2018
2. Das ist die erste gute Forderung der FDP...
Ein großflächiger EU-weiter Schüleraustausch finanziert aus eingesparten Geldern der überbordenden Agrarsubventionen. Das hätte man schon vor 30 Jahren beginnen müssen.
hausfeen 15.12.2018
3. Das kommt ja reichlich spät.
Und ein halbes Jahr ist zu wenig. Ein ganzes sollte es schon sien. Auch im Bereich soziales Jahr waäre so ein Austausch eine tolle Sache. Fast wäre ich schon für ein verpflichtendes Jahr. Da wurde echt was verpennt. WIe schon beim Tam-Tam um das Interrail-Ticket. Das könnte die eurpäische Identität fördern und hilft bei Sprachkenntnissen. Hey, jetzt wo GB geht, würden sich die Schüler mit Englisch als Hauptfach auf Irland und Malta stürzen.
xireney 15.12.2018
4. Nicht verkehrt, aber unausgegoren
Die Idee mit dem Halbjahr im EU-Ausland ist nicht schlecht, da ein Blick in andere Länder den Horizont tatsächlich erweitert. einschränkung allerdings: 1. Die Wunschziele der meisten Schüler kann man sich dann aber schon denken: Sonne, Strand, Süden, hip und cool, chillig. Also: 1. Barcelona, 2. Costa del X, 3. Südfrankreich, 4.Italien. Evtl. Noch ein paar in Nl, Schweden. Wo man dann als eu-subventionierter Tourist hauptsächlich mit gleichsprachigen abhängt und mit 15/16j ganz stolz bilder von der costa del sol auf instagram absetzt... #besttimeofmylife Dann besser eine Art zufallsziel/begrenzte Auswahl wie bei USA Highschool Aufwnthalten. Denn mal 6 Monate Schule und Leben in Burgos, timisoara, polnische Kleinstadt an der Grenze zu Russland, oder in der finnischen Landschaft ohne nur Smartphone, Instagtam etc... Das wäre eine prägende Erfahrung und würde das Verständnis für andere EU- Länder, deren Probleme behelfen. 2.Azubis... Wer verdient dann wieviel? Der deutsche azubi 6 monate rumänisches gehalt??
glutamat 15.12.2018
5. Das wäre ein Schritt zu einer besseren Gesellschaft
Ich bin beileibe kein Freund der FDP aber diese Idee kursierte schon seit Jahren in unserem Freundeskreis. Ich bin begeistert das es mal Jemand aufgegriffen hat. Gerade in Zeiten des aufkommenden Fremdenhasses kann es eine sehr bereinigende Erfahrung sein, selbst einmal der Fremde gewesen zu sein. Unablässlich für eine weltoffene Gesellschaft und ein wichtige Immunkur gegen Rechtspopulismus. Ich bin sowas von dafür!
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