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Hypes: "Mama, Papa, ich will das haben"

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Fidget Spinners Ich glaub, mein Finger kreiselt

Sie sehen aus wie eine Kreuzung aus Propeller und Ninja-Wurfstern: Fidget Spinners sind weltweit auf Schulhöfen der Hit. Sie schütteln jetzt den Kopf? Dann schauen Sie sich mal die schlimmsten Trends der letzten 30 Jahre an.

Wer cool war, hatte einen Vogel. Oder grünen zähen Schleim. Oder ein Äffchen mit Nuckeldaumen. Wer jemals eine Schule besucht hat, kennt das Phänomen: Es gibt da auf einmal dieses eine, megatolle Ding, keiner weiß, woher es kommt, aber eines ist sofort klar: Das muss man haben! Jetzt! Sofort!

Geschäfte können gar nicht genug Nachschub besorgen, Eltern verzweifeln, Lehrer schimpfen: Jede Schülergeneration hat ihr eigenes Trendspielzeug. Und aktuell heißt es Fidget Spinner.

Die flachen Kreisel sind etwa handtellergroß und sehen aus wie eine Kreuzung aus Propeller, Ninja-Wurfstern und Ersatzteil aus der Eisenwarenabteilung im Baumarkt. Einmal angeschubst, drehen sie sich irre schnell. Manche erzeugen dabei Muster, blitzen auf oder leuchten im Dunkeln. Zehn bis 20 Sekunden zwirbelt ein Spinner für gewöhnlich - vorausgesetzt, man schafft es, ihn so lange auf der Fingerkuppe zu balancieren.

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Hinter den Fidget Spinners steht kein großer Spielehersteller. Niemand weiß, wie und wo genau der Hype begann. Erfunden haben soll die Mini-Drehscheibe in den Achtzigerjahren Catherine Hettinger, eine US-Amerikanerin, die ein Patent für ein Spielzeug anmeldete - das aber ganz anders aussieht als die aktuellen Fidget Spinners.

Zwei Patentexperten, die vom US-Newsportal Bloomberg beauftragt wurden, zweifeln daran, dass Hettinger die Erfinderin ist . Sie selbst sagte Bloomberg, ein Eintrag auf Wikipedia habe sie zur Erfinderin erklärt. Sie habe zunächst gedacht, Freunde von ihr hätten den Eintrag verfasst, auf Nachfrage habe das aber niemand bestätigt. Ob ihr Spielzeug als Vorläufer gelten könne, müssten Patentanwälte klären. So oder so sei ihr Patent aber längst abgelaufen.

Fest steht: Die Beliebtheit des Spielzeugs "geht durch die Decke", wie Adrienne Appell, Sprecherin des US-Spielzeugverbands Toy Association sagt. Firmen in China produzieren die Fidget Spinners so schnell sie können. Der Spielwarenkonzern Toys 'R' Us lässt sie mittlerweile in die USA einfliegen, weil der Transport per Schiff zu lange dauert.

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Hypes: "Mama, Papa, ich will das haben"

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Schulen in den US-Staaten Massachusetts, Connecticut, Florida und Indiana haben Fidget Spinners bereits aus den Klassenzimmern verbannt. An der Swanson Middle School in Arlington dürfen Schüler sie allerdings im Unterricht benutzen, wenn ihre Eltern dies schriftlich erlauben - mit dem Verweis darauf, dass sie sich dann besser konzentrieren können.

Ob das Spielzeug tatsächlich beim Konzentrieren hilft, ist umstritten. Auf Kinder mit einer Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) oder Autismus wirke es beruhigend, heißt es. Wissenschaftlich nachgewiesen ist das aber nicht. Judith Falaro, Professorin für Sonderpädagogik an der Quinnipiac University in Connecticut, hält diese Form des Marketings für "ungerecht".

Allerdings: Auch viele Erwachsene sind davon überzeugt, dass sie sich besser konzentrieren können, wenn sie an etwas herumfriemeln. Sie verbiegen Büroklammern, reiben Magnete aneinander, brechen die Clips von Stiften ab.

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Vielleicht schaffen die Fidget Spinners also den Einzug in deutsche Büros? Ihr Schicksal in Schulen ist jedenfalls schon klar: Sie werden genauso verschwinden wie Diddl-Mäuse, Schnullerketten und Slime.

An welche Trends aus Ihrer Schulzeit erinnern Sie sich noch? Besitzen Sie vielleicht sogar noch ein altes In-Spielzeug? Wir freuen uns, wenn Sie uns ein Bild davon per E-Mail  schicken.

vet/koe/dpa