Film-Verteilaktion DVU buhlt um Hamburger Schüler

Erst verteilt die NPD Schulhof-CDs, dann ihre Pseudo-Schülerzeitung, jetzt macht die DVU es ihr nach. Für die Schüler in Hamburg haben die Rechtsextremen kurz vor der Bürgerschaftswahl einen Film gedreht, den sie vor den Schultoren an die Jugendlichen verschenken.


Die rechtsextremen Parteien haben einen neuen Lieblingsplatz für ihren Wahlkampf entdeckt: den Schulhof. Die Deutsche Volks-Union (DVU) hat nun in Hamburg begonnen, Partei-DVDs vor Schulen zu verteilen. Sie möchte nach eigenen Angaben Berufsschüler und Gymnasiasten dazu bewegen, bei der Hamburger Bürgerschaftswahl am 24. Februar DVU zu wählen.

DVU-Film "Tatort Hamburg": fünf Minuten Propaganda für Schüler

DVU-Film "Tatort Hamburg": fünf Minuten Propaganda für Schüler

Auf der DVD können die Schüler sich einen fünfminütigen Film ansehen, in dem Spitzenkandidat Matthias Faust sich an besonderen Orten im Hamburger Stadtgebiet vor eine Kamera stellt und erzählt, was hier und dort so alles "Schlimmes" passiert. "Tatort Hamburg - die DVU ermittelt" heißt der Film.

Vor dem NDR-Funkhaus hält Faust eine Lobrede auf die Moderatorin Eva Herman, die der NDR vor die Tür setzte, weil sie sich über die Wertschätzung der Mütter und Familien auch im Nationalsozialismus und über die Abschaffung solcher Werte in der 68er Bewegung ausgelassen hatte.

"Michel statt Moschee"

Auf der Reeperbahn erzählt Faust von Überfällen durch "multikulturelle" Jugendbanden. Vor der Großen Moschee an der Hamburger Alster sagt er: "Michel statt Moschee". Und so weiter: Vor dem Hauptbahnhof geißelt er die Privatisierung der Bahn, vor einer Schule fordert er den Abbruch des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan fordert – und redet damit über Themen, die mit der Hamburg-Wahl nichts mehr zu tun haben.

In zwei weiteren Spots auf der DVD loben die Rechtsextremisten noch einmal die familienpolitischen Ansichten Eva Hermans. Die Partei wollte für sie schon mal eine Demonstration auf dem Hamburger Rathausmarkt organisieren, auch einen Listenplatz stellte sie Herman in Aussicht.

Die DVD reiht sich ein in die Strategie der Rechten, Schüler zum Ziel ihrer Propaganda zu machen. Bereits im September 2005 begann die NPD vor allem in ostdeutschen Bundesländern damit, auf Schulhöfen CDs mit Rechtsrock zu verteilen. Im Herbst letzten Jahres versuchte es wiederum die NPD mit einer Pseudo-Schülerzeitung, deren Verteilung gestoppt wurde. Mittlerweile steht das Blatt auf dem Index.

Jeden Tag zwei Schulen schaffen

Erst vor wenigen Tagen war die DVU vom Landeswahlleiter in Hamburg zur Wahl zugelassen worden. Die Schulbehörde hat bereits alle Schulen über die Aktion informiert, zu verbieten ist sie nicht: Da die DVU keine verbotene Partei ist und sich vor die Schultore und damit auf öffentlichen Grund stellt, können Schulleitung und Polizei nicht eingreifen.

Viele Abnehmer dürfte die DVD allerdings nicht finden: Die nach Einschätzung von Verfassungsschützern schlecht organisierte Partei will vor zwei Schulen täglich morgens und mittags im Einsatz sein. Ob sie das überhaupt schafft, ist fraglich. Allein in Hamburg gibt es 70 Gymnasien und 50 Berufsschulen.

per, maf

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