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Nachwuchsforscher: Mädchenförderung? Nein, danke

Foto: Uli Ries

Jungforscher-Wettbewerb "Ein Wahnsinn, hier zu gewinnen"

Woher kommen die klügsten Köpfe? Immer im Mai trifft sich die globale Jungforscher-Elite zum Schaulaufen in den USA. Aus deutscher Sicht war es ein Doppelerfolg, dank eines 50.000-Euro-Hauptpreises und weiblicher Rekordbeteiligung.

Am Ende stahl den Mädchen dann doch ein Junge die Show: Der 15-jährige Lennart Kleinwort aus Würzburg räumte bei der Jungforscher-WM Intel Isef 2014 in Los Angeles einen der mit 50.000 Dollar dotierten Hauptpreise ab. Das hatten vor ihm erst zwei deutsche Schüler geschafft.

Lennart hatte eine Mathematik-App entwickelt, die unter anderem geometrische Figuren darstellen hilft. Beschleunigt von der Freude seines Erfolges hastete er mit wehendem Sakko nach vorn zur riesigen Bühne.

Auch die 17-jährige Carlotta Pribbenow war wie rund 1800 andere Jungforscher aus mehr als 70 Ländern nach Los Angeles gereist, um ihr Projekt einer Fach-Jury zu präsentieren. Gemeinsam mit Elena Häring, 18, trat Carlotta im Fachbereich Biologie an, ihr Forschungsprojekt: Gesundheitsgefährdung durch das falsche Lagern von Pilzen. Anders als Kleinwort gingen die beiden allerdings leer aus.

Sie freue sich natürlich total für Lennart, sagt Carlotta. "Ist doch ein Wahnsinn, hier einen Hauptpreis zu gewinnen." Natürlich wäre es toll gewesen, wenn sie selbst ausgezeichnet worden wären. "Aber es war ja schon Preis genug, dass ich hier dabei sein konnte", sagt sie. Dabei hat ihre deutsche Forscherkollegin Theresa Zeisner, 17, aus Bremen immerhin einen Sonderpreis in Höhe von 1200 Dollar erhalten, ihre Röntgenbeugungsanalyse gewährt einen Blick ins Innere von atomaren Strukturen.

Schülerinnen lehnen Geschlechterbonus ab

Die Jungforscher-WM ist so etwas wie die Vollversammlung des internationalen Forschungsnachwuchses, veranstaltetet von der gemeinnützige Stiftung des Chipherstellers Intel. Deutschland schickt seit Jahren Teilnehmer des Bundeswettbewerbs von "Jugend forscht" zum Isef-Finale. Aber so viele Mädchen wie in diesem Jahr sind noch nie zur Forscher-WM gereist: Sie stellen ein Drittel der deutschen Teams. Damit liegt Deutschland auf dem gleichen Niveau wie viele andere Staaten: Im Schnitt bestehen die Teams aus Europa, dem Mittleren Osten und Afrika zu einem Drittel aus Mädchen.

Beim hiesigen Auswahlverfahren gebe es keinen Geschlechterbonus, heißt es aus dem Umfeld von "Jugend forscht". Wer es in Deutschland ins Bundesfinale schafft, ist damit theoretisch für die Isef qualifiziert. Fahren darf, wer ein attraktives Projekt hat. Die deutschen Isef-Finalistinnen wollen von einer Bevorzugung sowieso nichts wissen. Sie sagen: Wenn Mädchen und Frauen in den Naturwissenschaften genauso viel leisten wie Jungs und Männer, dann sollen sie auch genauso gefördert werden. Wenn nicht, dann eben nicht.

Die Schülerinnen finden ohnehin: Es werde viel zu viel über das Thema "Geschlechterdifferenz" gesprochen. Eine der Mädchen sagt, Naturwissenschaften müssten an Schulen generell mehr gefördert werden. Es bringe nichts immer nur darüber zu sprechen, dass Mädchen sich nicht für die Themen interessieren. So erzählt ein Jungforscher, sein Lehrer habe ihre Abwesenheit durch Jugend-forscht-Wettbewerbe mit den Worten kommentiert: "Na, geht's wieder zu Jugend schwänzt?" Solange die Relevanz von Mint-Fächern, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik, nicht allgemein anerkannt sei, sagen die Schülerinnen, brauche man auch nicht intensiv über die Förderung von Mädchen zu diskutieren.

Die hört die Leiterin der Intel Foundation, Wendy Hawkins, gern. Sie sagt, Mädchen und auch Jungen benötigten heute unbedingt ein naturwissenschaftliches Grundverständnis. Andernfalls würden sie sich in der modernen Welt nicht zurechtfinden. Ihr liegt die Förderung von weiblichen Talenten seit jeher am Herzen: Viele von der Stiftung unterstützten Programme bevorzugten schon seit mehr als 15 Jahren Mädchen, sagt Hawkins. Davon profitiere letztlich auch die Gesellschaft. Denn: "Wenn Mädchen und Frauen forschen, dann lösen sie oft Probleme, die uns alle betreffen. Sie wollen die Welt also ein bisschen besser machen." Jungen und Männer lösen Probleme ihrer Ansicht nach hingegen oftmals um der Problemlösung willen.

Ob aus den vier deutschen Jungforscherinnen später Wissenschaftsprofis werden, ist natürlich offen. Motiviert genug sind sie auf jeden Fall. Carlotta und Elena tüfteln bereits an einem Nachfolgeprojekt - und träumen davon, es im kommenden Jahr aufs Treppchen zu schaffen.

"Ich will, dass ihr Mädchen mehr Spaß haben lasst"

Arbeiten, Abenteuer erleben, sogar mit Haien schwimmen: Warum dürfen das beim dänischen Plastikspielzeug Lego nur die Jungen, während Mädchen einkaufen und rumsitzen, wollte Charlotte, 7, wissen - und schrieb einen bösen Brief an den Hersteller. 

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels hieß es, Lennart Kleinwort sei der erste deutsche Schüler, der einen Hauptpreis bei der Intel Isef gewonnen hat. Tatsächlich haben ihn schon vor ihm zwei deutsche Schüler erhalten. Wir haben den Fehler korrigiert.

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