Frankfurter Ausstellung Die Jugend von heute

Zwischen Hardcore und Hip Hop, von Gothic bis Graffiti: Eine Frankfurter Ausstellung zeigt, wie Künstler Jugendliche sehen. Ergebnis: Es gibt keine Jugendbewegung mehr - nur noch Teile von ihr. Die sind dafür umso bunter.


Es gibt Girlies und Greaser, Hooligans und Rapper, Raver, Streetballer und Trainsurfer, frühreife Models und Mittdreißiger, die sich spätpubertäre Scherze erlauben. Wer blickt da noch durch? Die Frankfurter Kunsthalle Schirn möchte aufklären: "Die Jugend von heute" heißt eine Ausstellung, die die widersprüchlichen Lebenswelten von Jugendlichen darzustellen versucht und heute eröffnet wird.

Viele der gezeigten Werke stammen von Künstlern, die gerade Anfang 20 sind und die zum ersten Mal in einer großen Ausstellung ihre Arbeiten präsentieren. Daneben sind auch Arbeiten von bekannten Künstlern wie der Britin Tracey Emin oder Rita Ackermann aus New York vertreten, die sich mit der Geschichte und Aktualität von Jugendkulturen auseinandersetzen.

Schon vor zwei Jahren hatte Schirn-Direktor Max Hollein die Idee für die Ausstellung bekommen, als er in Ateliers beobachtete, dass sich zeitgenössische Künstler intensiv mit dem Thema Jugend auseinander setzten. Die Kunst schien vorwegzunehmen, was die Politik erst zwei Jahre später diskutieren würde. In den vergangenen anderthalb Jahren hat die Schirn 160 Installationen, Foto- und Videoarbeiten, Zeichnungen und Gemälde zusammengetragen oder eigens für die Ausstellung anfertigen lassen.

Und was bringt das Ganze? Was die Jugend von heute ist und was sie bewegt, kann auch in Frankfurt kein Künstler beantworten. Eine große Jugendbewegung, wie sie etwa von den 68ern ausgelöst wurde, gibt es nicht mehr. Stattdessen ist die Vielfalt der Szenen und Stile, die sich fortwährend verändern, schier unübersehbar. Und zwischen den einzelnen Stilen lässt sich außerdem leicht hin- und herpendeln. Jugendliche verbindet offenbar nur noch eines: Sie sind jung.

Und auch das nicht mehr lange, so die Prognose der Ausstellungsmacher. Der Rebell von morgen, so heißt es im Katalog, sei der junge Mensch, der auf keinen Fall typisch jugendlich erscheinen wolle: "Old is the new young." Während nämlich Eltern peinlich lange Berufsjugendliche bleiben und der hippen Mutti die Kleinen schon zu spießig sind, schafft sich die nächste Jugendgeneration selbst ab.

Noch aber gibt's exzessives Clubbing und wilde Konzerte, die in Installationen zu sehen sind, auf Fotos üben junge Menschen coole Posen und präsentieren ihre Frisuren und Mützen wie Stammeszeichen. Die Künstler folgen den Mädchen in die Umkleidekabine und fahren Skateboard mit den Jungen. Und in Videos stellen Jugendliche sich dem großen Casting fürs Leben. Viel gelacht wird dabei nicht.

cpa/ap/ddp


Die Ausstellung läuft noch bis zum 25. Juni in der Schirn Kunsthalle, Römerberg, Frankfurt am Main.



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