Französische Schule Lehrer-Ohrfeige kostet 500 Euro Strafe

Weil sein Schüler Alexandre, 11, ihn "Arschloch" nannte, gab Lehrer José Laboureur ihm eine Backpfeife. Kollegen, Eltern und Politiker waren entrüstet - über den Schüler. Sogar Frankreichs Premierminister äußerte Verständnis für den Lehrer, der jetzt milde Richter fand.

José Laboureur, 49, ist Lehrer und hat einen Schüler geschlagen. Er gibt das auch zu, und in vielen Ländern hätte er jetzt womöglich seinen Job verloren. In Frankreich nicht. Am Mittwoch hat ein Gericht im nordfranzösischen Avesnes-sur-Helpe ihn wegen "schwerwiegender Gewalt" zu einer Geldstrafe von 500 Euro verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte 800 Euro gefordert, laut Gesetz hätte er sogar zu bis zu 75.000 Euro Strafe verurteilt werden können - oder zu bis zu fünf Jahren Haft.

Die Geschichte von José Laboureur hatte landesweit für großes Aufsehen gesorgt: Fernsehteams belagerten die Schule, Lehrergewerkschaften protestierten gegen das Gerichtsverfahren mit einer Petition, die 26.000 Menschen unterschrieben. Selbst der französische Regierungschef François Fillon äußerte sein Verständnis für den Lehrer: "Ja, ich unterstütze diesen Lehrer" - im Unterricht bräuchten Pädagogen "ein wenig Disziplin und ein wenig Respekt". Es sei aber "nie eine gute Lösung", einen Schüler zu ohrfeigen, sagte der Premier.

Das war passiert: In Berlaimont unterrichtete José Laboureur im Januar eine Klasse, mit dem elfjährigen Schüler Alexandre geriet er aneinander: Er bat ihn, mehrere Gegenstände vom Tisch zu nehmen, der Junge wollte nicht auf ihn hören. Daraufhin wischte der Lehrer die Sachen des Schülers vom Tisch.

"Arschloch!" - da setzte es Prügel

Der französischen Zeitung "Le Monde" sagte der Lehrer, Alexandre habe daraufhin verächtlich und menschenverachtend gelacht. Danach hat der Lehrer das Kind laut Anklage gegen die Wand gedrückt. Der Schüler beschimpfte seinen Lehrer als "Arschloch", woraufhin der 49-Jährige ihn ohrfeigte.

Wegen der Beleidigung wurde Alexandre drei Tage der Schule verwiesen. Der Vater des Elfjährigen, ein Polizist, zeigte José Laboureur an. Er sorgte dafür, dass der Lehrer vorgeladen, vernommen und für 24 Stunden unter Arrest gestellt wurde.

Der Lehrer hat die Tat nie bestritten: Er sagte vor Gericht, es sei das erste Mal in 29 Berufsjahren, dass sich ein Schüler so betragen habe. Daraufhin habe er wie ein Familienvater gehandelt. Die Ohrfeige sei eine spontane Reaktion gewesen.

Laboureur schwamm danach geradezu auf einer Sympathiewelle, vor allem andere Lehrer bekundeten ihre Solidarität. In Frankreich sind körperliche Strafen auch in Familien noch weit verbreitet. In einer im Dezember vergangenen Jahres veröffentlichten Umfrage der Europäischen Familienunion (UFE) gaben neun von zehn Eltern an, ihr Kind bisweilen geschlagen zu haben. Mehr als die Hälfte der Franzosen ist demnach dagegen, dass die körperliche Züchtigung verboten wird.

maf/AFP

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