Klimawandel-Proteste ohne Erwachsene Auch Eltern müssen auf die Straße

Von Nick Heubeck
Von Nick Heubeck
Während ihre Kinder für mehr Klimaschutz demonstrieren, stehen viele Erwachsene teilnahmslos daneben. Unser Autor, 20 Jahre alt, hat das satt.
"Fridays For Future"-Protest in Düsseldorf

"Fridays For Future"-Protest in Düsseldorf

Foto: Roland Weihrauch/ picture alliance/dpa

Christian Lindner findet, Klimaschutz sollte den Profis überlassen werden. Das macht mich wütend, weil er uns damit das Recht auf eine politische Meinung abspricht. Es macht mich auch wütend, wenn die Eltern meiner Freunde meinen, sie täten schon genug für den Planeten, weil sie einmal im Jahr am "Earth Day" das Licht ausschalten.

Es macht mich wütend, wenn es heißt, wir würden an den "Fridays for Future" nicht protestieren - sondern die Schule und in meinem Fall die Uni schwänzen. Von den Alten heißt es: "Kümmert euch doch lieber ums Klima, wenn ihr alt genug dafür seid."

Zur Person
Foto: privat

Nick Heubeck, Jahrgang 1998. Studiert Kommunikation und Politik in Bamberg. Nach dem Abitur begann er, sich für den Umweltschutz zu engagieren.

Viele Eltern finden, dass es ihre Kinder einmal besser haben sollten als sie selbst. Sie machen deshalb alles für sie: Sie fahren die Kinder zur Schule, veranstalten aufwendige Geburtstagspartys. Doch wenn es um unsere Zukunft geht, scheinen Eltern ihren Wunsch vergessen zu haben.

Während wir demonstrieren, sitzen die Älteren im Publikum. Sie beobachten, befürworten unser politisches Engagement, holen ihre Kinder von der Demo ab. Aber sie gehen nicht mit.

Verständlich machen, dass es nicht reicht

Die Politik wird uns nur ernst nehmen, wenn auch die größten Wählergruppen - also die Älteren - Druck machen. Worauf wartet ihr noch?

Wir müssen es schaffen, unsere Eltern davon zu überzeugen, dass es nicht reicht, uns beim Streiken auf die Schulter zu klopfen. Und wir müssen es schaffen, Politikern verständlich zu machen, dass es nicht reicht, wenn sie die Schülerproteste nur "begrüßenswert" finden wie Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Ich bin ein 20 Jahre alter Student aus Bamberg und habe mich in den vergangenen Monaten mehr für den Umweltschutz engagiert als je zuvor. Ich habe dafür gesorgt, dass es im Dortmunder Fußballstadion keine Einweg-Plastikbecher mehr gibt. Mit der Klimaaktivistin Luisa Neubauer habe ich einen offenen Brief der Jugend an die Kohlekommission geschrieben. In einer Petition fordern wir gemeinsam mit über 80.000 Unterzeichnern den Kohleausstieg bis 2030.

Ich gehe jeden Freitag demonstrieren, auch diese Woche in Berlin. Denn viele Menschen scheinen noch immer nicht zu begreifen, dass der Klimawandel existiert. Sie sind sich nicht bewusst, welche Folgen ein Temperaturanstieg mit sich bringt. Dass wir unerträgliche Hitzetage ertragen werden müssen. Dass sich Erreger tropischer Krankheiten in Deutschland werden ausbreiten können. Dass es nicht nur wir jungen Menschen, sondern vor allem auch die Älteren sind, deren Gesundheit dadurch gefährdet wird.

Letzte Möglichkeit: Jetzt

Wenn die junge US-Politikerin Alexandria Ocasio-Cortez von "Climate Delayers", von Klima-Verzögerern spricht, meint sie sicher die vielen Erwachsenen, von denen ich hier schreibe. Menschen, die den Klimawandel zwar nicht anzweifeln, aber ihn auch nicht als ein so großes Problem sehen, um aktiv zu werden. Damit sind sie nicht besser als diejenigen, die den Klimawandel leugnen.

Wir haben verstanden, dass jetzt die letzte Möglichkeit ist, nachfolgenden Generationen einen lebenswerten Planeten zu garantieren. Nur jetzt können wir noch beeinflussen, wie viel der Gletscher noch schmelzen wird, welche Teile der Erde nicht mehr bewirtschaftet werden können und wie viele Millionen Menschen ihre Heimat verlassen müssen.

Der Klimawandel wird unser aller Leben verändern. Wir müssen auf die Straße, solange wir noch eine Chance dazu haben - alle. Auch unsere Eltern!