Weltweite Demonstrationen für Klimaschutz Der globale Weckruf

Rund um den Globus sind am Freitag Millionen Menschen auf die Straßen gegangen, um für mehr Klimaschutz zu protestieren. Allein in Berlin machten über 200.000 Demonstranten klar: "Wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut!"

DPA

Sie sind gekommen, um ihre Botschaft in den Hamburger Himmel zu brüllen: "Leute, lasst das Glotzen sein, reiht euch in die Demo rein!" Es sind einige Kinder, unter Zehntausenden von Demonstranten, die sich auf dieser "Fridays for Future"-Demo in der Hamburger Innenstadt zusammengetan haben. Und an diesem Nachmittag machen sie ein paar Erwachsenen, die etwas abseits stehen und skeptisch schauen, eine Ansage.

Während Kanzlerin Angela Merkel am Freitag nach zähen Verhandlungen die Klimaschutzmaßnahmen der Regierung vorstellte, gingen rund um den Globus Millionen auf die Straßen. Erwachsene und Kinder, vereint, um dem Aufruf zu einem weltweiten Klimastreik zu folgen. In Australien, Asien, Afrika und Europa.

In Deutschland strömten sie in fast 600 Städten durch die Straßen. Allein in Berlin waren es nach Angaben der Polizei rund 270.000 Demonstranten. Grundschüler mit Transparent riefen in der Nähe des Brandenburger Tores: "Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut!"

SPIEGEL ONLINE

In Hamburg und Köln kamen laut Polizei jeweils mehr als 70.000 Demonstranten. Auch in kleineren Städten, etwa in Münster und Freiburg, waren es jeweils rund 20.000. Adressat der Protestaktionen in Deutschland war auch das Klimakabinett der Bundesregierung, das am Freitag Eckpunkte für mehr Klimaschutz vorlegte. (Lesen Sie hier, auf welche Maßnahmen sich die Spitzen von Union und SPD geeignet haben. Hier finden Sie die Reaktionen auf das Klimapaket.)

Die vor allem von Schülern und Studenten getragene Bewegung "Fridays for Future" wurde erstmals im großem Stil von anderen Organisationen und Initiativen unterstützt. Darunter sind unter anderem die Gewerkschaften Verdi und IG Metall, die Evangelische Kirche sowie Kinderschutz-, Umwelt- und Hilfsorganisationen, Künstler sowie Eltern- und Großelternnetzwerke.

Fotostrecke

19  Bilder
Weltweiter Klimastreik: "Auf einem toten Planeten gibt es keine Jobs"

Der Startschuss für den weltweiten Klimastreik fiel bei Tagesanbruch an der Datumsgrenze im Pazifik. Auf den vom steigenden Meeresspiegel bedrohten Inseln Vanuatu, den Salomonen und Kiribati sangen Kinder: "Wir sinken nicht, wir kämpfen".

In Australien blieben Zehntausende Schüler dem Unterricht fern. In der Stadt Alice Springs legten sich zahlreiche Menschen auf den Boden und stellten sich tot. In Neu Delhi und Mumbai verließen indische Schulkinder ihre Klassenzimmer, um für mehr Klimaschutz zu streiken. Auf den Philippinen, die nach Angaben von Experten besonders vom steigenden Meeresspiegel und von immer stärkeren Stürmen bedroht sind, demonstrierten Tausende Menschen.

Protestaktionen von Klimaschützern gab es auch in Hongkong, wo es in den vergangenen Monaten immer wieder Demonstrationen der Demokratiebewegung gegeben hatte. Auf dem afrikanischen Kontinent schlossen sich Aktivisten in Kenias Hauptstadt Nairobi dem Klimastreik an. In Uganda versammelten sich Hunderte Schulkinder am Stadtrand von Kampala, um von der Regierung mehr Engagement im Klimaschutz zu fordern.

1,1 Millionen Schüler in New York mit Erlaubnis

Eine der größten Kundgebungen sollte in New York stattfinden, wo am Montag zahlreiche Staats- und Regierungschefs, darunter Kanzlerin Merkel, zu einem Klimagipfel der UNO erwartet werden. 1,1 Millionen Schüler von 1800 New Yorker Schulen erhielten die Erlaubnis, für die Teilnahme an der Demonstration am Freitag dem Unterricht fernzubleiben. An der Kundgebung in New York wird auch Greta Thunberg teilnehmen, die prominenteste Figur der Klimabewegung.

Die Schwedin hatte am Donnerstag noch einmal in einer Videobotschaft zur Teilnahme am Klimastreik aufgerufen. Vor ihr liegen eine Reihe von Klimakonferenzen, Protesten und weiteren Terminen. Der Jugend-Klimagipfel der Vereinten Nationen in New York startet am Samstag, dann folgt der UN-Klimagipfel.

nil/dpa/AFP



TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.