CO2-Steuer und Abschaltung der Kohlekraft "Fridays for Future" stellt erstmals konkrete Forderungen an die Politik

Jeden Freitag gehen Tausende Schüler in Deutschland auf die Straße. Jetzt haben die Organisatoren von "Fridays for Future" zum ersten Mal formuliert, was sie sich konkret unter einer besseren Klimapolitik vorstellen.

Michael Kappeler / DPA

180 Euro - so viel soll eine Tonne CO2 in Zukunft kosten, wenn es nach den Organisatoren von "Fridays for Future" geht. Erstmals haben die Klimaaktivisten in einem Grundsatzpapier konkrete Forderungen an die Politik gestellt. "'Fridays For Future Deutschland' fordert die Regierungen auf Kommunal-, Landes- und Bundesebene auf, die Klimakrise als solche zu benennen." Sie sollten auf allen Ebenen sofort handeln, heißt es in dem Papier.

Konkret geht es den Schülern um folgende Punkte:

  • Deutschland soll demnach bis zum Jahr 2030 aus der Kohlekraft aussteigen,
  • bis 2035 zu 100 Prozent durch erneuerbare Energien versorgt werden
  • und zusätzlich ein Nettonull in der Treibhausbilanz erreichen.
  • Bis zum Ende dieses Jahres sollten zudem bereits ein Viertel aller Kohlekraftwerke abgeschaltet werden.
  • Außerdem sollte laut Aussage der Aktivisten eine CO2-Steuer eingeführt werden. Mit der Steuer wollen die Organisatoren erreichen, die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen.

Das Forderungspapier enthalte "bewusst nur Ziele, keine Maßnahmen". Es sei die Verantwortung der Politik, den geeigneten Weg zu finden, die Einhaltung des 1,5-Grad-Ziels zu erreichen. Dieses Ziel wurde auch im Pariser Klimaabkommen festgehalten - inzwischen sind sich Wissenschaftler allerdings einig, dass sich diese Vorgabe nur noch durch sofortige Maßnahmen erfüllen ließe. "Uns ist bewusst, dass diese Forderungen ambitioniert sind", schreiben die Klimaaktivisten weiter.

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Seit Wochen streiken Schüler europaweit für einen besseren Klimaschutz. Weil sie dafür freitags den Unterricht verpassen, ist auf politischer Ebene ein Streit um die Demonstrationen entbrannt. Vor Kurzem verkündete FDP-Parteichef Christian Lindner, ihn mache es "fassungslos, dass Schulschwänzen von manchen Politikern heiliggesprochen wird." Kanzlerin Angela Merkel hat die Schüler hingegen unterstützt.

lmd



insgesamt 548 Beiträge
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napoleonwilson 08.04.2019
1. Schüler...
Prima. Nun Kohle in Deutschland abschalten und die Kosten trägt der Steuerzahler. Was ist mit den Kohle Kraftwerken in Rest Europa und der Welt ? Wir haben bald EUR10 und Vollelektro und der Rest der Welt macht so weiter wie bisher. Naiver Versuch, leider in der Praxis nicht umsetzbar.
Marvel Master 08.04.2019
2.
Hört sich ja an sich gut an. Das klappt aber nur, wenn die anderen Länder auch mitmachen. Sollte Deutschland einen Alleingang machen, wird der Strom hier noch teurer und die Unternehmen haben dadurch einen Wettbewerbsnachteil gegenüber den anderen Ländern. Also müssen alle mitspielen. Aktuell werden wohl weltweit über 1000 neue Kohlekraftwerke gebaut. Die müssten dann alle direkt wieder abgerissen werden. Zusätzlich muss man die Atomkraftwerke wieder reaktivieren bzw. neu bauen, damit genügend Strom da ist. Schon heute wollen ja viele keine neuen Windräder vor der Haustür haben. Geschweige denn Strommasten in der Landschaft sehen. Und Solarpanels sollte man da hin bauen, wo die Sonne scheint. Also in die Wüste etc. Und als letztens sollten die Schüler auch eine Begrenzung der Menschenvermehrung fordern. Also weltweite 1 Kind Politik, damit nicht immer neue Verbraucher dazu kommen.
defy_you 08.04.2019
3. Und Langstrecken-Luisa?
Wie wäre eine Forderung an Langstrecken-Luisa ihre Langstrecken Flüge durch die Welt einzustellen? Damit wäre dem Klima schon etwas geholfen. Die Frau hat mit 22 einen ökologischen Fußabdruck wie andere nach 80 Jahren. Was sind solche Forderungen wert, wenn sie ua von dieser Frau stammen, für die der Begriff Doppelmoral neu erfunden werden müsste, wenn es ihn noch nicht gäbe. Und überhaupt: Forderungen sind ja schön und gut, aber wie ist das machbar? Woher soll die Grundlast denn kommen? Wie umweltschädlich sind eigentlich Batterien? Usw...
fatherted98 08.04.2019
4. Bin mal gespannt...
...wann die ersten merken werden, dass solche Forderungen konkret auf sie zurückfallen....wenn Mama und Papa auf einmal arbeitslos sind, die Rechnungen nicht mehr zahlen können, kein Auto mehr da ist, kein neues Handy mehr leistbar....kein Internet (ach ne...das gibts ja auch mit H4). Forderungen kann man viele aufstellen...wie wäre es mal mit machbaren Lösungen? Aber dafür sind ja andere da....
spontanistin 08.04.2019
5. Den Spieß umgedreht! Gut so.
Bisher stellen doch die Dampfplauderer der Berufspolitik immer die steilen Forderungen und Ziele (mehr Solidarität, mehr Sozialwohnungen, weniger CO2, Wohlstand für alle, sauberes Grundwasser, gesunde Lebensmittel, Schuldenabbau, Geldstabilität etc., etc.) auf, ohne diese mit nachhaltigen Maßnahmen zu untermauern, trotz gigantischer Steuereinnahmen, die weit über dem "Zehnten" der Bibel liegen. Statt dessen fördern Sie Steuerverschwendung und subventionieren Umwelt- und Naturzerstörer inkl. Luftverkehr, Massentierhaltung und Landwirtschaft mit maximalem Pestizid-Einsatz.
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