"Fridays for Future" in anderen Ländern "Mein Professor hat mir neulich gesagt, dass es den Klimawandel nicht gibt"

In Schweden fing es an, inzwischen gibt es die Schülerstreiks fürs Klima auch in Ländern wie China, Syrien, Indien und Uganda. Drei Aktivisten haben dem SPIEGEL erzählt, wie die Proteste bei ihnen aussehen - und was sie persönlich antreibt.

"Fridays for Future" in Uganda
Nakabuye Hilda Flavia

"Fridays for Future" in Uganda

Von Franca Quecke und


Eine junge Frau blickt ernst durch ihre runden Brillengläser in die Kamera. Vor sich hält sie ein Plakat mit chinesischen Schriftzeichen. Und den Worten: "Climatecrisis. Schoolstrike". Howey Ou ist 16 Jahre alt, Chinesin - und beteiligt sich an den weltweiten Schülerstreiks für besseren Klimaschutz.

Wie sie ihren Protest gestaltet, geht aus dem Twitterprofil der 16-Jährigen hervor. Ganz allein sitzt die Schülerin demnach an vielen Tagen vor dem Regierungsgebäude in Guilin, einer Stadt im Südosten Chinas. Howey Ou will so lange weitermachen, bis die chinesische Regierung erklärt, Maßnahmen gegen den Klimawandel zu ergreifen.

"Tag 5 des Schülerstreiks fürs Klima: Ein deutscher Fotograf kam vorbei, um mich zu ermutigen", schreibt die Schülerin.

Das Foto erinnert an Bilder der schwedischen Aktivistin Greta Thunberg, die die Schülerproteste vor Monaten ins Rollen brachte und deren Reden inzwischen als Buch veröffentlicht wurden.

Greta Thunberg am 31. Mai in Wien, Österreich
Ronald Zak/ AP

Greta Thunberg am 31. Mai in Wien, Österreich

Auch an diesem Freitag werden sich wieder zahlreiche junge Menschen in vielen Teilen der Welt zu "Fridays for Future"-Demos versammeln. Die Jugend-Aktionen für besseren Klimaschutz sind längst international - und reichen zudem weit über Europas Grenzen hinaus. Drei junge Menschen haben dem SPIEGEL erzählt, warum sie in Uganda, Syrien und Indien für "Fridays for Future" auf die Straße gehen.

Nakabuye Hilda Flavia, 22, Studentin aus Uganda:

Nakabuye Hilda Flavia protestiert in Uganda
Nakabuye Hilda Flavia

Nakabuye Hilda Flavia protestiert in Uganda

"Mein Professor hat mir neulich gesagt, dass es den Klimawandel nicht gibt. Als ich ihm aufgezählt habe, welche Auswirkungen extreme Temperaturunterschiede schon jetzt auf Uganda haben, meinte er, dass sich das Klima ändert, weil es Gottes Entscheidung ist. Er hat mir gesagt, dass er älter wäre und mehr als ich weiß. Wenn ich jetzt noch einmal seine Vorlesungen am Freitag verpasse, lässt er mich durchfallen.

In Uganda besuchen viele Schülerinnen und Schüler Internate, deswegen finden die Streiks vor allem in den Schulen statt. Ich streike jeden Freitag. An den wöchentlichen Protesten beteiligen sich bisher allerdings noch nicht so viele, eher an den weltweiten: Am 15. März haben rund 150 Schüler in mehreren Städten demonstriert, vor Kurzem waren es fast 180. Wir sehen, dass sich viel europäische Politiker für Klimaschutz einsetzen. In vielen afrikanischen Ländern, so wie in Uganda, hören sie häufig nicht einmal zu.

Die Proteste hier haben im Februar angefangen, als ich mit ein paar Freunden eine "Fridays for Future"-Gruppe in Kampala, Ugandas Hauptstadt, gegründet habe. Wir hatten Greta Thunberg und ihre Freitagsproteste schon einige Wochen beobachtet und waren gleich inspiriert. Nach einem Klima-Vortrag an unserer Universität haben wir dann beschlossen, auch auf die Straße zu gehen. Momentan beteiligen sich 15 Schulen und zwei Universitäten an den Demonstrationen - es werden aber immer mehr. Neben den Streiks versuchen wir, Umwelt-AGs in den Schulen aufzubauen, um auf die Erderwärmung aufmerksam zu machen."

Asees Kandhari, 15, Schülerin aus Indien:

Asees Khandari spricht vor Mitstreitern
Bhavreen Kandhari

Asees Khandari spricht vor Mitstreitern

"Letzten September hat mir meine Mutter zum ersten Mal Greta Thunberg gezeigt. Ich und meine Freundinnen fanden sie gleich beeindruckend und haben angefangen, mehr über ihre Proteste zu erfahren, ihre Reden zu hören. Aber wir haben auch gesehen, dass viele sie immer noch nicht ernst genug nehmen. Deshalb haben wir beschlossen, hier in Indien auf die Straße zu gehen. Meine Mutter hat das gleich unterstützt, sie begleitet uns und organisiert die Proteste in unserer Hauptstadt Neu-Delhi. Hier und in Großstädten in der Umgebung hat die FFF-Bewegung in Indien vor allem angefangen.

In den letzten Monaten haben wir nur einmal im Monat gestreikt, weil wir mit Klausuren beschäftigt waren. Bei den Demonstrationen Mitte März in Neu-Delhi sind ungefähr 300 Schüler mitgelaufen, bei den zweiten weltweiten Protesten waren es rund 200. Das war ein Feiertag, deshalb waren es weniger. Aber eigentlich wächst unsere Bewegung: Immer mehr Schulen und Universitäten schließen sich uns an.

Anders als bei den Bewegungen in Europa geht der Protest hier nicht unbedingt von den Schülern aus, sondern kommt eher von den Schulen selbst. Eltern und Lehrer demonstrieren gemeinsam mit den Kindern für zwei Stunden, danach geht es wieder zurück in die Schule. Deshalb beschwert sich auch niemand, keine Eltern und keine Schuldirektoren. Mittlerweile haben wir sogar schon geschafft, dass der Umweltminister unsere Forderungen angehört hat. Wenn er sie jetzt nicht umsetzt, kommen wir wieder."

Luis Richter, 25, Aktivist in Nordsyrien:

"Viele Menschen sind hier im Norden Syriens direkt von der Veränderung des Klimas betroffen, da sie im Bereich der Landwirtschaft arbeiten und von dieser leben. Von den Klimastreiks von "Fridays for Future" haben aber noch nicht so viele gehört. Mit unseren Aktionen wollen wir für das Thema sensibilisieren. Aber es braucht natürlich viel Überzeugungsarbeit. Bis vor Kurzem war das Gebiet Rojava noch von IS-Terroristen besetzt und noch immer kommt es zu Anschlägen. Zudem droht die Türkei mit einer weiteren Besetzung Rojavas. Die Menschen haben deshalb andere Probleme, die wichtiger sind.

Ich selbst bin vor etwas über einem Jahr nach Syrien als Aktivist gekommen. Ich setze mich hier in der Region Rojava für eine grüne Revolution ein, ich habe mich auch der Gruppe "Make Rojava Green Again" angeschlossen. Die Fridays-For-Future-Gruppe haben Studierende hier vor Ort gegründet.

Am 15. März dieses Jahres haben wir zum ersten Mal ein Video veröffentlicht, eine Grußbotschaft an die vielen zehntausend SchülerInnen, welche an diesem Tag auf der ganzen Welt für das Klima auf die Straße gegangen sind. Unsere erste gemeinsame Aktion auf der Straße war dann ein Protestmarsch am 24. Mai. Dabei haben wir auch gleich Müll gesammelt, um die Stadt sauber zu halten.

Es waren noch nicht so viele Menschen dabei, das war natürlich schade. Insgesamt war es aber eine sehr schöne Aktion, die uns allen viel Spaß gemacht hat und für Aufmerksamkeit gesorgt hat."



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