Unicef-Appell an die G20 "Kein Problem kann ohne Bildung gelöst werden"

Millionen Kinder bekommen nicht die Bildung, die sie brauchen - und die G20-Staaten hätten das Geld, das zu ändern. Unicef-Botschafterin Muzoon Almellehan nimmt die Gipfelteilnehmer in die Pflicht.

Muzoon Almellehan (rechts) und Friendesnobelpreisträgerin Malala Yousafzai (Mitte), zusammen mit der pakistanischen Aktivistin Sahazia Ramzan
REUTERS

Muzoon Almellehan (rechts) und Friendesnobelpreisträgerin Malala Yousafzai (Mitte), zusammen mit der pakistanischen Aktivistin Sahazia Ramzan


Die G20-Staaten verhandeln über die Zukunft des Planeten? Dann müssen sie über Bildung reden - so könnte man die Forderungen der Unicef zusammenfassen, die sie an die Teilnehmer des Gipfeltreffens in Hamburg gerichtet hat.

Massive Finanzlücken bedrohen vor allem die Bildung von Kindern in Krisenregionen, so die Befürchtung des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen. Die reichen Industrieländer und aufstrebenden Wirtschaftsnationen, die am G20-Gipfel teilnehmen, müssten deshalb mehr Geld zur Verfügung stellen.

"Bildung muss Vorrang haben", sagte die mit 19 Jahren bisher jüngste Unicef-Botschafterin Muzoon Almellehan, die mit 14 Jahren aus Syrien flüchten musste, und die auch nach Hamburg gereist ist. "Wir brauchen Unterstützung, nicht nur durch ein Land, sondern durch die Weltgemeinschaft." Millionen von Kindern in Konfliktregionen seien gefährdet. "Wenn sie zur Schule gehen, sind sie einem höheren Risiko ausgesetzt, früh verheiratet, Opfer von Kinderarbeit oder durch bewaffnete Gruppe zwangsrekrutiert zu werden", sagte Muzoon. Keines der Probleme der Welt könne ohne Bildung gelöst werden.

17 Jahre auf Flucht - eine ganze Kindheit lang

Es gehe um die Zukunft. "Wenn Kinder nicht zur Schule gehen können, wird es ein Desaster", sagte Muzoon. Mehr als 25 Millionen Kinder zwischen 6 und 15 Jahren haben laut Unicef die Möglichkeit zum Schulbesuch; dabei zählt die Organisation Konfliktregionen in 22 Ländern. Andere Zahlen belegen, welch große Bildungsprobleme geflüchtete Menschen haben: Laut Unicef verbringen Menschen, die sich weltweit zur Flucht entschließen, im Schnitt 17 Jahre lang in instabilen persönlichen Verhältnissen - die Dauer fast einer ganzen Kindheit und Jugend.

Von den 932 Millionen US-Dollar, die die Vereinten Nationen dieses Jahr für Bildungsprogramme in Krisenregionen brauchten, seien erst 115 Millionen zugesagt. Die Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai und der Rockstar Bono appellierten in einem Brief an Kanzlerin Angela Merkel, in der Gruppe der G20 mehr für Bildung zu tun und Finanzmittel zu mobilisieren. "Bildung ist die Grundlage für Wachstum, Stabilität und Sicherheit", heißt es in dem Schreiben, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Weltweit gingen allein 130 Millionen Mädchen nicht zur Schule. Die wichtigen Programme "Globale Partnerschaft für Bildung" (GPE) und "Bildung kann nicht warten" seien völlig unterfinanziert.

mamk/dpa



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