G20-Chaos an Kitas und Schulen "Bitte holen Sie Ihr Kind unverzüglich ab"

Kitas verriegelten ihre Türen, Schulklassen blieben fast leer - die gewaltsame Konfrontation zwischen G20-Gegnern und Polizei hat Tausenden Eltern Probleme bereitet. Die Behörden konnten nicht für die Sicherheit garantieren.

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"Liebe Eltern, aus verlässlicher Quelle haben wir erfahren, dass in Ottensen eine Kita gestürmt wurde. Wir möchten Ihnen empfehlen, Ihre Kinder frühzeitig abzuholen. Bitte schließen Sie das Tor zur Straße, nachdem Sie das Gelände betreten haben."

Am Freitagmorgen gegen 9.30 Uhr verschickte die Leiterin der Kita Elbchaussee im Hamburger Stadtteil Ottensen diese drastische E-Mail. In einer Kita in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft seien Autonome durch den Garten gelaufen, ergänzt sie auf Nachfrage. Wo genau das passiert ist, will sie nicht sagen. In den umliegenden Kitas geht am frühen Nachmittag keiner mehr ans Telefon.

Was genau geschah, lässt sich daher nicht überprüfen. Dennoch verdeutlicht die E-Mail, welch weitreichende Folgen die Kämpfe haben, die Polizisten und Demonstranten gerade zum Auftakt des G20-Gipfels auf Hamburgs Straßen austragen. Die Proteste bringen die Tagesplanung vieler Eltern durcheinander und sie schüren Sorgen um das Wohl ihrer Kinder.

Die Reaktionen auf den Hamburger Ausnahmezustand sind unterschiedlich. Eine E-Mail der Elbkinder Vereinigung Hamburger Kitas klingt eher aggressiv-sarkastisch: "Wir hören gerade, dass evtl. eine Horde von schwarz bekleideten Vollidioten Richtung Barmbek ziehen", heißt es darin. "Bitte holen sie ihr Kind unverzüglich ab. Ich wünsche allen ein friedliches Wochenende und peace on earth."

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G20 in Hamburg: "Bitte holen sie ihr Kind unverzüglich ab"

Im Kindertagesheim St. Stephanus im Hamburger Stadtteil Eimsbüttel ist man überwiegend besorgt. Eine Erzieherin wartet auf die Eltern des letzten Kindes, am Eingang hängt ein Schild, dass die Türen heute abgeschlossen sind. "Wir können für die Sicherheit nicht garantieren", sagt die Frau. In den umliegenden Straßen haben autonome Randalierer in der vergangenen Nacht zahlreiche Schaufenster zerstört.

An Hamburgs Schulen ist die Lage am Freitagnachmittag kaum besser. Vor dem Gymnasium am Kaiser-Friedrich-Ufer holt Thomas A. gerade zum ersten Mal seit Jahren seine Tochter von der Schule ab. A. bemüht sich, ihr die Lage zu erklären, ohne sie allzu sehr zu verunsichern. "Es ist heute einfach besser, wenn wir als Familie zusammenbleiben", sagt er.

Viele Eltern haben ihre Kinder am Freitag gar nicht zur Schule geschickt. Aus ihrer Klasse seien am Freitag nur neun von 24 Schülern gekommen, berichtet die Tochter von Thomas A.. Bei der Hamburger Schulbehörde heißt es, dass im gesamten Stadtbereich viele Schulen nur wenig besucht sind. "Manchen rät die Polizei, ihre Schüler vorzeitig nach Hause zu schicken", sagt ein Sprecher. Es gebe zudem Überlegungen, einige Abiturfeiern abzusagen, die für den Abend geplant sind.

Im Gymnasium am Kaiser-Friedrich-Ufer soll die Zeugnisvergabe an die Abiturienten indes wie geplant am Abend stattfinden. "Das beste, was wir jetzt tun können, ist, den Schülern möglichst viel Normalität zu geben", sagt Arne Woller, der Schulleiter. Man haben sich ganz bewusst dafür entschieden, sich dem Hype um Gewalt und Panikmache zu widersetzen.



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spon-facebook-1261351808 07.07.2017
1. Scholz-Festspiele
Nach der gescheiterten Olympia-Bewerbung, dem Elphi-Desaster und jetzt dem G20-Chaos erwarte ich einmal ein kritisches Hinterfragen der Hamburger Stadtpolitik. Hier scheint Größenwahn an der Tagesordnung zu sein. Es war vor allem Olaf Scholz, der Hamburg mit diesem Ereignis zu einer "Weltstadt" machen wollte. Jetzt haben wir den Salat.
gandhiforever 07.07.2017
2. Kollateralschaden
Wenn die Ordnungskraefte so wichtiges zu tun haben wie die Beschuetzung von Staatschefs, muessen zwangsweise andere Menschen auf diesen Schutz verzichten. Und wenn die Eltern dann ihren Nachwuchs abholen wollen, versperren ihnen 'Ordnungshueter' den Weg mit dem Hinweis "Hier koennen Sie nicht durch". Es zeigt sich, wie unklug es war, dieses Treffen im Zentrum einer Gossstadt durch zufuehren. Aber die Polizei kann doch nur in Grossstaedten fuer den grossen Aufstand ueben!
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