G9-Streit in Hamburg Initiative gegen Turbo-Abi an Gymnasien gescheitert

Rückschlag für die Schulzeitverlängerer: Ein Volksbegehren in Hamburg, mit dem die Gymnasialdauer wieder auf neun Jahre ausgedehnt werden sollte, ist gescheitert. Die G9-Initiative fand nicht genügend Unterstützer.

Schüler an Hamburger Schule: Schulzeit am Gymnasium bleibt neun Jahre
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Schüler an Hamburger Schule: Schulzeit am Gymnasium bleibt neun Jahre


Hamburger Schüler an Gymnasien streben auch weiterhin das Abitur nach acht Schuljahren an. Ein Volksbegehren, die Gymnasialschulzeit wieder auf neun Jahre auszuweiten, fand nicht genügend Unterstützer. Das gaben die Organisatoren des Volksbegehrens "G9-Jetzt-HH" am Donnerstagvormittag bekannt.

Die Initiative hatte gefordert, das neunjährige Gymnasium wieder als Standard einzuführen und G8 nur noch als Option an einzelnen Schulen anzubieten. Dieses Modell führt Niedersachsen zum Schuljahr 2015/16 ein.

Dafür hätten die Initiatoren innerhalb der vergangenen drei Wochen die Unterschriften von fünf Prozent der wahlberechtigten Hamburger, also rund 63.000 Menschen, sammeln müssen. "Es reicht nicht", schrieb eine Vertreterin der Initiative in einer Presseerklärung. Sprecherin Mareile Kirsch sagte, lediglich rund 45.000 Unterschriften seien zusammengekommen. Trotz des klaren Scheiterns sprach Kirsch von einem "gigantischer Erfolg", man habe "eine unglaubliche Welle der Sympathie in Hamburg erfahren". Außerdem habe es "massive Beeinflussung" durch Schulleiter und Politiker gegeben. Darum werde die Initiative prüfen, ob auf dem Rechtsweg noch eine Chance zur Wiederholung eines Volksbegehrens bestehe.

Bei einem erfolgreichen Volksbegehren hätte das Hamburger Landesparlament den Vorschlag entweder direkt übernehmen müssen oder alle Bürger hätten in einem Volksentscheid darüber abgestimmt. Die Schulbehörde reagierte erleichtert auf das Scheitern der Initiative. Schulsenator Ties Rabe (SPD) sagte, er sei "froh, dass Hamburgs Kindern eine solche Gewaltreform erspart bleibt". Gute Bildung erreiche man nicht, "indem man alle zehn Jahre sämtliche Schulen auf den Kopf stellt".

Nun bleibt es in Hamburg beim Status quo: Schüler an Gymnasien gehen in der Hansestadt acht Jahre zur Schule, an den Stadtteilschulen können sie das Abitur weiterhin nach neun Jahren erwerben.

Der Streit um das G8 tobt weiter in mehreren Bundesländern: Auch in Bayern scheiterte kürzlich ein Volksbegehren, das G9 wieder einzuführen. Allerdings will die regierende CSU dort nun selbst eine Option für das Abitur nach neun Jahren schaffen.

Dauer der Gymnasialzeit: Acht Jahre? Neun Jahre? Oder beides?

Stand: Juni 2016

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insgesamt 40 Beiträge
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Mario V. 09.10.2014
1. G8 + 1 Jahr Auszeit
Interessant wäre eine Statistik darüber, wieviele Schüler sich nach dem G8 erstmal ein Jahr Auszeit nehmen, weil sie so ausgepowert sind, dass ihnen ein direkt anschließendes Studium (oder auch ein Berufseinstieg) einfach zu viel ist. Ich kenne nämlich einige, die das tun bzw. getan haben.
motzki687 09.10.2014
2. Deckt mal wieder falsche Sichtweise auf
Immer wieder stellen kleine aggresive Randgruppen Ihre Meinung als Volksmeinung dar und die Medien stimmen in deren Gesang ein. Wie schon bei S21 zeigt sich auch hier wieder einmal dass der angebliche Mainstream nicht immer die Meinung der Mehrheit darstellt. Deshalb ganz klar die Forderung "mehr Volksentscheide" sind im Rahmen einer funktionierenden Demokratie unumgänglich
kascnik 09.10.2014
3. Mario V.
Ich finde ein Jahr Auszeit,egal ob G8 oder G9 grundsätzlich wichtig und richtig!Ob das nun so aussieht, dass der Betreffende die Welt bereist, sich einer sozialen Sache widmet oder Praktikas absolviert,völlig unerheblich,man sollte jungen Menschen die Zeit lassen sich ihr eigenes Bild der Welt und von sich selbst machen zu lassen, etwas was die Schule meist einem Heranwachsenden nicht bieten kann Leider nur schimpft der typische kleinstädtische Mitvierziger aus Angst um sein "hart Erspartes" zu gern auf deshalb auf die angeblich so faule Generation U30 und die Jugend im speziellen!
kascnik 09.10.2014
4. Mario V.
Ich finde ein Jahr Auszeit,egal ob G8 oder G9 grundsätzlich wichtig und richtig!Ob das nun so aussieht, dass der Betreffende die Welt bereist, sich einer sozialen Sache widmet oder Praktikas absolviert,völlig unerheblich,man sollte jungen Menschen die Zeit lassen sich ihr eigenes Bild der Welt und von sich selbst machen zu lassen, etwas was die Schule meist einem Heranwachsenden nicht bieten kann Leider nur schimpft der typische kleinstädtische Mitvierziger aus Angst um sein "hart Erspartes" zu gern auf deshalb auf die angeblich so faule Generation U30 und die Jugend im speziellen!
omg65 09.10.2014
5. Leider
sind die meisten Bürger an diesem Thema nicht interessiert. Gestern Abend hatte noch ein verzweifelter Unterstützer vor einem Kino am Mundsburg versucht Menschen für die G9 Sache zu gewinnnen. Allein die Art und Weise wie die Menschen darauf reagierten, war so bestürzend anzusehen, dass mir der Mann Leid tat. Schade, da bleibt nur noch die Stadtteilschule. Die von der selbsternannten Elite als Abi für Arme abgetan wird. Schlimme Zeiten für alle Empathen.
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