Ganztagsschule Für Jugendliche ziemlich daneben

Mehr soziale Kompetenz und bessere Noten: Die Erwartungen an Ganztagsschulen sind hoch. Doch die Angebote sind gerade für ältere Schüler nicht interessant genug, zeigt eine neue Studie.

Schüler einer Realschule in Niedersachsen
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Schüler einer Realschule in Niedersachsen


Stell dir vor, es ist Ganztagsschule und keiner geht hin. Dass das gerade für ältere Schüler zutrifft, zeigt der aktuelle Kinder- und Jugendbericht des Deutschen Jugendinstituts. Demnach gibt es zwar immer mehr Ganztagschulen, doch das Angebot wird häufig entweder überhaupt nicht oder nur selten wahrgenommen.

Die Ganztagsschule gehört zu den größten Reformprojekten der vergangenen 15 Jahre. Laut der Kultusministerkonferenz waren im Schuljahr 2015/2016 mehr als 60 Prozent der Schulen Ganztagsschulen. 2002 waren es nur etwa 16 Prozent.

Die ganztägige Betreuung soll unter anderem dafür sorgen, dass sich Familie und Beruf besser vereinbaren lassen, Kinder individuell gefördert und soziale Ungleichheiten abgebaut werden. Doch nur knapp 40 Prozent der Schüler nutzen die Ganztagsangebote auch, so der Kinder- und Jugendbericht. Bei den 14-Jährigen sind es sogar nur 17 Prozent.

Und selbst die sind selten anwesend, zeigt eine frühere Studie des Steg-Konsortiums. Demnach nutzen noch 62 Prozent der Drittklässler an fünf Tagen in der Woche Ganztagsangebote, bei den Neuntklässlern ist es weniger als jeder Zehnte. Fast die Hälfte nutzt die Ganztagsschule nur einmal pro Woche.

Doch warum ist das so? In einer Befragung gaben 30 Prozent der Neuntklässler an, dass sie die Angebote oft langweilig fänden. Mehr als die Hälfte der Jugendlichen sagte, sie hätten lieber Freizeit. Zudem fehle es an geeigneten Räumen und die Schüler dürften bei Inhalten zu wenig mitbestimmen. Schüler bekommen dadurch den Eindruck, der Unterricht geht am Nachmittag einfach weiter. Und wer macht das schon freiwillig? Beliebt sind dagegen Kurse, in denen es um Sport und Musik geht und in denen die Schüler über den Inhalt mitbestimmen dürfen.

Dass die Angebote nicht immer das Interesse der Schüler treffen, ist jedoch nicht das einzige Problem an Ganztagsschulen. Schön frühere Studien haben gezeigt: Ganztagsangebote fördern demnach zwar die Sozialkompetenz, aber die Noten werden nicht besser. Auch im aktuellen Kinder- und Jugendbericht steht, dass die Effekte der Ganztagsschule "eher mäßig" seien. Besonders "herkunftsbedingte Ungleichheiten in der Bildungsförderung" könnten durch die Ganztagsschule nicht abgebaut werden.

koe



insgesamt 19 Beiträge
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Seite 1
erst nachdenken 02.02.2017
1.
Über 14-jährige sollten auch eigenständig ohne Rundumbespaßung klarkommen. Ganztagesschulen sorgen hier nur für unreife Erwachsene.
lachina 02.02.2017
2. In Ländern mit mehr Ganztagsschulerfahrung
ist das anders: Da geht es nicht um "Bespaßung" , sondern dass Jugendliche breitgefächerten Interessen nachgehen können, ohne das das an PapiMamis Geldbeutel hängt. : von Astronomie bis Zumba.
Sixpack, Joe 02.02.2017
3. ´die Noten werden nicht besser´
Warum sollen die Noten besser werden? Die Notenwahn ist etwas typisch Deutsches. Nur über eine note kann man beurteilt werden. Nein so funktioniert die Bildung nicht. Es sei denn man wolle nur ´Beamten´ und ´Soldaten´. So rechnen sich die Studenten später durch die Unis, und wenn es mal keine Eins ist, wird der Anwalt angerufen.
Herr Bayer 02.02.2017
4. Eine Geldfrage
Ganztagsbetreuung kostet Geld. Da 14-jährige alleine zuhause bleiben können, sparen Eltern gerne die Gebühren.
g_bec 02.02.2017
5. Wieso?
Zitat von erst nachdenkenÜber 14-jährige sollten auch eigenständig ohne Rundumbespaßung klarkommen. Ganztagesschulen sorgen hier nur für unreife Erwachsene.
Es kommt ja nur auf die Art der "Bespaßung" an. Diese könnte ja von "Autoschrauben" über Kochen, Tanzen, Musik bis hin zur Höheren Mathematik reichen. Würde den Staat aber Geld kosten.
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